Filmkritik: Prinz Eisenherz (DVD)

4762 0 0 14. April 2010
Gefällt mir!

Titel:Prinz Eisenherz
EAN:4020628957643
USK:Freigegeben ab 12 Jahren
Label:Koch Media GmbH - DVD
Release:2010-04-30

1953 startete eine Revolution in Hollywood Namens CinemaScope. Das Patent lag bei der 20th Century Fox, die fortan nahezu alle Filme in dem neuen Format herausbrachte und zeigen wollte, was es konnte. Die Leinwand war noch breiter als beim heute üblichen CinemaScope, die Kameraausrüstung war unhandlich. Großaufnahmen fehlen in den frühen CinemaScope-Filmen oft völlig, ansonsten schwanken sie zwischen erlesen durchkomponierten Tableaus und krampfigen Bemühungen, die Bildränder mit Überflüssigem zu füllen.

„Prinz Eisenherz“ ist von den mir bekannten Frühzeit-CinemaScope-Filmen der Schwächste. Die manchmal erlesenen Landschaftsaufnahmen werden immer wieder unterbrochen von allzu deutlich erkennbaren Studiokulissen, Pappmachéfelsen, Rückprojektionen. Der Verzicht auf Großaufnahmen führt in Kombination mit lustigen Bärten und lustigen Perücken dazu, dass sich die Darsteller überhaupt nicht entfalten können. Vielleicht ist es keine gute Idee, einen Comic eins zu eins in die Realität zu übersetzen, ohne jeglichen Anflug von Humor oder ironischer Distanz. Die typische Einsenherz-Frisur mag gezeichnet angehen, im Film wirkt sie lächerlich und ist der damalige Newcomer Robert Wagner ein rettungslos verlorenes Jüngelchen unter der in jeder Hinsicht aufgesetzten Perücke. Janet Leigh ist im Grunde reine Deko unter ihrer Haarpracht, zu strohblond, zu lang, zu zopfig, um darunter einen wirklichen Menschen durchscheinen zu lassen. Dass sie dem verwundeten Prinz Eisenherz einmal wie ein Engel erscheint, ist zwar das einzig interessante Bildarrangement des Filmes, inklusive “Heiligenschein”,

zeigt aber auch, dass sie eher Abbild und Projektion als selbstbestimmter Mensch ist. Einzig James Mason als (zu leicht als solcher erkennbarer) Schurke zeigt ansatzweise Charisma und Profil, ist aber letztlich auch hinter Bart, Rüstung und die Darsteller unglaublich klein machender CinemaScope-Pracht verloren und kann sich kaum angemessen entfalten. Offen heraus: Ich habe ihn ausgesessen, den Film.

Worum geht es eigentlich? Die typische Konstellation, die für Märchen und Sagen, Fantasy-, Abenteuer-, Ritterromane und -filme immer gut ist: Ein junger Mann muss hinaus in die Welt gehen, in eine fremde, teils feindliche Welt auch, um sich zu bewähren. Hänschen Klein ging allein… diese Bewährung ist immer auch Reifung und Initiationsritus, und sie ist eine, in der ein Verfemter, Geächteter oder zumindest Verkannter die Kluft zwischen seiner hohen Vorherbestimmung und seiner noch widrigen Lebenssituation überbrücken muss, um endlich „jemand zu sein“, zu sich und zu seiner Bestimmung zu finden. Daraus sind ja nicht die schlechtesten Romane und Filme entstanden, bis hin zu Harry Potter. Bei „Einsenherz“ gibt es zudem eine Verbindung mit der Artussage, da der Titelheld gen Camelot zieht, um sich bei den Rittern der Tafelrunde zu bewähren, bei denen er (allzu leicht erkennbar) einen gefährlichen Gegner hat. Wie so häufig (selbst dies gibt es noch bei Harry Potter) muss der junge Mann dabei zum Vollender und Vollstrecker des Willens seines Vaters werden, dem schweres Unrecht zugefügt wurde und das es zu korrigieren oder zu rächen gilt. Es sind auffällig oft Söhne und Väter, die im Zentrum stehen, selten Töchter und Mütter – auch bei „Eisenherz“ sind starke Frauenfiguren nicht zu erspähen. Dafür gibt es jede Menge Ritterturniere, Kampfszenen und hohl-pathetische Phrasen, mit denen sich die Amerikaner das Mittelalter im Hollywoodschinken gelegentlich schönschwätzen. Genau genommen können sie das Genre auch in jüngeren Filmen nicht – wenn man nur einmal an den Gigolo-Ritter in der Gestalt von Richard Gere in „Der erste Ritter“ denkt… Diesem und „Prinz Eisenherz“ wünscht man den schrecklichen Monsterdrachen „Jabberwocky“ aus dem gleichnamigen Film an den Hals. In „Jabberwocky“ nämlich, der genauso klugen wie albernen Mittelalterfarce von Terry Gilliam, da wird derber Spaß getrieben, dass das Mittelalter sein im wahrsten Sinne des Wortes schmutziges und daher wohl wahrstes Gesicht zeigt. In „Eisenherz“ jedoch ist alles nur schöner Schein, und das reicht nicht.

Also Augen zu und durch? Jaah – und dabei merkt man, dass der Film einen Pluspunkt doch hat: die Filmmusik von Franz Waxman. Obwohl er es – wenn es passt – auch wuchtig angeht, kommen in jeder musikalisch unterlegten Szene die einzelnen Instrumente zu ihrem Recht. Sehr ausdifferenziert lässt Waxman die ganze Palette eines Sinfonieorchesters erklingen, was stets ein wenig an Richard Wagner erinnert, der ja nicht nur laut, sondern auch filigran (und selbst im Lauten nuanciert) komponieren konnte. Es muss also heißen: Augen zu, Ohren auf und durch. Das genügt nicht für die Hälfte der Punktzahl!

Die DVD hat den deutschen und englischen Ton, deutsche Untertitel und als Extras drei Trailerversionen des Filmes sowie eine Nachrichtensendung der damaligen Zeit. Die Qualität ist gut.

Fazit

Augen zu, Ohren auf und durch: Im wesentlichen lohnt nur die Filmmusik, der Rest ist Mittelalterkitsch.

Gesamtwertung

40%

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.