Spieletest: Randal’s Monday (PC)

2756 0 0 14. November 2014
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Wer vermisst nicht die guten alten Point and Click- Adventures? In den 80er und 90er Jahren läuteten Titel wie Maniac Mansion, Day of the Tentacle oder Secrets of Monkey Island eine goldene Ära für das Genre ein. Die Spiele zeichneten sich durch kniffelige Rätsel, bunte Charaktere und vor allem unverwechselbaren Humor aus. Und in den letzten Jahren scheint dieses Konzept wieder Fans zu gewinnen- unter einem deutschen Entwickler. Die Rede ist von Daedelic Entertainment. Mit der „Edna“- und nicht zuletzt der dreiteiligen „Deponia“-Reihe hauchen die Hamburger frischen Wind in das etwas angestaubte Genre. Auch bei dem Point and Click-Adventure „Randal’s Monday“ sind sie dabei- dieses Mal als Publisher in Zusammenarbeit mit Entwickler Nexus Game Studios. Die Erwartungen sind hoch und die Vorfreude riesig- heute noch kommt der Titel auf den Markt.
Ob die Vorfreude berechtigt ist, durften wir testen.

Ring und Randal

Eine Verlobungsfeier, Vieeel Alkohol und ein Esel… was kann da schon schief gehen? Als Matt bei einem feierlichen Besäufnis seinem besten Freund Randal den gekauften Verlobungsring zeigt, merken beide sofort, dass eine eigenartige Aura auf dem Schmuckstück liegt. Erworben wurde der über 700 karätige Goldring von einem vertrauenswürdigen Penner- gegen ein paar angebrochene Chips. Natürlich war da noch was von einem Fluch… aber sowas passiert ja nur in Videospielen, oder?
Als sich nach Matt nach anderthalb Kästen Bier hinter der Kneipe in eine menschliche Fontäne verwandelt, sieht Kleptomane, Soziopath und Vollzeitloser Randal die Chance. Kurzerhand klaut er seinem besten Freund die Brieftasche. Samt Verlobungsring. Und damit ist die Kacke am dampfen.

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Denn auf einen durchgezechten Sonntag folgt, was folgen muss: ein verkaterter Montag. Es ist einer dieser Tage. Einer dieser Tage für den die Schlummerfunktion bei Weckern erfunden wurde. Gleich nach dem Aufstehen stolpert Randal in den schlimmsten Tag seines Lebens. Vor der Tür steht ein angepisster Vermieter, auf der Arbeit ein noch mieser gelaunter Boss, von dem Randal gleich mal gefeuert wird. Ohne Kohle, ohne Arbeit und mit drei Mieten im Rückstand bleibt ihm nur eine Möglichkeit. Kurzerhand verscheuert er den Verlobungsring seines Freundes bei einem dubiosen Pfandleiher. Mit Erfolg, denn auf einmal hat Randal mehr Geld als er ausgeben kann. Gelöst sind Randals Probleme damit nur noch lange nicht. Schon bald findet sich in einem Chaos aus Missgeschicken, Raumzeit-Rissen, Durchgeknallten Charakteren, kleinen Katastrophen und Teufelskreisen wieder.
Täglich grüßt das Murmeltier… mit jedem neuen Morgen beginnt ein neuer Montag.

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Museumsgang auf Abwegen

Von Gamern für Gamer- das scheint das Motto dieses Adventures zu sein. Denn wo ihr hingeht, werdet ihr mit kleinen feinen Anlehnungen konfrontiert. Sei es die „Threepwood Street“, Nerds mit orangen Raumanzügen und Brechstangen, einem Protopack und vielem mehr. Wer sich in Games und Filmen auskennt, wird hier auf ständige, kleine Deja Vus treffen. Ihr trefft auf das Sicherheitssystem HAL 9000, das berüchtigte Videospiel Polybius … nicht zuletzt arbeitet Randal für den schäbigsten Versanddienst der Stadt: Emersen Express (Lest den Namen doch mal laut mit).
Tatsächlich werden so viele Anspielungen, Zitate, Poster und Charaktere eingebaut, dass das für den ein oder anderen Storyfan etwas zu viel des guten werden kann. Besonders bei den (trotzdem brillant geschriebenen) Gesprächen mit mehreren Optionen streckt sich der springende Punkt bis zur Unendlichkeit (und noch viel… Nein.).

