Fata Morgana

1360 0 3 24. September 2008
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Abseits der Touristenpfade das wirkliche Marokko kennenlernen ist das erklärte Ziel des jungen Pärchens Daniel (Matthias Schweighöfer) und Laura (Marie Zielcke). Statt sich faul die Sonne auf den Bauch knallen zu lassen, beschliessen die beiden sich spontan einen Jeep zu mieten und ein Abenteuer zu wagen – Ein Tagesausflug in die West-Sahara. Ganz allein, ohne Reiseführer und abseits des touristischen Trubels. Aber ein echtes Abenteuer findet man nicht auf festen Strassen und so fahren die beiden von der Piste ab und wagen sich in die Dünen der Wüste. “Fata Morgana” ist spannend, beklemmend und psychotisch…

Ein Horrortrip unter der Sonne

Es kommt wie es kommen musste: Der Jeep macht schlapp. Und niemand wird die beiden dort abseits der Hauptstrasse je finden, also beschliessen die beiden sich zu Fuss auf den Weg zu machen. Neben der körperlichen Belastung, die das Paar auf die Probe stellt, beginnt mit der Angst auch die Psyche langsam Streiche zu spielen. Keine Orientierung, die Spuren des Jeeps im Sand verwischt, das Wasser geht zu neige – als plötzlich ein französischer Weltenbummler (gespielt von Jean-Hughes Anglade) auf seinem Motorrad auftaucht. Er hilft Ihnen aus dieser misslichen Situation und verspricht sie zurück zur Hauptstrasse zu bringen. Aber man kann sich nicht sicher sein, denn statt einer kurzen Strecke zurück zur Piste erwartet das Trio nun eine tagelange Reise tief in die unwirtliche Tiefe der Sahara. Was will der Franzose? Was sind die Motive für das undurchschaubare Spiel?

Regisseur Simon Gross (Nachtrausch, Sündenfall) inszeniert diesen Stoff und arbeitet die Psyche der Protagonisten deutlich heraus. Vor allem das beklemmende Gefühl allein in der Wüste verloren zu sein kommt mit sengender Hitze direkt aus der Flimmerkiste ins heimische Wohnzimmer. Vor allem auch die sagenhaften Landschaftsaufnahmen und interessante Kamerapositionen unterstreichen diesen Eindruck. Der Film erhielt zurecht den Förderpreis Deutscher Film für die exzellente Regie. Die Basis der Story mag nicht besonders originell sein, aber dies ist lediglich der Ausgangspunkt für einen ansonsten gelungenen Psychotrip mit hochkarätigen Schauspielern.

Vor allem der undurchsichtige Jean-Hughes Anglade verhilft dem Film zu ungeahnten Höhen. Zu keinem Zeitpunkt kann man ihn als Zuschauer eindeutig in die Kategorie Gut oder Böse stecken. Wendungsreich begleitet er das Paar durch die Wüste, scheinbar ohne Hoffnung auf Wiederkehr in die Heimat. Diese Verzweiflung bringen auch Matthias Schweighöfer (Keinohrhasen, Das wilde Leben, Soloalbum) und Marie Zielcke (Noch einmal lieben, Agnes und seine Brüder) eindringlich herüber und können einige Schwächen in der Geschichte mit guten Einzelleistungen verbergen.

Fazit

"Fata Morgana" spannend, beklemmend und psychotisch. Ein Psychodrama, welches vor allem von einer tollen Regiearbeit und atemberaubenden Landschaftsaufnahmen lebt.

Gesamtwertung

82%

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