Wer die beiden vorherigen Kapitel nicht gesehen hat, sollte keinesfalls mit diesem Film beginnen. The Strangers - Chapter 3 setzt die Handlung praktisch ohne Anlauf fort und funktioniert weniger wie ein eigenständiger Spielfilm als wie der letzte Akt einer rund viereinhalbstündigen Gesamtgeschichte. Figuren, Konflikte und Mayas körperliche wie psychische Verfassung werden als bekannt vorausgesetzt. Selbst mit diesem Wissen bleibt jedoch die Frage, ob die dünne Ausgangsidee tatsächlich über drei vollständige Filme hätte ausgebreitet werden müssen.
Maya stellt sich ihren Verfolgern
Maya hat den Tod ihres Freundes und mehrere Angriffe der Strangers überlebt. Von der verängstigten jungen Frau aus dem ersten Kapitel ist deshalb nicht mehr viel übrig. Statt erneut nur davonzulaufen, ist sie entschlossen, sich den verbliebenen Killern entgegenzustellen. Gleichzeitig befindet sie sich weiterhin in Venus, jener kleinen Stadt, deren Einwohner ihr nicht immer die Hilfe anbieten, die sie dringend benötigen würde.Madelaine Petsch bemüht sich überzeugend darum, Mayas Entwicklung von der traumatisierten Überlebenden zur wehrhaften Gegnerin sichtbar zu machen. Ihre körperliche Erschöpfung und wachsende Entschlossenheit verleihen einigen Szenen durchaus Intensität. Das Drehbuch lässt ihr allerdings nur begrenzten Raum für glaubwürdige Emotionen. Meistens muss Maya schleichen, fliehen, kämpfen oder in bedeutungsschweren Einstellungen erkennen, dass ihre Situation noch komplizierter ist als gedacht.
Zu viele Antworten nehmen dem Horror sein Geheimnis
Das ursprüngliche The Strangers aus dem Jahr 2008 bezog einen Großteil seiner Wirkung aus der Zufälligkeit des Terrors. Die Täter benötigten weder ein ausgearbeitetes Motiv noch eine ausführliche Hintergrundgeschichte. Sie waren einfach da, weil ihre Opfer ebenfalls da waren. Renny Harlins Trilogie verfolgt einen anderen Ansatz und möchte den Menschen hinter den Masken näherkommen. The Strangers - Chapter 3 treibt diese Entwicklung besonders weit voran und blickt zurück auf die Entstehung der Täter.Grundsätzlich kann eine solche Erweiterung interessant sein. Hier führt sie jedoch dazu, dass die Strangers kleiner, gewöhnlicher und letztlich weniger bedrohlich erscheinen. Was zuvor wie unberechenbares Böses wirkte, erhält nun Erklärungen, die weder besonders überraschend noch psychologisch überzeugend ausfallen. Die Rückblenden unterbrechen zudem regelmäßig die ohnehin schleppende Gegenwartshandlung. Statt die Spannung zu erhöhen, nehmen sie dem Film Tempo und zerstören einen Teil der geheimnisvollen Atmosphäre.
Solides Handwerk ohne echte Spannung
Optisch bewegt sich das Finale auf einem ordentlichen Niveau. Kameramann José David Montero fängt die nächtlichen Straßen, verlassenen Gebäude und engen Innenräume in düsteren Bildern ein. Besonders der gezielte Einsatz von Dunkelheit erzeugt gelegentlich jene Unsicherheit, von der ein Home-Invasion- oder Verfolgungsthriller lebt. Auch das Sounddesign arbeitet wirkungsvoll mit leisen Geräuschen, entfernten Schritten und plötzlich einsetzender Gewalt.
Die Gewaltdarstellung fällt deutlich aus und rechtfertigt die deutsche Freigabe ab 18 Jahren. Blutige Verletzungen und einzelne drastische Bilder sorgen zwar für kurze Schockmomente, können fehlende Spannung aber nicht ersetzen. Renny Harlin, der mit temporeichen Actionfilmen durchaus Erfahrung besitzt, inszeniert die Konfrontationen handwerklich sauber. Dennoch fehlt ihnen die kreative Energie, die ein finales Aufeinandertreffen eigentlich verlangen würde.
Drei Filme für eine erstaunlich dünne Geschichte
Die drei Kapitel wurden weitgehend zusammenhängend produziert und als Akte einer einzigen großen Erzählung geplant. Nach Reaktionen auf die ersten Filme fanden zusätzliche Dreharbeiten statt, durch die insbesondere das zweite und dritte Kapitel überarbeitet wurden. Das Ergebnis fühlt sich trotzdem nicht wie eine von Anfang an präzise entworfene Trilogie an. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass eine Geschichte für einen langen Film künstlich auf drei Kinoproduktionen verteilt wurde.The Strangers - Chapter 3 muss dadurch nicht nur ein Finale liefern, sondern auch zahlreiche zuvor aufgeschobene Entwicklungen nachholen. Einige offene Fragen werden tatsächlich beantwortet, doch diese Enthüllungen rechtfertigen weder die lange Vorbereitung noch den Verlust des ursprünglichen Mysteriums. Gabriel Basso und Richard Brake verleihen ihren Rollen eine gewisse unangenehme Präsenz, während die Nebenfiguren überwiegend funktional bleiben. Echte emotionale Fallhöhe entsteht deshalb kaum.
Vereinzelte Momente zeigen, was aus diesem Abschluss hätte werden können. Sobald Maya aktiv handelt und der Film die Rückblenden hinter sich lässt, gewinnt das Geschehen etwas Energie. Diese Passagen kommen allerdings zu spät und bleiben zu kurz, um den insgesamt trägen und vorhersehbaren Verlauf entscheidend aufzuwerten.



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