Spieletest: Where Angels Cry (PC)

2319 0 0 23. Juli 2014
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Titel:Where Angels Cry: Göttliche Tränen [Download]
System:Windows 8
Label:INTENIUM
Release:2014-01-24

Tod, Intrigen, Tempelritter und mittendrin ihr als Beauftragter des Vatikans, der das Verschwinden eines Ordensbruders sowie das Geheimnis um eine Statue zu lüften soll. Diese weint nach dem Ableben eines Priors echtes Blut. Klingt spannend? Das könnte es auch sein. Wie man es schafft, sowas trotzdem noch in den Sand zu setzen, zeigt „Where Angels Cry“, ein Gelegenheitsspiel für euren Computer. Die Gründe, warum der Titel so aufregend ist wie eine Vollnarkose, sind zahlreich: Nicht nur das Gameplay ist hier nämlich zum Heulen.

Gewollt, nicht gekonnt

Die erste Zwischensequenz ist eindrucksvoll. In Kerzenscheinatmosphäre teilt der Kardinal mit bedrohlichem, italienischem Akzent eure Aufgabe mit. In einem abgeschiedenen Kloster ist der Prior Santino verstorben, kurz nach dem Antritt seines Nachfolgers ist Bruder John verschwunden. Es liegt Böses in der Luft und ihr sollt die Sache schnell aufklären. Natürlich sagt ihr da nicht Nein und stapft mit eurem Pferdchen zum Kloster hin.
Die zweite Sequenz ist da schon weniger eindrucksvoll. Trottend schwebt ihr auf eurem Pferd durch den Schnee und stempelt hinter euch Fußstapfentexturen auf den Boden. Das sieht schon einigermaßen seltsam aus, ins Stutzen kommt ihr aber, wenn die Kamera schwenkt und zeigt, wohin die Reise geht. Ihr seht das Bild eines erhellten, riesigen Klosters in weiter Ferne, hoffnungsspendend leuchtet es durch die Nacht. Und genau dieses Bild prangt als Textur auf einer Wand. Mitten im Wald. Direkt auf dem Weg, sodass der Schnee davor sich bereits aufhäuft.
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Dieser groteske Anblick gibt einen Hinweis auf das erste Problem, dass sich durch „Where Angels Cry“ zieht. Das ganze Spiel wirkt, als hätte der Entwickler das Projekt massiv unterschätzt. Oftmals kommt das Gefühl auf, das Spiel sei einfach aus einem kollektiven Brainstorming entstanden, mit vielen Ideen aber wenigen durchgeführten Konzepten.

Da war doch was…

So vielversprechend die Story zu Beginn klingt, so enttäuschend wurde diese dann auch umgesetzt. Tatsächlich in eurem Auftrag handelt ihr nämlich kaum. Vielmehr seid ihr damit beschäftigt, für Anwohner Tomaten zu pflücken, Pferde zu versorgen, Suppe zu kochen, den Wagen zu reparieren, Bücher einzusammeln und Kohl aufzulesen, der von besoffenen Templern durch das gesamte Dorf gekickt wurde. Das komplette Spiel lässt sich problemlos in unter zwei Stunden durchspielen und hat dabei etwa 5 für die Story tatsächlich wichtige Momente. Diese werden in der Regel eines Dialoges gewürdigt, bevor ihr wieder anfangt, Rosmarinsäckchen und Veilchen zu suchen (das sind tatsächliche Aufgaben im Spiel).
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Wichtige Charaktere tauchen kaum auf und werfen, wenn sie es dann mal tun, alles über den Haufen. Den Bösewicht bekommt ihr bis vor dem sprichwörtlichen Ende des Spiels nicht einmal zu sehen, das Ende allgemein ist völlig unpassend und verwirrender als alles andere, von sinnvoll ganz zu Schweigen.
Es gibt sogar den ein oder anderen Nebenpfad der Geschichte zu entdecken, doch die Geschichten über verbotene Liebe und Ketzerei sind genau so lustlos zu Ende geführt wie die gesamte Story.

