Review: Bad Hair

431 0 2 25. Juni 2021
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Du stehst morgens auf und deine Haare machen einfach was sie wollen. Du kannst sie bürsten und waschen, dann föhnst du sie zurecht, du versuchst es mit Haarspray, vielleicht auch mit Gel – nichts scheint zu helfen. Das ist die Kurzbeschreibung eines “Bad Hair Day”, den jeder kennt und jeder schon mal hatte. Nun könnte man “Bad Hair” allerdings genau genommen auch mit “Böses Haar” übersetzen und schon steht das Grundkonzept für einen Film, den man so auch nicht jeden Tag zu sehen bekommt. Mit Haut und Haar haben wir uns diesem Film gewidmet und berichten euch von unserer Kur…

Bad Hair

Angesiedelt Ende der 80er Jahre, während der glorreichen (und Style-besessenen) Ära von MTV, will eine ambitionierte Afroamerikanerin endlich ihre VJane-Karriere starten. Doch trotz bester Qualifikationen und vollem Engagement steht ihr neben ihrem Geschlecht und ihrer Hautfarbe schlussendlich vor allem eines im Weg: Die falsche Frisur. Mit ihrem letzten Geld setzt sie schließlich alles auf eine Karte und lässt sich im angesagtesten Salon der Stadt eine aufwändige Haarverlängerung machen um kameratauglicher zu werden. Die schmerzhafte Prozedur scheint sich auszuzahlen und schon bald folgen erste berufliche und private Erfolge. Doch die Haare lassen sich nicht so leicht zähmen, sondern entwickeln ein mörderisches Eigenleben, das nach einer ganz besonderen Pflege verlangt: Einmal waschen, schneiden, töten, bitte!

Was für ein Dilemma: Da will man nur einmal eine neue Frisur und schon hat man mörderisches Haar. Klingt ein bisschen an den Haaren herbeigezogen (man beachte dieses kolossale Wortspiel), aber man muss “Bad Hair” eines lassen: Auch wenn die Geschichte sich etwas flach liest, im Film selbst wird die Geschichte recht kunstvoll aufgebaut und dramaturgisch spannend in Szene gesetzt. Dabei ist es vor allem Ella Lorraine, bekannt aus der Netflix Serie „Dear White People” zu verdanken, dass die haarige Geschichte überhaupt funktioniert. In der Rolle der leicht verzweifelten, aber dank Top-Frisur aufstrebenden Fernseh-Produzentin, verleiht sie dem Film eine ordentliche Tiefe und auch eine Spur Glaubwürdigkeit, welche erst dann um Haaresbreite endet, sobald sich die Locken blutsaugend ihr nächstes Opfer suchen. Lena Waithe („Ready Player One”), James Van Der Beek („Dawson’s Creek”), Vanessa Williams („Eraser”), Laverne Cox („Orange Is the New Black”) und Blair Underwood („Quantico”) sowie die MusikerInnen Kelly Rowland und Usher komplettieren den haarscharfen Cast.

Möchte man zwingend ein Haar in der Suppe finden, würde man wohl letztlich dazu kommen, dass zwar handwerklich und schauspielerisch alles sehr gekonnt umgesetzt wurde, leider fehlt es dem Film ein wenig an bleibender Substanz. Wir möchten jetzt nicht den Eindruck erwecken, wir wöllten kein gutes Haar an “Bad Hair” lassen, aber der Film leidet nach rund 70 Minuten (von insg. ca. 103 Spielminuten) an gewissen Längen. Immerhin weiß man zu diesem Zeitpunkt in etwa, was das Haupthaar für Interessen hat, bleibt nur die Frage offen, wie man es wieder loswerden könnte. Man ahnt ein wenig, wie sich der Film entwickeln wird und auch das Ende lässt einem zwar nicht die Haare zu Berge stehen, aber so ganz können die hochgesteckten Erwartungen dann auch nicht erfüllt werden.

Fazit

"Bad Hair" ist ein wahrhaft haarig-mörderisches Filmvergnügen, welches durchaus zu unterhalten weiß. Den Olymp der Gruselfilme verfehlt der Streifen zwar haarscharf, aber für einen launigen Abend bei Popcorn und Rotwein kann der Film allemal sorgen - und zwar bis in die Spitzen.

Gesamtwertung

70%

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