Ein Taschendieb erobert die feine Gesellschaft
Die Geschichte spielt im England der 1930er-Jahre. Der charmante Kleinkriminelle Eric Noone gelangt eher zufällig nach Fackham Hall und wird dort für einen Bewerber um eine Stelle als Hausdiener gehalten. Eric nutzt die Gelegenheit, findet sich erstaunlich schnell in der Welt der Davenports zurecht und arbeitet sich innerhalb der strengen Hierarchie des Anwesens nach oben. Dabei kommt er Rose Davenport näher, der eigensinnigen Tochter des Hauses. Ihre Familie hat allerdings längst andere Pläne für sie, denn eine standesgemäße Hochzeit soll den Fortbestand des Besitzes sichern.Als die geplante Eheschließung aus dem Ruder läuft und schließlich ein rätselhafter Todesfall die Gesellschaft erschüttert, gerät Eric unter Verdacht. Mehr solltest Du über die Handlung im Vorfeld besser nicht wissen. Das Drehbuch benutzt seine Kriminalgeschichte ohnehin vor allem als stabiles Gerüst, an dem die zahlreichen Gags, Missverständnisse und Genreparodien aufgehängt werden können.
Fackham Hall erinnert in seiner Grundidee natürlich an britische Adelsdramen, bleibt aber keineswegs bei der Persiflage eines einzelnen Vorbilds stehen. Der Film nimmt praktisch alles aufs Korn, was zu diesem traditionsreichen Genre gehört: arrangierte Ehen, familiäre Geheimnisse, komplizierte Erbfolgen, unterdrückte Gefühle, Klassenunterschiede und das auffallend ernste Personal in den langen Korridoren eines Herrenhauses.
Ein Gag jagt den nächsten
Jimmy Carr, Patrick Carr und die Dawson Brothers verfolgen beim Drehbuch eine denkbar einfache Strategie: Es soll möglichst nie lange dauern, bis der nächste Witz folgt. Angeblich wurden fast 280 Gags in den Film gepackt, was Du ihm durchaus anmerkst. In beinahe jedem Bild versteckt sich ein Wortspiel, eine alberne Beschriftung oder eine kleine Reaktion im Hintergrund. Hinzu kommen Kalauer, Anachronismen, körperbetonter Slapstick und ein ziemlich derber Humor, der die Freigabe ab 16 Jahren nachvollziehbar macht.Natürlich trifft bei dieser enormen Dichte nicht jede Pointe ins Schwarze. Einige Witze sind wunderbar konstruiert, andere wirken erschreckend flach oder so vorhersehbar, dass Du ihre Auflösung lange vor den Figuren kommen siehst. Das hohe Tempo hilft jedoch dabei, schwächere Einfälle schnell hinter sich zu lassen. Bevor Du Dich über einen misslungenen Kalauer ärgern kannst, wartet meistens schon der nächste Angriff auf Deine Lachmuskeln.
Die deutsche Synchronfassung transportiert den Wahnsinn insgesamt ordentlich, dennoch gehen einige englische Wortspiele zwangsläufig verloren oder müssen durch andere Formulierungen ersetzt werden. Wenn Du sprachlich sicher genug bist, lohnt sich daher die englische Originalfassung. Dort sitzen Rhythmus und Doppeldeutigkeiten häufig etwas besser.
Die Besetzung spielt den Unsinn wunderbar ernst
Ben Radcliffe versieht Eric mit genügend Charme, um ihn trotz seiner kriminellen Vergangenheit zum sympathischen Mittelpunkt zu machen. Thomasin McKenzie hält als Rose überzeugend dagegen und präsentiert eine junge Frau, die sich den gesellschaftlichen Erwartungen nicht widerstandslos unterordnet. Zwischen beiden entsteht eine angenehme Chemie, durch die sogar die romantischen Elemente funktionieren, ohne das Tempo der Komödie unnötig auszubremsen.Besonders wichtig ist jedoch das Zusammenspiel des gesamten Ensembles. Damian Lewis und Katherine Waterston verkörpern Lord und Lady Davenport mit jener steifen Ernsthaftigkeit, die den um sie herum stattfindenden Irrsinn erst richtig komisch macht. Tom Felton darf als selbstgefälliger Archibald herrlich unangenehm auftreten, während Anna Maxwell Martin, Emma Laird, Sue Johnston und Tom Goodman-Hill das exzentrische Figurenkabinett vervollständigen. Selbst kleinere Rollen werden mit einer Konsequenz gespielt, als handele es sich tatsächlich um ein angesehenes Historiendrama.
Stilvolle Kulisse für hemmungslosen Blödsinn
Gedreht wurde unter anderem in Yorkshire und auf dem historischen Anwesen Knowsley Hall. Die prächtigen Räume, Kostüme und Außenaufnahmen verleihen Fackham Hall eine überraschend hochwertige Optik. Kameramann Philipp Blaubach orientiert sich sichtbar an eleganten britischen Kostümproduktionen, während die Musik von David Arnold und Oli Julian das Geschehen mit angemessenem Pomp begleitet. Der Film sieht daher oft viel seriöser aus, als er sich benimmt.Diese sorgfältige Präsentation verhindert, dass Fackham Hall zu einer bloßen Ansammlung lose verbundener Sketche zerfällt. Trotzdem nutzt sich das pausenlose Gagfeuer im Mittelteil ein wenig ab. Manche Szenen hätten mehr Raum benötigt, während andere Pointen durch eine etwas strengere Auswahl stärker gewirkt hätten. Wer mit zotigem Humor, absichtlich schlechten Wortspielen oder überzogener Albernheit grundsätzlich wenig anfangen kann, wird hier vermutlich schnell die Geduld verlieren.



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