Der Sohn von Ali Baba (DVD)

2032 0 4 16. Januar 2010
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Titel:Der Sohn von Ali Baba
EAN:4020628982300
USK:Freigegeben ab 12 Jahren
Label:Koch Media GmbH - DVD
Release:2008-11-14

USA 1952, Regie: Kurt Neumann, mit: Tony Curtis, Piper Laurie, 72 Minuten, deutscher und englischer Ton, gutes Bild, keine Untertitel, Trailer und Bildergalerie als Extras.

Vorweg ein bißchen Universal-Bildung

Die Universal-Studios waren unter den „Majors“ die Klitsche. Das muss nicht unbedingt von Nachteil sein. MGM hatte die Sets, das Geld und die Stars, Universal punktete dagegen in den Dreißigern mit Horrorklassikern und in den Vierzigern mit schmuddeligen statt glanzvollen, darin aber hochklassischen films noirs (von Regisseuren wie Fritz Lang und Robert Siodmak). In den Fünfzigern ließ es sich zunächst schleppend an. Ein Studio, das nicht auf schiere Überwältigung setzen kann, ist immer nur so gut wie seine kreativen Talente, und da wäre mal wieder jemand fällig gewesen. Zu einem solchen sollte sich der für seine Melodramen bekannte Douglas Sirk entwickeln, der dort beispielsweise einen Star wie Rock Hudson systematisch aufbauen konnte. Im vorliegenden Film haben wir leider nicht Douglas Sirk, aber ebenfalls zwei junge, damals noch nicht sehr bekannte, „hauseigene“ Darsteller, die einen Blick immer lohnen. Tony Curtis sollte später – ohne dann noch mit dem Studio eng verknüpft zu sein, wie das zunächst bei Rock Hudson war – ein großer Star werden. Piper Laurie ist eher nur Filmfans bekannt (z.B. 1957 in „Land ohne Männer“; 1976 als böse-fanatische Mutter der Titelfigur in dem Horrorfilm „Carrie“ von Brian de Palma nach Stephen King). Beim Ansehen von „Der Sohn von Ali Baba“ hat man den Eindruck, hier schlummern zwar Potenziale, aber das Studio hat mit diesen nicht so recht etwas anzufangen gewusst. Ein Ausnahmeregisseur wie Douglas Sirk hat gefehlt. Hier hieß der Regisseur Kurt Neumann, der insgesamt nicht auffällige Spuren in der Filmwelt hinterlassen hat.

 SIE: „Möchtet IHR Euer Leben im Harem verbringen?“ ER: „Ich fände das für meine Person ganz hübsch.“

Damit mal zum eigentlichen Film. Kashmar Baba hat ohnehin einen Harem, denn dem jungen schönen Tony Curtis laufen und rufen die jungen schönen, durchgängig knapp bekleideten Damen in Scharen nach. Nur eine im Arm hat er selten, und das bringt ihm – soll er doch als Kadett den Ernst des Lebens kennenlernen – so manchen Ärger und Neid ein. Als er noch die geflohene Haremsdame Kiki, eigentlich eine Prinzessin, versteckt, ruft das den Zorn des Kalifen auf den Plan…

Es handelt sich um ein völlig anspruchsloses, aber kurzweiliges knallbuntes Studiokulissenmärchen aus tausend und einer Nacht. „Solide“ – das kann man über diesen Film allemal sagen, er ist nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Farbenpracht ist schön anzusehen, es dominiert wohl bewusst ein intensives Purpur, das kulturgeschichtlich schon seit langem mit edel, teuer, schön, unerreichbar, nicht ganz von dieser Welt konnotiert ist (vergessen wir nicht, dass 250.000 Purpurschnecken ihr Leben lassen müssen, um nur einen Tropfen der kostbaren Farbe zu gewinnen). Die Geschichte ist purer Kitsch – warum eigentlich heißt der Sohn von Ali Baba auch „Baba“, was doch fast universell ein Wort für „Vater“ ist? Warum mag Piper Laurie als recht hellhäutige, rothaarige Erscheinung (im Deutschen leider mit etwas zu piepsig-naiv-trotzigem Stimmchen) einfach nicht als Orientalin durchgehen? Warum hat das Drehbuch höchstens Vorabendserienniveau, in dem den Helden ihre kühnen, aber unoriginellen Ideen immer genau dann in den Sinn kommen, wenn sie sie auf Drehbuchknopfdruck brauchen? Kann es da noch wundern, dass auch Tony Curtis allenfalls dekorativ statt intensiv wirkt (der seiner sanft-schönen Erscheinung später durchaus mehr Profil verleihen konnte, wenn er herrlich selbstparodistische oder sogar böse-beunruhigende Rollen bekam)? Nein, kann es nicht. Und es ist auch wieder nicht so schlimm. Ein Film, mit dem man einen ganz netten Abend verbringen kann – doch schnell danach ist er vergessen.

Alternativen? „Kismet“ von William Dieterle (USA 1944). Das ist im Grunde auch nicht mehr als kitschige Farbenpracht, aber dabei flotte Märchenunterhaltung – und der Film lebt enorm von Marlene Dietrich, die zwar nicht ganz die Hauptrolle, aber eine recht große Rolle hat und damit natürlich allen die Show stiehlt. In einer herrlich divenhaften, kapriziösen, aber doch sympathischen Zickigkeit reißt sie den Film an sich, in dem als Höhepunkt ein Tanz mit „goldenen Beinen“ zu sehen ist. Allein diese fünf Minuten, in denen der Film den Dietrichglamourfaktor bei aller mangelnden Authentizität voll ausspielt, sind Kult und lohnen den ganzen Film. Die Dietrich übrigens hat sich kein Stück geschont beim Dreh, und die Goldfarbe hätte ihr beinahe die schönen Beine ruiniert, da die Transpiration abgewürgt wurde und die Beine abzusterben drohten. Kennen Sie noch den James-Bond-Klassiker „Goldfinger“, in dem der Titelschurke eine Frau durch Komplettüberzug mit Gold ermordet? So ähnlich war das. Leider ist in „Der Sohn von Ali Baba“ nichts derart goldglänzend. Aber halbwegs solide ist der Film schon. Daher knapp über die Hälfte der zu vergebenden Punkte.

Fazit

Farbenprächtig-mittelprächtiges Abenteuer aus dem sagenumwobenen Orient, das passabel einen Abend verschönert, aber definitiv nicht 1.001 Nacht in Erinnerung bleibt.

Gesamtwertung

52%

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