Spieletest: 404Sight (PC)

4627 0 0 5. Juli 2015
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Das Internet ist informativ. Heutzutage ist es nicht mehr wegzudenken, dient es uns als ultimatives Medium für Informationen, Nachrichten, digitales CD-Regal, Videospiele, Videothek und lustige Katzenvideos. 404Sight, entwickelt von 12 Gamedesign-Studenten der Entertainment Arts & Engineering Universität Utah, nimmt sich der Thematik „Internet“ an und verpackt das Ganze in eine Mischung aus Temple Run und Mirror’s Edge. Ob das funktioniert, klären wir im Test.

 

Neutral durch’s Netz

404Sight dient nicht nur der klassischen Spieleunterhaltung, sondern wurde mit dem Gedanken entwickelt, die Netzneutralität im Internet zu unterstützen. Allem voran geht man mit der Drosselung der Geschwindigkeit seitens der Service-Provider ins Gericht. Genau das ist aber nicht im Sinne eines freien Internets. Es sollte jedem zugänglich sein und Niemand sollte einen Riegel vorgesetzt bekommen. So ziemlich jeder Provider (auch hier in Deutschland), bietet an, seine Datenverbindung mit teils fragwürdigen Verträgen, aufzustocken, so dass wir länger schnelles Internet nutzen können. Im Umkehrschluss bedeutet das für den Nutzer zusätzliche Kosten.

 

404s_Screen1

 

ISP und ihre digitaler Hemmstoff?

Aber nun genug von Netzneutralität und Smartphone-Zusatzkosten. Schließlich ist das hier ein Testbericht zu einem Videospiel. 404Sight erinnert vom Spielprinzip her an eine Mischung aus dem Mobile-Hit „Temple Run“ und dem First-Person-Parkour-Platformer „Mirror’s Edge“. Wir rennen und springen in Third-Person-Perspektive durch futuristische Level, weichen Hindernissen aus und spielen nebenbei noch gegen die Zeit. Wobei das Spiel mit der Zeit ein eher persönliches Unterfangen ist. Zeitdruck gibt es in den Level zwar nicht, allerdings läuft am oberen Bildschirmrand ein Timer mit, der die Zeit für den aktuellen Level mitzählt. Das führt mitunter dazu, dass wir in eine Art Time Trial-Modus verfallen. Irgendwie will man den Level dann doch noch eine Sekunde schneller abschließen.

Während unseres Runs werden uns allerlei Hindernisse in den Weg geschmissen. Neben diversen Abgründen schmeißt uns das böse Internet immer wieder Bohrmaschinen-ähnliche Sonden, sogenannte “Inhibitoren” vor die Füße. Diese erzeugen ein kreisförmiges rotes Feld, welches uns nicht nur Lebensenergie abzieht, sondern unser Tempo drastisch reduziert. Im Spiel werden diese roten Felder Slow-Lanes genannt und stehen sinnbildlich für die Drosslung der Internetgeschwindigkeit. Das Gegenstück zu den Slow-Lanes sind die Fast-Lanes (Duh!). Auf diesen türkisen Streifen und Feldern nehmen wir Geschwindigkeit auf und rasen förmlich durch das „Internet“.

 

404s_Screen2

 

Damit die beiden Lanes auch sichtbar werden, müssen wir unsere „Ping“-Fähigkeit einsetzen. Dieser Ping zeigt uns bis zu einer gewissen Reichweite an, wo sich Fast- und Slow-Lanes befinden. Schalten wir den Ping aus, so laufen wir quasi in Normalgeschwindigkeit durch Netz. Das ermöglicht uns zwar, den lästigen roten Flächen aus dem Weg zu gehen, allerdings sind die Hochgeschwindigkeits-Felder auch nicht sichtbar. Darüber hinaus ist der Ping nicht nur für die Sichtbarkeit der Lanes wichtig, er ermöglicht uns auch das „Sehen“ von wichtigen Jump-Pads. Nur bei aktiviertem Ping können wir so weite Abgründe überwinden oder Abkürzungen im Level finden. Wer also denkt, er könne gemütlich und Ping-frei durch die Level rennen, der wird schon im ersten Level schnell den virtuellen Tod finden.

404 – Playtime not found

Die Spielwelt erinnert durch seine Sterilität und den wenigen, aber knalligen Farben an das futuristische First-Person Jump’n‘Run Mirrors Edge. Grafisch reißt der Titel bei weitem keine Bäume aus, passt aber gut zur Thematik. Letztendlich besteht das Internet schließlich nur aus Bits & Bytes. Soundtechnisch bekommt man allerhand Minimal und Electro geboten, die den technischen- und sterilen Grundton des Spiels gut einfangen. Bei der Steuerung gibt’s wenig zu meckern. Grundsätzlich ist die Steuerung mit Tastatur möglich, wer aber Besitzer eines Gamepads ist, sollte auch zu diesem greifen. So lässt sich unsere Heldin wesentlich angenehmer steuern als mit der Jump’n’Run-ungeeigneten M/T-Steuerung.

 

404s_Screen3

 

Das größte Manko an 404Sight ist die Spieldauer. Nach knapp 30 Minuten hat man die vierzehn Level hinter sich gebracht. Danach bekommt man ein kleines Textfenster angezeigt und landet zurück im Hauptmenü. Wer Gefallen an einer Highscore-Jagd hat, beginnt wieder von vorne und versucht seine Levelzeit zu unterbieten. Mehr gibt’s sonst aber auch nicht mehr zu tun. Somit bleibt 404Sight ein sehr kurzweiliger Spaß ohne nennenswerten Wiederspielwert. Das lässt sich aber verschmerzen, da der Titel grundsätzlich kostenlos über Steam heruntergeladen werden kann. Wer also mal für 10 Minuten durchatmen möchte oder in der League of Legends-Warteschlange festsitzt, der findet in 404Sight ein sehr kurzweiliges, aber spaßiges Jump’n’Run. Wer Interesse an der Netzneutralität-Thematik hat, der findet sowohl über Steam als auch über die Entwickler-Homepage nützliche Information und Links zum Thema.

 

DennisMeine Meinung

Ok…404Sight und Mirror’s Edge sind zwei grundverschiedene Spiele. Zwar muss ich in beiden Titel rennen und springen, aber letztendlich sind es doch zwei verschiedene Paar Schuhe. Dennoch erinnert mich dieser sterile Look von 404Sight an die dystopische DICE-Metropole und der leichte “Parkour”-Geschmack erinnert mich an die sympathische Superathletin Faith. Auch die Thematik der beiden Titel über Überwachung und Kontrollwahn weisen Parallelen auf.

Natürlich ist 404Sight spielerisch keine Offenbarung. Dafür mangelt es dem Titel an Story, Gameplay und Abwechslung. Aber die Stunde, die ich im “virtuellen Internet” verbracht habe, war durchaus amüsant. Wer Gefallen an Jump’n’Runs hat, kann also bedenkenlos zugreifen, zumal der Titel kostenlos angeboten wird. Falsch machen kann man bei 404Sight jedenfalls nichts… außer das Thema Netzneutralität zu ignorieren.

 

Fazit

Sehr kurzweiliges, aber dennoch spaßiges Jump’n’Run für Zwischendurch mit interessanter Thematik rund um das Thema Netz-Neutralität.
Grafik
61%
Sound
68%
Gameplay
60%
Steuerung
68%

Gesamtwertung

64%

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