Sheryl Crow - Pick You Up Review

Sieben Songs, viel Seele und eine Rückkehr zu den eigenen Stärken



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Sie könnte es sich inzwischen ziemlich bequem machen. Mehr als drei Jahrzehnte nach ihrem großen Durchbruch, neun Grammys und der Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame muss Sheryl Crow eigentlich niemandem mehr beweisen, dass sie zu den prägenden amerikanischen Singer-Songwriterinnen ihrer Generation gehört. Trotzdem veröffentlicht sie mit Pick You Up bereits ihr zwölftes Studioalbum - und überraschenderweise wirkt diese kleine Sammlung aus nur sieben Songs weniger wie ein routinierter Nachschlag als vielmehr wie eine bewusste Rückbesinnung.

Denn Pick You Up führt Sheryl Crow wieder ziemlich deutlich in jene musikalische Welt zurück, in der sie sich schon in den Neunzigern besonders wohlfühlte. Rock, Americana, Singer-Songwriter, ein wenig Country, ein wenig Pop und vor allem Songs, die nicht so klingen, als seien sie am Reißbrett entstanden. Entscheidend dafür ist auch Jeff Trott. Der langjährige Weggefährte hat sämtliche sieben Stücke gemeinsam mit Crow geschrieben und gehört seit Jahrzehnten zu ihren wichtigsten kreativen Partnern.

Das Ergebnis ist ein erstaunlich kompaktes Album. Keine Deluxe-Ausgabe mit 18 Songs, keine Füllstücke, kein Versuch, die Streaminglaufzeit künstlich aufzublasen. Pick You Up kommt, sagt was es sagen möchte und ist wieder weg.
Pick You Up fühlt sich weniger wie ein großes Karriere-Statement an als wie sieben gute Songs von zwei Menschen, die ziemlich genau wissen, warum sie gemeinsam Musik schreiben.

Ein Güterzug gegen die Einsamkeit

Freight Train eröffnet das Album ungewöhnlich nachdenklich. Crow beschäftigt sich hier mit jenem seltsamen Gefühl, allein zu sein, obwohl Menschen um einen herum sind. Musikalisch wird daraus kein großes Drama. Der Song bleibt ruhig, warm und beinahe tröstend. Gerade deshalb funktioniert er als Einstieg hervorragend.

Perfect zieht das Tempo etwas an und erinnert stärker an jene lässige Mischung aus Rock und Americana, mit der Crow seit Jahrzehnten zwischen unterschiedlichen Genres unterwegs ist. Ihre Stimme besitzt dabei immer noch diesen sofort erkennbaren leicht rauen Charakter. Natürlich klingt sie heute reifer als auf Tuesday Night Music Club oder ihrem selbstbetitelten Album aus den Neunzigern. Aber genau das passt zu diesen Songs.

Der Titelsong Pick You Up bringt anschließend eine der zentralen Ideen der Platte auf den Punkt. Es geht um Nähe, gegenseitige Unterstützung und darum, jemanden eben nicht alleine durch schwierige Zeiten gehen zu lassen. Das könnte schnell kitschig werden. Crow und Trott halten die Arrangements aber angenehm bodenständig.

Sieben Songs reichen vollkommen

Flat Earth bringt mehr Biss hinein. Gerade in der Mitte des Albums ist das wichtig, denn Pick You Up funktioniert am besten, wenn sich die warmen, versöhnlichen Momente mit etwas kantigeren Tönen abwechseln. Crow war schließlich nie ausschließlich die freundliche Singer-Songwriterin mit Akustikgitarre. Zu ihren besten Platten gehörten immer auch trockene Gitarren, Blues, Rock und eine gewisse ironische Distanz.

I've Got Your Number knüpft daran an und gehört zu den Songs, die schon beim ersten Durchlauf erstaunlich vertraut wirken. Nicht, weil Crow hier alte Stücke kopiert, sondern weil ihr musikalischer Fingerabdruck so deutlich erkennbar ist. Gitarren, Rhythmus und Stimme brauchen keine spektakulären Produktionskniffe, um miteinander zu funktionieren.

