Wir verstehen uns wunderbar

933 0 0 29. September 2008
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Titel:Wir verstehen uns wunderbar
EAN:4009750207086
USK:Freigegeben ohne Altersbeschrnkung
Label:Euro Video
Release:2008-09-18

Er war ihr Regisseur, der Mann, der ihr Wörter in den Mund legte, ihr Rollen auf den Leib schrieb und sie führte. Sie war seine Schauspielerin, seine Muse, sein Inspirationsquell und seine Liebe – doch neben ihr gab es noch Affären und Lügen – und so trennten sich die Wege von Louis Ruinard (Jean Rochefort) und Alice d’Abanville (Charlotte Rampling, Stardust Memories) schließlich und man ging sich 30 Jahre aus dem Weg.

Doch wenn man die Vergangenheit ignoriert, dann wird man sie früher oder später wiederholen

So ein Satz fiel auch während des Films, der sich nicht zu schade ist, immer wieder ein bisschen quer durch Literatur- und Filmgeschichte zu zitieren. Und dieser Satz ist in “Wir verstehen uns wunderbar” nahezu Programm, denn der gealterte Regisseur auf der Zielgerade seiner Karriere und die Schauspielerin, die mittlerweile einen Anlagenberater als erwachsenen Sohn und einen offensichtlich homosexuellen Lord als Mann hat, laufen sich wieder über den Weg. Eigentlich nur, damit sie ihm einen Preis überreichen kann, aber da sie mit ihm auf der Bühne verbal abrechnet täuscht er einen Schwächeanfall vor, woraufhin er auf das großzügig dimensionierte Landhaus von Lord Evelyn Gaylord (der 2007 verstorbene Ian Richardson) eingeladen wird.

Die Lawine kommt so ins Rollen und nebst alten Streitigkeiten und Aufarbeitungsprozessen muss natürlich auch etwas Gezanke im Alter sein – “Désaccord parfait”, was man mit perfekter Meinungsverschiedenheit übersetzen könnte. Wie + und – eines Magneten scheinen sich diese leicht kauzigen Charakter magisch anzuziehen.

Als funktionierendes Duo ganz brauchbar, der Rest ist fade Fassade

Rampling und Rochefort sind das I-Tüpfelchen, dem das I zu fehlen scheint, ein müde guckender Mops mit Verdauungsproblemen will nicht recht ins Bild passen und ist nach mehrmaligem Erwähnen auch mehr als unlustig; die nicht verheimlichte Beziehung zwischen dem Lord und seinem Butler Randall (Simon Kunz), der immer wieder die Quellen der Zitate seines Herrn “jagt”, wird angeschnitten, kurz erwähnt und verschenkt zu viel Potential.
Es wird zwar immer wieder zurück auf die beiden gealterten Figuren verwiesen, und wenn die sich auf der Bühne mit Kunstblut und falscher Lanze streiten, dann ist das schon eine ansprechende Mischung aus spritziger Komödie, Alters-Romanze und ein Augenzwinkern in Richtung Kino, Theater und französisch-englische Beziehungen.
Wenn beide am Frühstückstisch sitzen, sich nicht die Blöße geben wollen, dass ihre Augen nun eine Sehhilfe benötigen und man auf der Zeitung die Titelzeile “Entente cordiale” erkennen kann – das sind die stärkeren und stärksten Momente – alles andere ist Beiwerk, peinliches, unnötiges und zu seichtes Beiwerk. Ruinards Assistentin Rageaud (Isabelle Nanty) driftet immer wieder zum Beiwerk ab, obwohl auch ihre untergeordnete aber keineswegs stumme Rolle mehr hätte sein können.

Verkrampft unverkrampft – Liebschaften im Alter, alte Gewohnheiten und der Drang, jung und agil zu wirken

Natürlich, diese alte Liebe rostet nicht. Aber völlig erzwungen wirken die letzten Bilder, wo beide die Durchführung des Aktes bis aufs kleinste Detail genau planen, um Peinlichkeiten zu vermeiden. Kerzenständer werden verschoben, ein erotisches Foto aus vergangen Zeiten wird zugedeckt und irgendwas muss man doch gegen diese Nasenhaare unternehmen können – es hätte alles viel lockerer sein können, denn Rampling und Rochefort fühlen sich sichtlich wohl in ihren Rollen als gealterter Casanova und leicht kühler aber irgendwie doch herzlicher Schauspielerin.
Weitaus weniger wohl fühlte sich anscheinend Regisseur Antoine de Caunes, der zwar ein gewisses Gespür für Komik aber absolut kein Gespür für Charakterentwicklung und Drehbücher besitzt; ein bisschen wie ein alter Herr auf einer Bank, der immer wieder die gleichen Geschichten erzählt und diese nur geringfügig verändert – vielleicht ein schön nachdenkliches Bild, aber kein Bild, was der Inszenierung sonderlich schmeicheln würde.

Fazit

"Wir verstehen uns wunderbar" - dies mag schließlich auf die gespielten Charakter und auch die Schauspieler zutreffen, aber für eine gut gelungene Komödie hätten auch andere Faktoren nicht vergessen werden dürfen. Leicht über dem Mittelmaß, aber noch netter wäre übertrieben.

Gesamtwertung

54%

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