Review: Haunted Child

572 0 0 15. Juni 2021
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Filme aus dem hohen Norden und hier beispielhaft aus Norwegen sind cineastisch meist etwas Besonderes. Der Horror-Thriller Haunted Child (Hjemsøkt) schlägt ebenfalls seinen Teil in diese Kerbe und erzählt die Geschichte einer verdrängten Kindheit. Dabei geht der Film einen sehr eigentümlichen Weg und paart ein Drama mit Horror- bzw. Grusel-Elementen. Kann das gutgehen?

Haunted Child

Als Cathrines Vater stirbt, möchte sie so schnell wie möglich ihr Erbe – ein altes Herrenhaus auf dem Land – verkaufen. Mitten im norwegischen Winter reist sie in das Dorf, in dem sie ihre halbe Kindheit verbracht hat. Doch kaum angekommen, machen Nachbarn ihres Vaters kryptische Aussagen über ein tödliches Geheimnis, dessen Schatten auf dem Haus liegt: Es geht um das mysteriöse Verschwinden einer nahen Verwandten Cathrines vor vielen Jahren und einen Mord im engsten Familienkreis. Als Cathrine auf einen rätselhaften Raum im Haus stößt und von unerklärlichen Ereignissen heimgesucht wird, beschließt sie, sich der Vergangenheit ihrer Familie zu stellen. Doch während Cathrines einsamen Aufenthalts in dem leer stehenden Familienanwesen gerät ihre Psyche zunehmend aus den Fugen, und sie scheint immer mehr den Bezug zur Realität zu verlieren.

Synnøve Macody Lund verkörpert Cathrine sehr gekonnt, wenn auch stellenweise sehr unterkühlt, ist dabei jedoch schauspielerisch gesehen der einzige echte Lichtblick im Ensemble des Regisseurs Carl Christian Raabe, der bisher nur selten Erwähnung fand. Hervorheben möchte man noch die junge Ebba Steenstrup Såheim als geheimnisvolles kleines Mädchen Daisy, die zusammen mit Lund den Hauptcast bildet. Der Cast besteht weiterhin aus skandinavischen Darstellern wie Ken Vedsegaard (Kommissarin Lund, Die Wikinger 2 – Die Söhne Odins) oder Jorunn Kjellsby (Ein Mann von Welt, Manhunt – Backwoods Massacre), die jedoch phasenweise nicht auf ganzer Linie überzeugen können.

Für das Drehbuch von Haunted Child zeichnet die mehrfach preisgekrönte norwegische Autorin Maja Lunde verantwortlich, die mit ihrem Buch Die Geschichte der Bienen 2017 wochenlang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste stand. Das ist umso erstaunlicher, weil der Film uns wiederum in seinem Spagat zwischen Drama und Horrorfilm nicht so recht überzeugen konnte. Zu Beginn des Films bahnt sich zunächst ein Gruselfilm an, doch dieses Charakteristikum geht mit der Zeit immer mehr verloren. Nach rund der halben Spielzeit ahnt der Zuschauer erstmalig, dass es hier wohl primär um ein Kindheitstrauma und die Bewältigung desselben geht, auch wenn gegen Ende hin einige Horror-Anleihen wieder auflodern. Der Film pendelt ständig zwischen diesen Elementen und der Zuschauer pendelt mit.

Das kann man als Kunstgriff werten, wir jedoch wurden damit irgendwie daran gehindert wirklich in die Geschichte einzutauchen. Insofern ist der Film entgegen jeder Vermutung eben nicht perfekt für Fans von Grusel- und/oder Horrorgeschichten, sondern nimmt durchaus eine ganz besondere Nische im Konzert der vielen Filme ein, die in diesen Tagen so erscheinen. Das muss man schon gezielt mögen, sonst läuft man Gefahr, nicht warm zu werden mit dem Streifen. Da der Drama-Anteil recht hoch ist, muss man schon zumindest ein leichtes “Faible” für Dramen haben.

Fazit

Ein Film auf der Suche nach sich selbst: "Haunted Child" pendelt zwischen Drama und Horrorfilm, kann und will sich dabei aber kaum entscheiden. Fans beider Genres, die den speziellen Artstyle nordischer Filme lieben, können einen Blick riskieren.

Gesamtwertung

50%

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