Review: Evanescence – The Bitter Truth

379 0 4 15. März 2021
Gefällt mir!

Die bittere Wahrheit ist, dass wir als Fans satte 10 Jahre warten mussten, bis “Evanescence” mit einer neuen Langrille um die Ecke biegen. Aber am 26. März 2021 ist es soweit. Es ist der erste Longplayer seit zehn Jahren und seit Sängerin Amy Lee Mutter geworden ist und natürlich stehen die üblichen Fragen zentral im Raum: Wie klingt “Evanescence” in 2021 und inmitten der Pandemie? Hat die Band es überhaupt noch drauf? Und hat diese lange Pause der Combo eher geschadet oder sogar genützt? All das beantworten wir euch jetzt und hier…

Evanescence – The Bitter Truth

Rund zweieinhalb Minuten benötigt das atmosphärische “Artifact/The Turn” als Opener, um uns auf die folgenden 11 Tracks einzustimmen. Es klingt fast schon wie Science Fiction, wie ein Soundtrack zu einem Film, der in fremden Welten spielt und sich dramaturgisch gekonnt vor dem Zuhörer auftürmt, um seine ganze Power in “Broken Pieces Shine” zu entladen. Der Track wirkt sehr modern, kombiniert gekonnt Synthesizer-Welten und die unbändige Kraft siebensaitiger Gitarren. Der Sound wirkt leicht verändert, etwas kompakter als in der Vergangenheit – sehr gelungen, sehr “dicht”. Dementsprechend knallt es auch etwas vehementer aus den Boxen und das tut nach so langer Wartezeit einfach unglaublich gut. Die Produktion der Platte übernahm mit Nick Raskulinecz ein bewährter Mann, denn er war bereits beim 2011er-Album “Evanescence” für die Regler verantwortlich.

Daher: Wie klingt Evanescence in 2021 und inmitten der Pandemie?
Sehr modern, sehr schwebend und dennoch kraftvoll. Das Klangbild ist insgesamt kompakter, das Mixing offensichtlich komprimierter.

Und schon mit mit dem nächsten Track “The Game Is Over” wird klar, dass wir bereits die zweite Frage der Einleitung ganz klar beantworten können:

Hat die Band es noch drauf?
Ja. Definitiv.

Die Arrangements und Riffs sind gewohnt brillant und der Gesang von Amy Lee gibt dem Sound der Band nach wie vor etwas Einzigartiges, von dem man sich nicht so leicht lösen kann. Die Band macht sich dem Bandnamen “Evanescence” (engl. von lat. evanescere: „dahinschwinden“) auch mit dem neuen Album alle Ehre. Diese ganz typische Atmosphäre, die sich so nur bei den Songs, der Combo aus Little Rock, Arkansas einstellt, ist unnachahmlich.

Wie bei jedem Evancescence-Album schwingt auch stets eine schwere Melancholie mit. “The Bitter Truth” ist dem Pressetext zufolge “eine epische Sammlung inspiriert von Kampf, Verlust und der Bewältigung der oft bitteren Realität des 21. Jahrhunderts und der Welt, in der wir leben”. Tatsächlich hat das Album auch tatsächlich etwas düsteres, etwas trauriges, ist aber zugleich kraftvoll und beseelt von dem täglichen Segeln gegen den Sturm. Dies wird beispielsweise auch bei der Hymne “Wasted On You” deutlich. Unser Anspieltipp bleibt jedoch ganz klar “Better Without You”.

Hat diese lange Pause der Combo eher geschadet oder sogar genützt?
Nun, wie dem auch sei: “The Bitter Truth” ist auf jeden Fall ein Meisterwerk geworden. Und dennoch – eine Bitte hätte ich an die Band: Macht bitte nicht wieder 10 Jahre lang Pause.

Das Album erscheint als digitale Version, CD, Vinyl (2xLP 180g Gatefold) und als Limited Edition Deluxe Fan Box inklusive einer Bonus CD mit der Live Session aus dem Rock Falcon Studio, einem Buch mit einem Vorwort und exklusivem Material von Amy Lee, einem Kunstdruck und einer Kassette mit einem Making-Of von „The Bitter Truth“.

Die mit zwei Grammys ausgezeichnete Band legte den Grundstein für ihre Karriere mit ihrem 2003-er Debütalbum ‚Fallen‘, das 43 Wochen in den Billboard Top 10 verweilte und mehr als 17 Millionen Exemplare weltweit verkaufte. Die Debütsingle ‚Bring Me To Life‘ wurde zu einem weltweiten Hit und schoss auf Platz #1 in die UK Charts. Es folgten erfolgreiche Tourneen um die ganze Welt. 2006 erschien der Nachfolger ‚The Open Door‘ und 2011 das selbstbetitelte Album ‚Evanescence‘. Für das 2017-er Album ‚Synthesis‘ gingen Leadsängerin und Pianistin Amy Lee, Bassist Tim McCord, Schlagzeuger Will Hunt, Leadgitarrist Troy McLawhorn und Gitarristin und Backgroundsängerin Jen Majura gleichzeitig neue wie altbekannte Wege und schufen damit ihr bisher ambitioniertestes Werk. Das symphonische Album schaffte es auf Platz #5 der deutschen Charts und führte die Band auf große ‚Synthesis Live‘ Tour, auf der sie von einem klassischen Orchester begleitet wurde.

Tracklist
1. Artifact/The Turn
2. Broken Pieces Shine
3. The Game Is Over
4. Yeah Right
5. Feeding the Dark
6. Wasted on You
7. Better Without You
8. Use My Voice
9. Take Cover
10. Far From Heaven
11. Part of Me
12. Blind Belief

Fazit

Evanescence gehört noch immer zu den besten ihres Genres. "The Bitter Truth" ist wie ein kraftvoller Schrei aus dunkler Nacht, ein episches Meisterwerk des Rock, wie es nur Amy & Co. erschaffen konnten.

Gesamtwertung

91%

Screenshots / Bilder / Fotos / Artwork

Screenshots / Bilder / Fotos / Artwork zu "Review: Evanescence – The Bitter Truth"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.