Hoppet

1040 0 0 3. November 2008
Gefällt mir!

Titel:Hoppet
EAN:5050582588712
USK:Freigegeben ab 6 Jahren
Label:Universal Pictures Germany GmbH
Release:2008-10-09

Das Unterrichtsmaterial liegt im ROM-Part dieser DVD als .pdf zum Download bereit. Ein Satz und im Prinzip ist alles über den Film “Hoppet” des norwegischen Regisseurs Petter Næss gesagt: Ein durch und durch kalkulierter, seelenloser, geradezu peinlich erzwungener Film mit einer ganzen Armada an erhobenen Zeigefingern, die naiv, kurzsichtig und ohne jegliche Bemühung um charakterliche, emotionale oder filmische Tiefe in der Gegend rumfuchteln – wo man doch nach der Fließbandpädagogik “Bend It Like Beckham” nichts mehr erwarten wollte, da sprang einen Hoppet, zu Deutsch Sprung und Hoffnung.

Sprung und Hoffnung – Kernthema erfasst, fehlen noch 100 andere Konflikte

Azad und Tigris sind Brüder und kommen gut miteinander aus,  beide teilen eine Leidenschaft: Hochsprung. Stereotyp Nummer 1: Alle anderen anwesenden Männer tun die Leidenschaft als “Frauensport” ab, misogyn und fußballvernarrt, ganz großes Charakterstudienkino mit Weitblick. Man feiert Azads 12. Geburtstag und das Glück scheint perfekt, doch es herrscht Krieg und nun überschlagen sich die Ereignisse. Pässe müssen besorgt werden, Ausreise nach Deutschland, Umsteigen in Stockholm, Schweden. Durch unglückliche Zufälle und Egoisten kommt es aber so, dass die beiden Brüder erstmal in Schweden landen und ihr Ticket aber nicht “für Frankfurt” gilt – man wurde betrogen und durch einen Trick kleben sie jetzt einer anderen Familie an der Backe. Diese wiederum ist nicht minder platt gezeichnet. Viele Kinder, sich aufs Kindergeld freuend und durch und durch egoistisch – Tigris und Azad wären von dieser Familie, angeblichen “Freunden” am Flughafen vergessen worden, aber jetzt ist die Familie in Schweden und ist der harschen Asylpolitik ausgesetzt. Die beleibte Mutter schreit nur rum und macht den beiden Jungen Vorwürfe, auch die Sohne bedrohen die beiden – ein seidener Faden, denn weglaufen dürfen die beiden auch nicht, werden sie ausgewiesen, werden alle ausgewiesen.

Klingt spektakulärer als es dargestellt wird, der kleine Held trifft in seiner neuen Schule auf einen anfangs sehr “lässigen” Jungen, dessen Vater die Hochsprungmannschaft trainiert. Ehe man sich versieht hagelt es noch ein paar Konflikte, auch Streitereien mit dem lieben Bruder und natürlich wird Azad seinen Traum “vom Fliegen” in die Tat umsetzen, sein Idol treffen, mit seinen Eltern vereint und auch der vom Krieg traumatisierte Bruder Tigris findet die Sprache wieder. “Man kann alles schaffen, wenn man nur fest daran glaubt”

Ein Kilo Schwarzweißmalerei, fünf Kilo überforderte Schauspieler, sieben Kilo dämliche Dialoge und eine Tonne Küchenpsychologie zum Aufheitern der so angestrengten Stimmung

Alles, wirklich alles, von der ersten bis zur letzten Sekunde ist einem einzigen Zweck unterworfen: Behauptungen aufstellen und beweisen. Das fängt bei der Schlüsselszene zwischen den beiden Brüdern an, die in einem Korb liegen und sich vor den einschlagenden Bomben versuchen zu schützen. Klar, dass diese Szene wenigstens 1x angespielt, 1x als Trauma und 1x als Erlösung aufgegriffen werden muss. Wenn nicht gleich noch öfter. Ein Hotdogverkäufer, der immerzu gut gelaunt ist und immer einen Spruch auf Lager hat. Kein Nutzen, kein Hintergrund, er ist einfach da, verkörpert einen schwedischen Gutmenschen mit einer Belegung in “Ausgelaberte Philosphie für Dummschwätzer” und erscheint sogleich in einer “Traumvision”. Hochsprung. Höher, schneller, weiter. Als Symbol, als Metapher und Parabel für seine erreichten und unerreichten Ziele, Messlatten, denen nicht alle gewachsen sind, Idole, denen man nacheifert, Vorurteile, Integration, Schmarotzertum, Identitätsverlust, Lügen, Zusammenhalt unter Brüdern, die abstruse Vorgehensweise, einen Film der in 3 Ländern spielt nur mit 2 deutschen Tonspuren rauszubringen, für “Grenzenlosigkeit” und “Barrierefreiheit” in den parabelhaften Kampf ziehen und nichtmal Untertitel für Hörgeschädigte anbieten.

Für die miserablen Dialoge können die Schauspieler vermutlich nichts, aber schon für den Schwachpunkt, dass ein jeder Charakter irgendwann mit seiner konsequenten Eindimensionalität nervt. Kaum ist man in Deutschland trifft man auf einen grimmigen und ach so erbarmungslosen Zollbeamten. Wie wickelt man diesen um den Finger, weil man Menschen “schmuggelt”? Klar, man spricht das Thema Fußball an und Bastian Schweinsteiger. Schon wieder zu dreist und dämlich, um sich hier wirklich über einen Kamm geschoren zu fühlen.

Höchst fraglich. Fraglich, wie man Hoppet produktiv schauen soll, es handelt sich ja um einen “sehr pädagogischen Film mit vielen behandelten Konflikten”. Die Konflikte sind in der Tat vorhanden, aber ausgearbeitet, hinterfragt werden? Fehlanzeige, anscheinend ist das ein Film der Marke Fleißarbeit, viele Motive und typische Charaktere auf eine Minute Film pressen, damit später die Schüler unreflektiert meterlange Listen an Symbolen und filmischen Besonderheiten erstellen können. So pädagogisch wertvoll, wie die nervende Stimme Azads aus dem Off und der absoluten Schlusspointe. Man kann alles erreichen, wenn man an sich glaubt, träumt und es versucht. Ende der Fahnenstange, Ende der Geschichte, keinerlei Einschränkungen – bitte auf die Stufen zum gemeinen und nicht immer so einfachem Leben achten, man will ja hoch springen, nicht tief fallen. Doch da mag Hoppet auf der sicheren Seite sein. Noch tiefer geht es wirklich nicht mehr.

Fazit

Was als pädagogischer, lehrreicher Film verkauft wird ist nichts anderes als pure Stümperei in Bezug auf Drehbuch, Charakterevaluierung, Schauspiel und dem Herausstellen der fleißig aneinandergereihten Konfliktthemen. Die nur wenig bessere Alternative: Kick It Like Beckham. Aber auch nur wegen einem zeitgemäßeren Soundtrack, schauspielerischen Ansätzen und auf einen Hauch von Tiefe. Wenn es nicht gerade auf dem Lehrplan steht oder man eine Klassenarbeit darüber verfassen muss, so kann man sehr getrost und bei Trost einen riesengroßen Bogen um "Hoppet" schlagen.

Gesamtwertung

2%

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.