Handy-Game Creator-Kit

1977 0 0 24. September 2008
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Jeder Spieler kennt das Problem: Man hat zwar in seinem Kopf eine tolle Idee für ein neues Spiel, aber man hat nicht die Möglichkeiten seine Idee auch wirklich umzusetzen. Nicht jeder kann programmieren, ist als Spieledesigner geboren oder hat Zeit sich mühsam in die Materie einzuarbeiten. Das “Handy Game Creator Kit” aus dem Hause X-oom verspricht hier Abhilfe. hiermit soll man Handyspiele selbst gestalten können und das ohne Programmierkenntnisse. So verspricht es zumindest der Hersteller auf seiner Verpackung zum Produkt, ob es auch so stimmt zeigt unser Test.

Bau dein eigenes Handy-Game

Nach der problemlosen Installation der Software startet das Programm zunächst mit der da Projektverwaltung, in der man die Möglichkeit hat neue Projekte zu erstellen, zu laden, ein Export zu beginnen, dass Projekt zu speichern oder es zu löschen. Neueinsteiger werden sich am besten erst mal das mitgelieferte Projekt “Urmel aus dem Eis” genauer ansehen, denn an diesem Beispiel erkennt man schon sehr gut wie die Software tickt und welche Möglichkeiten man damit als Entwickler hat. Bei dem launigen Spiel handelt es sich um einen Geschicklichkeitsspiel bei dem die bekannte Figur aus der Augsburger Puppenkiste alle möglichen Gegenständen ausweichen muss. Leider ist dies das einzige Beispiel, welches der Software beigefügt wurde, was es wiederum etwas schwierig macht sich vorzustellen welche Möglichkeiten man sonst noch bei der Entwicklung hätte.

Betrachtet man das Spiel etwas genauer kann man sich aber schnell einfinden in den grundsätzlichen Ablauf eines neuen Projekts. Zunächst gibt man in der Registerkarte “Allgemein” einige Grundinformationen an, wie zum Beispiel den Namen des Projekts, eine kurze Beschreibung, die Versionsnummer und eine Web-Adresse. Hinter der Registerkarte “Splashscreen” verbirgt sich der Eröffnungsbildschirm angezeigt wird, wenn man das Spiel startet. Hier kann man es sich leicht machen und neben der Hintergrundfarbe beispielsweise nur noch den Titel des Spiels einblenden oder man gibt sich etwas mehr Mühe, erstellt zunächst in PhotoShop oder einem vergleichbaren Grafikprogramm ein ansprechendes Layout für sein Spiel und bindet dieses Bild nun an dieser Stelle ein. Das “Handy Game Creator Kit” liefert selbst keine Bildbearbeitung mit, so dass man mit Bordmitteln nur recht einfache Splashscreens erstellen kann. Importierte Bilder jedoch lassen sich effektvoll in Szene setzen und wenn gewünscht, auch mit Musik unterlegen.

Kein Spiel ohne Menü

Bevor wir nun zum eigentlichen Spieldesign kommen, gilt es noch mindestens zwei Menüs zu entwerfen. Das “Spielmenü” ist in aller Regel zunächst einmal das Hauptmenü, welches es dem Nutzer ermöglichen soll ein neues Spiel zu starten oder Einstellungen an Sound vorzunehmen. Ein solches Spielmenü ist natürlich Pflicht, aber auch die Erstellung einer Highscoreliste ist möglich. in diesem Bildschirm sieht der Benutzer die bisher erreichten Punktestände. Die Erstellung dieser beiden genannten Menüs kann besonders für Einsteiger noch recht knifflig sein, hat man jedoch ein bisschen Übung darin entwickelt die dieser Arbeitsschritt sehr schnell von der Hand.