Heaven Help Us führt anschließend wieder stärker zur nachdenklichen Seite des Albums. Und spätestens hier wird deutlich, dass sich Pick You Up im Kern immer wieder um dieselbe Frage dreht: Wie bleiben Menschen miteinander verbunden, wenn um sie herum vieles auseinanderzubrechen scheint?
Sheryl Crow sucht auf Pick You Up nicht nach der nächsten musikalischen Revolution. Sie sucht nach etwas wesentlich Einfacherem - menschlicher Nähe.

Freedom Bus und die schwierige Kunst des Miteinanderredens

Am Ende steht Freedom Bus, gemeinsam mit Jesse Welles. Der Song ist zugleich das Stück mit dem deutlichsten gesellschaftlichen Bezug. Crow beschäftigt sich mit Freiheit, Verantwortung und der zunehmenden Schwierigkeit, trotz unterschiedlicher Überzeugungen miteinander im Gespräch zu bleiben.

Musikalisch bleibt auch dieser Abschluss erstaunlich zugänglich. Das ist vielleicht überhaupt die größte Stärke von Pick You Up. Die Platte beschäftigt sich mit Einsamkeit, Unsicherheit, gesellschaftlicher Spaltung und der Suche nach Hoffnung, ohne daraus ein schwermütiges Konzeptalbum zu machen.

Crow formuliert diese Gedanken lieber innerhalb klassischer Songs. Und das funktioniert meistens sehr gut.

Natürlich lässt sich darüber diskutieren, ob sieben Titel tatsächlich ein vollwertiges Album ergeben. Pick You Up ist ausgesprochen kurz und endet genau in dem Moment, in dem man sich gerade richtig darin eingerichtet hat. Zwei oder drei weitere Stücke auf demselben Niveau wären durchaus willkommen gewesen. Andererseits besitzt die Platte dadurch praktisch keinen Leerlauf.

Auch musikalisch solltest Du keine Neuerfindung erwarten. Wer Sheryl Crow bislang zu konventionell fand, wird durch Pick You Up kaum bekehrt werden. Dafür ist die Rückbesinnung auf Rock, Americana und klassisches Songwriting zu deutlich. Für langjährige Hörer ist genau das aber wahrscheinlich der Reiz.

Besonders die erneute enge Zusammenarbeit mit Jeff Trott zahlt sich aus. Gemeinsam haben Crow und Trott schon in früheren Karrierephasen gezeigt, wie gut sie eingängige Melodien mit kleinen Widerhaken verbinden können. Pick You Up knüpft daran an, ohne wie eine nostalgische Kopie der Neunziger zu wirken.

Und vielleicht ist es sogar ganz angenehm, dass eine Musikerin nach mehr als 30 Jahren nicht verzweifelt versucht, plötzlich zeitgemäß zu klingen. Sheryl Crow macht 2026 einfach wieder das, was Sheryl Crow besonders gut kann.
Pick You Up braucht weder Trendproduktion noch künstliche Verjüngungskur. Sieben starke Songs und eine unverwechselbare Stimme sind manchmal völlig ausreichend.

Tracklist

  1. Freight Train
  2. Perfect
  3. Pick You Up
  4. Flat Earth
  5. I've Got Your Number
  6. Heaven Help Us
  7. Freedom Bus (feat. Jesse Welles)

FAZIT

Pick You Up ist klein, kompakt und gerade deshalb ausgesprochen sympathisch. Sheryl Crow und Jeff Trott konzentrieren sich auf sieben Songs, die zwischen Rock, Americana und klassischem Singer-Songwriter-Sound erstaunlich selbstverständlich funktionieren. Große Experimente bleiben aus und nach der kurzen Spielzeit hätte man durchaus noch zwei oder drei Stücke vertragen. Dafür gibt es praktisch keinen Leerlauf. Vor allem Crows unverwechselbare Stimme, die warmen Arrangements und das angenehm ungekünstelte Songwriting machen Pick You Up zu einem starken Spätwerk einer Musikerin, die längst niemandem mehr hinterherlaufen muss.

Captain (Spielemagazin.de)

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Spielemagazin-Wertung: 85%
Sieben Songs, viel Seele und eine Rückkehr zu den eigenen Stärken

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