Ein radikaler Schnitt und die Rückkehr zur Einfachheit
Der emotionale Dämpfer veranlasste Seunarine dazu, den gesamten bisherigen Entwurf über den Haufen zu werfen. Anstatt sich in komplexen Arrangements zu verlieren, reduzierte er seine Musik auf das Wesentliche: Harmonien, Bassläufe und eingängige Grooves. In der Wut über den Rückschlag schrieb er innerhalb einer einzigen Woche ein komplett neues Album, wobei an manchen Tagen gleich zwei Songs entstanden. Über die Erfahrung der gescheiterten Arbeiten äußert sich der Künstler im Rückblick offen:Es war das erste Mal in meinem Leben als Komponist, dass ich das Gefühl hatte, ehrlich gescheitert zu sein.
Ich schreibe Jazzmusik für Leute, die keinen Jazz mögen, und ich sollte aufhören, gegen diesen Instinkt anzukämpfen.
Live-Aufnahmen ohne Kopfhörer und ein neues Ensemble
Für die Aufnahmen stellte Seunarine eine neue Formation namens Esteban Seunarine and The Kind Ghosts zusammen. Neben dem Tenorsaxofonisten Ben Kensok gehören die Kontrabassistin Aria Rempel und die Pianistin Alanna Fast zur Band. Beide Absolventinnen der Brandon University bringen tiefgreifendes musikalisches Verständnis mit. Vervollständigt wird die Truppe durch den Gitarristen Adam Ciric, der mit seinem Hintergrund aus dem Metal-Bereich und der Tontechnik frische Impulse einbrachte und dafür sorgte, dass der Sound eine vielschichtige Dynamik erhielt.Die Produktion des Albums verlief extrem direkt. Im Studio No Fun Club in Winnipeg nahm die Band das gesamte Album innerhalb von nur zwei Tagen zusammen mit den Toningenieuren Riley Hill und Nika Atefi auf. Alle Musiker spielten gemeinsam im selben Raum ein – komplett ohne Kopfhörer, um die authentische Energie einer gemeinsamen Probe einzufangen. Auf Drängen von Gitarrist Ciric wurden von jedem Stück drei bis vier Takes eingespielt. Von den elf aufgenommenen Titeln schafften es letztlich zehn auf die finale Platte, gemischt von Hill und Atefi sowie gemastert von Jon Kaspy in Montreal.
Zwei Stücke weichen bewusst von diesem spontanen Live-Ansatz ab. Das Stück "One for Lav" ist ein Solo-Schlagzeugwerk, das Seunarine seinem kurz vor den Aufnahmesessions verstorbenen Hund widmete und das nachträglich mit elektronischen Texturen angereichert wurde. Beim Titel "Varanda" wiederum steuerte der Gitarrist Emmanuel Bach spontane, unproStandardisierte Soli bei, die während eines kurzen Studiobesuchs entstanden.
Musikalische Wurzeln und Einflüsse
Kompositorisch kehrt Seunarine auf "The Expanding Whatever" zu einfachen Werkzeugen wie Dreiklängen und pentatonischen Skalen zurück – ein deutlicher Kontrast zur harmonischen Dichte seines Vorgängermalbums "What Blossoms from Bloodshed?". In den Proben erarbeitete die Band ausführlich, wie diese Einfachheit genutzt werden kann, um in Soli Geschichten zu erzählen.Inspiration fand der Schlagzeuger dabei unter anderem im Album "Little Big" von Aaron Parks sowie in der Arbeit von Todd Sucherman auf dem Styx-Album "The Mission". Seunarines Sound ist geprägt von karibischen und lateinamerikanischen Rhythmen seiner Kindheit sowie seiner akademischen Ausbildung an der Brandon University unter Dozenten wie Eric Platz, Marika Galea und Greg Gatien. Der Preisträger des SABIAN Dom Famularo SEN Mentorship Award 2026, der bereits mit bekannten Größen wie Sara Gazarek oder Jason Palmer auf der Bühne stand, verbindet auf seinem neuen Werk Jazz-Fusion und Prairie-Folk zu einer sehr persönlichen Musikerfahrung. Am 22. November 2026 präsentiert die Band das neue Material zudem live im Fort Garry Hotel in Winnipeg im Rahmen der Reihe Jazz Winnipeg.




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