Kernstück des Programms ist das Leveldesign und somit die Umsetzung der eigentlichen Spielidee. Hierzu sollte man sich im Handbuch die Kapitel 17. “Funktionstasten” und 18. “Grundlagen des Leveldesigns” aber ganz genau ansehen. Zwar benötigt man tatsächlich keine Programmierkenntnisse um mein eigenes Spiel für das Handy zu entwickeln, jedoch bedarf es einiger Einarbeitungszeit, um sich vor allem mit Levels, Layern und Bildrastern vertraut zu machen. In wenigen Worten könnte man das Grundprinzip so beschreiben, dass jedes Objekt auf dem Bildschirm eine Ebene angehören, die sich in eine vorher bestimmte Richtung bewegt. Jede Eigenschaft einer Ebene will im Vorfeld definiert werden und zudem müssen dann auch noch alle Ereignisse, wie zum Beispiel eine Kollision oder ein Tastendruck eingestellt werden. In diesen Arbeitsschritt wird man wohl am meisten Zeit verbringen, unabhängig davon wie viel Erfahrung man schon mit der Software gemacht hat. Die Arbeit mit dem Programm gestaltet sich dabei sehr praktisch, auch wenn man wirklich sehr viel Zeit damit verbringen wird. Unterm Strich aber sicherlich weniger Zeit, als wenn man erst eine Programmiersprache erlernen und dann alles von Hand programmieren müsste.

Zu guter Letzt wird man sich noch mit dem so genannten “HUD” (Head Up Display) beschäftigen müssen, welches im Spiel die wichtigsten Spielerinformationen anzeigt. Hierzu gehört zum Beispiel die Punktzahl, die Lebensenergie oder beispielsweise auch eine Übersichtskarte des aktuellen Gebiets. Auch an einen Ladebalken beim Wechsel zwischen zwei Levels oder beim Anzeigen längerer Texte wurde gedacht.

Etwas Schatten zum Abschluss

Während uns das “Handy Game Creator Kit” bis dahin voll überzeugen konnte, musste es ja doch so, dass wir noch ein Haar in der Suppe finden. In der Software findet sich eine Registerkarte , mit der vollmundig Werbung gemacht wird für einen Dienst namens “Swap Mobile”. Hierbei soll es sich um eine Webseite handeln, auf der man erstellte Spiele tauschen und somit Projekte anderer Nutzer testen und editieren kann. Leider fand sich wieder im Handbuch noch über eine Suche im Internet ein Link zu dieser Seite. Mit anderen Worten: Man hat genau ein Spiel an dem man die Funktionsweise der Software nachvollziehen kann, was unterm Strich einfach zu wenig ist. Klar ist, dass man mit dem Programm “Ausweichspiele” in horizontaler und vertikaler Scrollrichtung erstellen kann und dass damit auch einfache Shoot ’em Ups möglich sein müßten. Über weitere Möglichkeiten jedoch wird der Anwender im Dunkeln gelassen.

Ebenfalls gestört hat uns, dass der Software keine Materialien beigefügt wurden. Es gibt keine Hintergrundmelodien, keine Bilder, keine Icons, rein gar nichts, was man für eine eigene Produktion verwenden könnte. Dies bedeute das man zwar nicht programmieren können muss, aber das “Drumherum” mühselig selbst erstellen können sollte, sonst verpufft dieser Vorteil gleich wieder, weil man vielleicht nicht weiß, wie man Midi-Melodien erstellt oder ein Bildbearbeitungsprogramm bedient. Hier wäre es einfach gut gewesen, wenn der Hersteller eine umfangreiche Bibliothek mitgeliefert hätte, die man für eigene Zwecke und Tests verwenden könnte.

Fazit

Das "Handy Game Creator Kit" richtet sich vor allem an spielebegeisterte Entwickler, die schon immer davon geträumt haben mit überschaubarem Aufwand ein eigenes Handygame zu basteln. Positiv ist hierbei die intuitive Bedienung und die klare Handhabung des Programms. Negativ aufgefallen ist uns die nicht vorhandene Medienbibliothek, zu wenige Beispiele und das Fehlen des "Swap Mobile" Bereichs. Wer aber mit Grafikprogrammen und Soundeditoren umgehen kann, der kriegt am Ende doch noch ein sehenswertes Spiel hin, daher die 84er Wertung.

Gesamtwertung

84%

» Wie wir bewerten - Hinweise und Erläuterungen zu unserem Wertungssystem

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