Hollywood vor der Selbstzensur (8): Red-Headed Woman (1932)

1045 0 1 13. Februar 2010
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Titel:Waterloo Bridge
EAN:0012569679641
USK:Nicht geprft

Diesmal extrem verbotenes Forbidden Hollywood – vom Feinsten! Zur Erinnerung und für alle neuen Leser: In den Tonfilmjahren vor 1934 bebten die Betten in den Studios, die Zensurbestimmungen wurden mehr oder minder ignoriert, bis 1934 die Überwachung und Vorab-Genehmigung jedes Drehbuchs obligatorisch wurde. Aus dieser schillernden Zeit stammen die in der rezensierten Kollektion versammelten Filme, die keineswegs vordergründig “versaut” sein müssen, aber sich eben mehr Freiheiten erlauben konnten. Und wenn man den späteren Zensurcode kennt, weiß man das zu schätzen: Ab 1934 durften Doppelbetten selbst bei Verheirateten nicht gezeigt werden, Prostitution gab es nicht, Sex vor der Ehe schon gar nicht, und wer sich verliebte, musste sofort heiraten. Ehebruch gab es ausnahmsweise einmal, aber er musste schwer bestraft werden. Dies nur als kleiner Einblick.

“Red-Headed Woman” ist ein in jeder Hinsicht äußerst lustvoller Tabubruch. Ein heißer Feger, den alle nur “Red” nennen (Jean Harlow), wirft sich an diejenigen Männer heran, die ihr finanziellen und gesellschaftlichen Aufstieg bieten können. Doch für sie ist das nicht nur Mittel zum Zweck, sondern sie hat unverhohlen Freude daran, ihre Waffen einzusetzen. Und sie hat Waffen… Während Barbara Stanwyck (siehe meine Rezension zu “Baby Face”) eine Schauspielerin ist, ist Sexbombe Jean Harlow eine Ikone. Das soll keine Kritik sein, denn darin ist sie ungeheuer gut, und sie spielt den Vamp dermaßen (selbst-)bewusst aus, dass es eine Freude ist. Vor allem ist es verdammt ehrlich: Ja, sowas gibt es – aber eben auch die he(u)chelnden Männer, die dieser Film nicht schont. Weil “Red” weiß, was sie tut, keine Rechtfertigung braucht und schlicht Bock drauf hat, die Kerle rum- und ins Bett zu kriegen, und weil sie völlig offen dazu steht, macht dieser Film – obschon keine genretypische Komödie – ziemlichen Spaß. Und fordert die Bigotterie am effektivsten heraus, die später solche Filme unmöglich machte. Das Ende ist “unmoralischer” als alles, was ich bislang aus der pre code era kenne, und es zeigt genau, was am späteren Zensurkodex so verlogen war: Es konnte nicht mehr sein, was nicht sein durfte, und Liederlichkeit musste bestraft werden. Hier ist das noch anders, und wie! Der Film ist darüber hinaus elegant gefilmt, mit einer die Frauen umschwärmenden Kamera, die (z.B. bei einer Auszieh-Szene) immer mehr in Aussicht stellt beim gleichzeitigen Verbergen des Offensichtlichen. Die von Anita Loos süffisant geschriebenen Dialoge tun es ihr gleich. Für mich der beste Film der Kollektion “Forbidden Hollywood, Vol. 1” (siehe Cover).

Fazit

Haares- statt Schamesröte (in einem Schwarzweißfilm): Jean Harlow als Sexbombe, die nicht mal am Ende entschärft wird.

Gesamtwertung

93%

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