Five Minutes Of Heaven (DVD)

1050 0 3 31. Januar 2011
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Titel:Five Minutes of Heaven
EAN:4020628950569
USK:Freigegeben ab 12 Jahren
Label:Koch Media GmbH - DVD
Release:2011-01-14

Wie irrational Gewalt doch ist. Von außen ist sie leicht zu verurteilen. Doch steckt man persönlich in einer gesellschaftspolitischen Zwickmühle, wie sie in Nordirland stattfand, schlägt das Schicksal meist grausam zu und man strickt sich eine eigene, zurecht gebogene Moral. Rache ist für Gerechtigkeit von Nöten – ungeachtet der Konsequenzen. Auch wenn ein Mord das eigene Leben umkrempelt, und zwar nur zum Schlechten hin. Hauptsache man findet seinen Frieden, sei es auch nur für fünf Minuten. Das scheint die “fünf Minuten Himmel” wert zu sein, wenn man als Kind mit ansehen musste, wie der eigene Bruder erschossen wurde, und anschließend die ganze Familie daran zerbrach.

Hirschbiegels kleines Comeback

Regisseur Oliver Hirschbiegel ist bekannt dafür, schwierige Charaktere zu inszenieren. Schon sein Kino-Debut  “Das Experiement” (2001) handelte von zwischenmenschlichen Extremen und schlug bei Publikum wie Kritikern gleichermaßen ein. Wenn auch eine Eichinger-Produktion, erregte er schließlich mit “Der Untergang” (2004) internationale Aufmerksamkeit und vermittelte Hitlers persönlichen Wahnsinn im Führerbunker. Sein Sprung nach Hollywood aber floppte mit der amerikanischen Produktion “Invasion” (2007), der von deutsch- wie englischsprachigen Kritikern gleichermaßen zerrissen und u.a. als “cineastischen Blindgänger” bezeichnet wurde. Mit “Five Minutes Of Heaven” ist Hirschbiegel wieder auf vertrauten Terrain zurück und schuf einen bewegenden Thriller um zwei gebrochene Männer.

Von gesellschaftlicher und persönlicher Gewalt

Nordirland: Die katholische IRA und die protestantische UVF bekriegten sich von den 1960er Jahren bis hin zum wackeligen Friedensabkommen von 1998 in einer endlosen Spirale von Gewalt und Gegengewalt. Als Nachwuchs rekrutierten sie bereits naive Jugendliche, wie den damals 16-jährigen Alistair Little (Liam Neeson), der all seinen Mut zusammen nimmt, und sich mit einem Mord profilieren will. Joe Griffin (James Nesbitt) musste als elfjähriger Junge mit ansehen, wie Alistair seinen großen Bruder erschoss. Sein Vater starb nicht viel später an einem Herzinfarkt und seine Mutter machte ihn wegen Tatenlosigkeit für den Mord mitverantwortlich. Er wurde seines Lebens nicht mehr froh.

Obwohl Joe Griffin 30 Jahre später selbst eine intakte Familie aus Frau und zwei Töchtern hat, hängt ihm das Erlebnis immernoch nach. Er fühlt sich vom Schicksal betrogen: Während Alistar für den Mord zwölf Jahre im Gefängnis saß und sich mittlerweile gegen die Gewalt engagiert, indem er mit seiner Vergangenheit an die Öffentlichkeit geht und gesellschaftlich akzeptiert wird, sieht sich Joe als eigentliches Opfer der Tat. Zunächst soll das erste Treffen der Beiden im Beisein von Fernsehkameras stattfinden. Eindrucksvoll zeigt der Film, wie unbeholfen Medien mit so schwierigen Schicksalen umgehen. Er kritisiert deutlich oft naive mediale Inszenierungen einer Situation mit ungewissen Ausgang. Das Fernsehteam möchte eine authentische Aussöhnung, die stellvertretend für den Konflikt stehen soll. Doch Joe denkt nicht daran, ihm ist nur nach Rache – er möchte Alistair nur töten. Jedoch weiss er nicht, dass der Täter von einst auch nicht mit seiner Schuld umgehen kann. Beide kämpfen mit ihren Erinnerungen.

Fazit

“Five Minutes Of Heaven” ist kein gesellschaftskritisches Drama, das den Terror aufarbeitet, der förmlich vor unserer europäischen Haustür stattfand. Dieser wird lediglich aus Schauplatz für ein höchst zwischenmenschliches Schuld-Sühne-Drama genutzt. Auch wenn dadurch der nordirische Konflikt ein Stück weit wieder mehr ins Bewusstsein gerufen wird, vermittelt der Film zwei besonders schwierige Charaktere, deren Gefühle von außen kaum erahnt werden können. Die beiden Protagonisten werden in Top-Besetzung eindrucksvoll präsentiert und man bekommt einen Hauch von Ahnung, dass ein Täter ein Leben lang unter seiner Schuld leidet bzw. dass unter Umständen Rache die letzte Chance zur Gerechtigkeit werden könnte.

Gesamtwertung

89%

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