Filmkritik: Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte (DVD)

3886 0 0 11. April 2010
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Titel:Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte
EAN:4010324027795
USK:Freigegeben ab 6 Jahren
Label:Concorde Video
Release:2010-04-08

Hast du die Finanzkrise so richtig verstanden? Ich meine, mit allem was dazu gehört. Was dafür verantwortlich war, dass es soweit kommen konnte. Und auch WER dafür verantwortlich war, dass so viel Geld den Bach runtergegangen ist. Das bringt uns auch gleich zur nächsten Frage: Wo endet dieser Bach? Soll heißen: Wo ist das ganze Geld denn hin? Wenn man es irgendwo abzieht, dann muss es ja irgendwo anders auf der Haben-Seite auftauchen. Bei wem? Der bekannte Filmemacher Michael Moore sagt am Ende seiner neuesten Dokumentation “Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte” folgendes: “Wissen Sie, ich pack das nicht mehr. Außer wenn Sie, die Sie gerade zuschauen, sich mir anschließen. Das hoffe ich sehr. Bitte, machen Sie schnell!”.

Kapitalismus? Nein, danke!

Was ist eigentlich “Freie Marktwirtschaft”? Das ist in wenigen Worten gar nicht so leicht einzugrenzen, aber im Prinzip können wir es mit diesen wenigen Worten versuchen: Es ist ein Finanzmarktsystem, welches vor allem durch das Gewinnstreben definiert wird. Oder anders gesagt: Der Typ, der den besten Laden hat verkauft die meisten Produkte. Die Grundidee ist also, dass wir, jeder Mensch, durch seinen Einkauf entscheiden kann, welche Produkte auch weiterhin verkauft werden sollten und welche Produkte wegen Erfolgslosigkeit verschwinden.

Das Gute daran: Das Ganze hat tatsächlich mal funktioniert. Es gab doch mal Zeiten, in denen ein Fließbandarbeiter mit seinem Gehalt seine Familie ernähren konnte. Das Geld das er monatlich verdiente reichte für Essen, Kleidung, ja sogar einen Urlaub, ein neues Auto alle Schaltjahre und so weiter. Und alle zahlten ihre Steuern zum Wohle aller, die sich an diesem System beteiligten. Wir bauten damit Krankenhäuser, Autobahnen, Schienensysteme und vieles mehr. Kinder bekamen eine gute Schulausbildung, ja, konnten sogar studieren ohne einen Kredit aufzunehmen.

Irgendwie hat sich seither einiges verändert, oder? Vielen von uns reicht ein Job nicht mehr, um zu überleben. Von “Gewinnstreben” kann hier nicht die Rede sein, denn eigentlich müsste man annehmen können, dass ein Mensch, der 8 Stunden und mehr an einem Tag arbeitet, damit sich und seine Familie ernähren kann. Falsch gedacht. Tatsächlich müssen oftmals beide Elternteile arbeiten gehen. Das Kind kommt dafür im günstigsten Fall in eine Ganztagsschule – im ungünstigsten Fall treibt es sich auf der Strasse rum und tut Dinge, die einem nicht einfallen, wenn man den ganzen Tag beschäftigt ist. Eigentlich eine einfache Gleichung, aber warum ist das eigentlich so?

Weil wir betrogen werden. Jeden Tag. Von unserem Boss, dem Lebensmittelhändler, dem Postboten. Warum? Weil auch sie betrogen werden. Von Politikern, Juristen und vor allem: Von den Banken.

Darauf geht Michael Moores neue Dokumentation “Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte” sehr detailliert ein und zeigt uns, wie das eigentlich lief mit der Finanzkrise in den USA. Warum jeder Hausbesitzer in den USA ermuntert wurde einen Kredit aufzunehmen und wie es dann dazu kam, dass sie am Ende kein Haus mehr hatten. Ganz legal. Der Banker hat sichs ausgedacht, der Jurist sagt “Da stehts”, der Gerichtsvollzieher hat die Macht und der Polizist hat die Pflicht. Nur einer hat nichts mehr: Du. Denn in diesem Kreislauf sind wir die Opfer. Wie gesagt: Ganz legal.

Vermutlich kann ich als Kollege der schreibenden Zunft mit diesem einem Artikel wenig bewirken. Auch wenn sich Michael Moore wünscht, dass ich mich ihm anschliesse. Aber vielleicht kann dieser Artikel DICH dazu bewegen, den Film einzulegen. Er hat das Zeug deine Sicht der Dinge zu verändern. Und dann wären wir wieder einer mehr…

Fazit

"Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" hat das Zeug Ansichten zu verändern. Eine Tugend, die nur wenige Filme vorweisen können. Die wohl beste Dokumentation, die ich je gesehen habe und das zu einem brandaktuellen Thema. Glaub mir: Du hattest keine Ahnung was da genau geschehen ist - bis du den Film gesehen hast. Bahnbrechend und erschreckend zugleich...

Gesamtwertung

99%

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