Apropos Sinn…

Bei dem Versuch, ein in sich authentisches Szenario zu erschaffen, scheitert „Where Angels Cry“ kläglich.
Im Spiel sind Rätsel eingebaut, die scheinbar elektrisches Licht und Schalter als Basis haben. Die elektrischen Leitungen des Klosters müssen im Jahre des Herrn 1283 mächtig mit diesen Mechanismen gekämpft haben, besonders damit, dass Elektrizität zu diesem Zeitpunkt noch lange vor der Verwendung stand.
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Auch mit Wiederverwertung scheint das Kloster nicht viel am Hut zu haben. Praktisch alles, was ihr in dem Spiel findet, ist nach der Verwendung einfach weg. Das macht vielleicht für Salz oder Heu Sinn. Leider scheinen bei den Ordensbrüdern auch sämtliche Äxte und Schaufeln völlig instabil zu sein, denn alles verschwindet einfach nach der ersten Benutzung. Lächerlich wird es dann ab dem Zeitpunkt, wo ihr zum fünften Mal Wasser holt, vorher aber immer wieder einen neuen Eimer suchen müsst, weil der letzte nach der Verwendung einfach implodiert ist.

Das kenne ich doch!

Wenn es an die Rätsel geht, werdet ihr das vermutlich nicht nur einmal sagen. So ziemlich jede verwendete Knobelsequenz habt ihr sicher schon Mal irgendwo gesehen. Die Türme von Hanoi sind ebenso von der Partie wie klassisches Drei-Gewinnt. Das schlimmste ist aber, das die Rätsel im Spiel selbst sich kaum voneinander unterscheiden. In 85% der Fälle bekommt ihr ein Rätsel, in dem ihr durch Klicken die Farben der Objekte auf dem Bildschirm angleichen müsst. Schon beim ersten Mal ist das ein Muster, das in praktisch jedem Rätselspiel vorkommt. Wenn es dann aber zum fünften Mal auftaucht, wollt ihr am liebsten in eure Tastatur beißen. Das Spiel wird dadurch zeitweise quälend langsam. Ein noch größeres Zeitloch findet sich aber auf dem Weg zu den eigentlichen Rätseln.
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Die Taschen voller Zeug

Bevor ihr euch nämlich ans Angleichen machen dürft, müsst ihr erstmal suchen. Und zwar eine Menge suchen. Die Objekte der Wahl scheinen meistens winzig kleine Nägel oder kleine, grüne Edelsteine zu sein. Im Spiel findet ihr alleine zwar schon 5 Eimer, aber mindestens dreimal so viele kleine, grüne Edelsteine. Und die sind meistens in den entlegensten Winkeln der Szenerien verstreut. Besonders bei Nägeln gestaltet sich das als schwierig, die sind nämlich manchmal irgendwo in ein vergessenes Regal geschlagen und mit diesem schon einheitsgerostet, sodass manchmal nur noch das Hinweissystem hilft. Und es hört nicht auf! Ihr sammelt und sammelt irgendwelchen Kleinkram um den dann in eine Truhe, eine Schatulle oder Kreuze einzusetzen,. Ihr löst immer wieder das selbe Rätsel und kriegt zwischendurch einen kleinen Rückweg zur längst vergessenen Story. Das ist, grade bei Abenteuer/Rätselspielen, der Gameplay-Supergau.

Welches Jahr haben wir?

Natürlich wird bei einem Gelegenheitsspiel die Grafik nicht so stark gewertet wie andere Aspekte. Gewertet wird sie dennoch und spielt man „Where Angels Cry“, denkt man ganz bestimmt nicht als erstes an ein Spiel aus dem Jahre 2013. Der Titel könnte locker 5 Jahre älter sein, als er aussieht. Von 3 Zwischensequenzen sehen 2 unterdurchschnittlich aus. Möglicherweise wäre es sinnvoller gewesen, für grafikintensivere Passagen einen Stil zu wählen, der eher den Ressourcen des Entwicklers entspricht. Auch soundtechnisch ist das Spiel nicht sonderlich auffällig, weder positiv noch negativ. Die gewählten Tracks passen zum Gesamtbild des Spiels und runden es sogar noch etwas ab.

Pro

  • Wer Farbenrätsel mag, wird dieses Spiel lieben
  • Technisch solide und problemlos spielbar
  • Interessante Ansätze, auch wenn diese leider nicht fortgeführt wurden

Contra

  • Die Geschichte ist eine Katastrophe, inkonsequent, das Ende unbefriedigend
  • Das Gameplay hat so gut wie keine Tiefe und kann nicht überzeugen
  • Es werden kaum eigene Spielinhalte eingebracht, die Rätsel sind bekannt

Fazit

"Where Angels Cry" ist, als befestige man ein Windrad an einer Schildkröte: Es läuft, aber spannend ist es nicht.
Grafik
33%
Sound
30%
Gameplay
10%
Steuerung
32%

Gesamtwertung

23%

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