Polska Love Serenade

2502 0 0 16. August 2009
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Mit Willi Brands Kniefall vor dem Warschauer Ghetto im Jahr 1970 begann ein neues Zeitalter der deutsch-polnischen Beziehungen. Ein symbolischer Akt der Reue. Mittlerweile sind gut 40 Jahre vergangen. Das Verhältnis der beiden Staaten ist noch weit von Normalität entfernt. Die Zeit der Besatzung, die Rückgabe von Kulturgütern sowie ehemaliger deutscher Grundstücke sind immer noch ein heiß diskutiertes Thema. “Aha Interessant. Und was hat das alles mit dem Film zu tun?”, werden Sie sich sicherlich fragen. So einiges. Fangen wir doch ganz von vorne an.

Als ich den Briefkasten öffnete kam mir eine dicke Sendung entgegen. Ein Blick auf den Absender verriet mir: Neue Muster. Wie schön, mein Chefredakteur hat mich doch nicht vergessen. Neben den vielen Filmen sprang mir einer sofort ins Auge: “Polska Love Serenade”. Was könnte das wohl sein? Oha, nach durchlesen der Inhaltsangabe wird klar, der Film ist alles andere als politisch korrekt. Doch kann man darüber lachen? Der Verfasser dieses Textes ist selbst polnischer Abstammung. Nachdem ich den Film gesehen habe, kann ich Ihnen sagen: Man kann und darf darüber lachen. Der Film ist wirklich sehr gut gelungen. Doch worum geht es in dem Film?

Wodka, Wodka, Wodka…

Weihnachten, das Fest der Liebe und des…na ja, Sie wissen schon. Mitten in der polnischen Pampa begegnen sich Max und Anna. Anna, ein Studentin der Politikwissenschaften aus Berlin, will ihren schrottreifen Golf loswerden. Wo ist man da besser aufgehoben als in Polen, denkt Sie sich. Der Betrag von der Versicherung würde höher ausfallen als der Wert des Autos. Max, ein angehender Anwalt, kommt nach Polen um die alten Familienländereien zurückzufordern.  Die beiden begegnen sich zufällig in einem polnischen Gasthaus und reisen, mehr oder weniger freiwillig, zusammen weiter. Als Annas Auto plötzlich den Geist aufgibt, beginnt eine Odyssee durch Polen.

“Polska Love Serenade” ist eine sehr originelle Komödie der Regisseurin Monika Anna Wojtyllo. Der Film strotzt nur von Vorurteilen. Sowohl jenen der deutschen gegen die Polen, als auch umgekehrt. Einige Szenen wirken leicht zusammengewürfelt. Der Schnitt ist leider nicht so gut gelungen. Dies hängt mit dem sehr bescheidenen Produktionsbudget des Films zusammen. Dieser Makel wird jedoch durch die ausgezeichnete schauspielerische Leistung wieder wett gemacht. Insbesondere Ryszard Wojtyllo als Bürgemeister, Christoph Leszcynski als Dorfpfarrer, der sich um das deutsch-polnische Verhältnis sorgt, sowie Claudia Eisinger mit ihren frechen Sprüchen und der Berliner Schnauze machen den Film dennoch zu einem Genuss. Spannung kommt jedoch nicht auf. Doch das ist auch nicht die Intention des Films. Der Film ist politisch unkorrekt und beinhaltet so ziemlich jedes Klischee, dass es über Polen gibt. Die Klischees werden jedoch so geschickt präsentiert, dass es kaum negativ auffällt.  Auch eine ein romantisches Element ist vorhanden, dass jedoch nur angedeutet wird.

Leider wird auch der ungeübte Beobachter sofort erkennen, dass die Kameraführung deutliche Schwächen aufweist.  Bei schnellen Bewegungen wird das Bild unscharf. Der Kontrast ist ebenfalls sehr bescheiden ausgefallen. Die Geschichte des Films entschädigt jedoch für diese Unannehmlichkeiten. Das Bonusmaterial ist ziemlich großzügig ausgefallen. Neben drei Audiokommentaren, einem Making-Of befindet sich auch der Kurzfilm “Hog Heaven”.

Fazit

"Polska Love Serenade" ist ein wirklich ungewöhnlicher Film. Trotz der kleinen Schwächen, insbesondere in der technischen Umsetzung, kommt beim zuschauen Freude auf. Leider ist er etwas kurz geraten und man ist nach den 85 Minuten etwas enttäuscht, dass schon Schluss ist. Sehr unterhaltsam und auf jeden Fall sehenswert!

Gesamtwertung

89%

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