Review: The Racer

417 0 5 1. März 2021
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Der Profi-Fahrrad-Rennsport ist ein wirklich hartes Pflaster. Die Trainingsbedingungen sind knallhart und den meisten Fahrern wird auch keinerlei Ruhm oder Ehre zuteil, sie fahren einfach nur mit, haben dabei aber auch stets bestimmte Aufgaben. So ist es beispielsweise die Aufgabe eines “Domestik” den Mannschaftskapitän und das Team zu unterstützen. Mit anderen Worten: Der Domestik fährt nicht selbst um den Sieg, sondern versorgt seinen Kapitän und das Team mit Verpflegung und leistet im Schlussspurt Schützenhilfe, indem er seinem Kapitän den Windschatten bietet, den er braucht, um als erster über die Ziellinie zu gehen. Meist werden bewährte, aber etwas in die Jahre gekommene Fahrer als Domestik eingesetzt, die bereits Schmerz und Triumph kennen. In “the Racer” steht genau so ein “Nebendarsteller” nun im Mittelpunkt.

The Racer

Sommer 1998 – die Eröffnungsetappen der Tour de France werden nach Irland verlegt. Obwohl der erfahrene Radfahrer Dom Chabol seit 20 Jahren einer der besten und loyalsten Begleitfahrer im Radsport ist, wird er vor Beginn der Tour kurzerhand aus dem Team geworfen und steht somit vor einer ungewissen Zukunft. Als kurz vor dem Start ein Teamkollege aufgrund eines Dopingvergehens ausfällt, kehrt Dom unerwartet auf den Sattel zurück. Heimlich nimmt der stolze Belgier einen letzten Anlauf, das gelbe Trikot zu erobern – nur einmal, bevor seine Karriere zu Ende ist.

Eddy Merckx
„Das Rennen gewinnt derjenige, der am meisten leidet.“

…tiefgehendes, berührendes und bisweilen auch erschütterndes Bild über den Profirennsport…
Die Geschichte rund um Profi Dom Chabol ist rein fiktional – und dennoch vermittelt der Film ein tiefgehendes, berührendes und bisweilen auch erschütterndes Bild über den Profirennsport und die Tour de France. Für die Fahrer und Betreuer der Tour ist Doping – so vermittelt es der Film – ein probates Mittel. Speziell das Blutdoping scheint demnach Ende der 90er, in denen der Film spielt, an der Tagesordnung gewesen zu sein. Wer dopt, fährt vorne mit. Wenn es nicht tut, darf sich über die rote Laterne freuen.

Um jeden Preis.
Niemand zweifelt den Einsatz der zahlreichen Substanzen an, es geht nur darum, sich nicht erwischen zu lassen. Doch dieser Raubbau am eigenen Körper hat Konsequenzen. Der Belgier Dom Chabol (Louis Talpe), der als “Domestique” (Begleitfahrer) seit 20 Jahren die Teamstars in seinem Windschatten zum Erfolg führt, ist mit Ende 30 ein gesundheitliches Wrack, dessen Herz zu versagen droht. Bevor er endgültig abserviert werden soll, bekommt er ein letztes Mal die Chance, allen zu zeigen, was in ihm steckt. Um jeden Preis.

Mahnmal auf zwei Rädern.
“The Racer” zeichnet ein Bild eines Sports, das bedenklicher kaum sein könnte. Zwischen Größenwahn und Selbstaufopferung kämpfen die Sportler hier um Anerkennung, Ruhm und Geld, ohne jede Rücksicht auf die eigene Gesundheit oder das Privatleben. Alles, wirklich alles wird dem Ziel einer weiteren Saison in der Nähe der Spitzengruppe geopfert. Man lernt unheimlich viel über das, was sich da hinter verschlossenen Türen so abspielt – auch wenn man es teilweise kaum glauben kann. Regisseur Kieron J. Walsh gelingt mit eindrücklichen Bildern und einem beängstigenden Blick hinter die Kulissen des Radsports ein Mahnmal auf zwei Rädern.

Fazit

"The Racer" ist eine fiktive Sportdokumentation der Extraklasse, bewegend, aufrührend und beängstigend zugleich. Ein auf einen Silberling gebanntes Mahnmal auf zwei Rädern.

Gesamtwertung

81%

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