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Schlag auf Schlag

Ähnlich ist es mit dem Humor der Charaktere, der Aktionen und des gesamten Geschehens. Man sagt zwar eine Komödie sei Tragödie+ Zeit, doch hier befindet ihr euch im Gag-Sperrfeuer. Die sind zwar alles andere als schlecht, wirken jedoch erst dann so richtig wenn man sie etwas sacken lassen kann.
Es gibt kaum etwas, wozu Protagonist Randal keinen Spruch auf Lager hat. Besonders gerne wird hier mit der „vierten Mauer“ gespielt, also der Trennung zwischen Spiel und Spieler. Doch auch hier gilt: mit Bedacht einsetzen. Denn „Randal’s Monday“ könnte sich mit der spannenden Geschichte, technischen Ausgereiftheit und gut geschriebenen Dialogen ruhig etwas ernster nehmen.

Lupenreines Point and Click

Was hier vom Spielkonzept geliefert wird, lässt jedoch nicht zu wünschen übrig: Mit nichts weiter als einer Maus läuft die Steuerung leicht und frustfrei von der Hand. Dabei bleibt euch überlassen, ob ihr Aktionen „Oldschool“, daher mit zwei Klicks, oder „Newschool“, also mit einem Klick ausführt. Wollt ihr in eine andere Szene wechseln, tut ihr das über die Bildschirmränder. Alternativ gibt es für längere Strecken die U-Bahn, die ein nettes Detail ist.

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Wer gerne gefordert wird muss sich auch keine Sorgen machen. Die Rätsel und Wege, um ans Ziel zu kommen, sind bei der Auflösung zwar mehr oder minder logisch. Der Weg dahin ist jedoch so abstrakt wie man es von einem guten Adventure erwarten kann. Wem das zu schwer ist, der kann auch die Hilfsfunktion einschalten. Schritt für Schritt wird so an die Lösung herangeführt. Aber wer Hilfe benutzt ist ein feiges Huhn. Das Weiß das Spiel. Und für jeden verwendeten Hinweis stirbt ein Kätzchen.

Grafik

In Randals Abenteuern spielt ihr euch durch eine schlichte und schöne Cartoonwelt. Die Farben sind bunt, die Blumentöpfe blühen und auch die Animationen laufen einwandfrei. Das Bild wirkt dadurch wenig statisch und irgendwas ist immer in Bewegung. Highlight des Spiels sind sicher die stetigen, mehr oder weniger versteckten Anspielungen. So findet ihr im Logo von „Emerson“ ein oranges und ein blaues Portal.

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Sound

Ein Charakter ist nur so glaubhaft wie sein Synchronsprecher. Hier brauchen sich sowohl die Charaktere als auch ihre Stimmen nicht zu verstecken. Jeder einzelne Charakter besitzt eine einzigartige und passende Stimme, übertrieben wirken diese aber nur wo es auch gewollt ist. Das alles wird von einem rockartigen Soundtrack begleitet, der im Hintergrund läuft und das ganze Geschehen abrundet.

Pro

  • Ein ausgezeichnetes Point and Click, das Erwartungen nicht enttäuscht.
  • Eine interessante Geschichte, vielfältige Charaktere und eine Menge Humor
  • Anspielungen aus allen Richtungen des Films und Gaming

Contra

  • Wirkt zeitweise ein wenig überladen
  • Dialoge und Handlung erscheinen teilweise gestreckt
  • Manche Lösungen sind zu abstrakt

Fazit

Daedelic versucht das goldene Zeitalter der Point And Click Adventures wiederzubeleben - und tut mit diesem Spiel einen großen Schritt zum Ziel.
Grafik
93%
Sound
88%
Gameplay
92%
Steuerung
98%

Gesamtwertung

95%

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