Der verzauberte Eichenwald (DVD)

1612 0 1 24. September 2008
Gefällt mir!

Titel:Der verzauberte Eichenwald
EAN:4041658500203
USK:Freigegeben ab 6 Jahren
Label:SUNFILM Entertainment
Release:2008-08-15

Märchen, eine eigene Welt für sich. Märchen, die erzählen Geschichten von Dingen, die höchstens in der Fantasie geschehen können – belehren dabei, sollten damals den Kindern eine Lehre vor Untugenden und Gefahren sein. Schon erstaunlich, dass im Jahre 2008 noch ein so altbackener Versuch wie “Der verzauberte Eichenwald” (immerhin von 1980) auf DVD erscheint, denn was hier nicht nur eine alt anmutende Geschichte, die man so oder ähnlich schon genügend gehört hat, ist, kommt auch optisch und schauspielerisch eher an eine Low-Budget Produktion heran, die heute den Großteil der Kinder nicht mehr wirklich fesseln dürfte, denn die sind mittlerweile andere Maßstäbe gewohnt und seien es nur einigermaßen authentische Kostüme.

Ein Mädchen und ihr Hund auf Wanderschaft

Die Verfilmung dieses Märchens handelt von dem fünfjährigen Mädchen Lizuca (Diana Musca), das nach dem Tod der Mutter bei den Großeltern auf einem Bauernhof aufwächst. Die Idylle scheint perfekt, Opa kümmert sich liebevoll um das Kind, zeigt ihr den nahe gelegenen Wald, erklärt ihr die Natur und ihnen begegnende Tiere. Ein ständiger Begleiter von Lizuca ist ein Dackel.

Doch es soll nicht so glücklich bleiben, der Vater des Mädchens, im Anhang die Stiefmutter, besucht den Bauernhof, um Lizuca mit in die Stadt zu nehmen – dort erwarten sie viele Sitten und Gewohnheiten, die ihr völlig fremd sind, so handelt sie sich auch jeden Tag einige Ohrfeigen und Schläge ein, den Spott der feinen Damen, den Zorn des Hausmädchens und der eitlen Stiefmutter nicht außer Acht gelassen.

Lizuca beschließt also, von ihrem vermeintlichen Zuhause wegzulaufen, der Vater befindet sich momentan in Bukarest und da sich eh niemand so wirklich für die Kleine interessiert, fällt eine Flucht mit einem Stückchen Brot und etwas Asche in der Jackentasche nicht weiter schwer. Über Stock und Stein führt sie der Weg auch gleich zu dem Eichenwald – der sich aber neuerdings etwas magischer und fantastischer verhält, als sie das erste Mal dort war. Aus den Bäumen flüstert es, Sonnenblumen zeigen den Weg oder mimen mit ihren herabfallenden Blättern menschliche Tränen nach, Bienenköniginnen verschenken einen Flügel und und und.

Schon bald trifft das kleine Mädchen samt hundiger Begleitung auf weitere magische Wesen des Waldes, allen voran die Fee der Einbildung, die eine anstehende Versammlung leiten und richten wird, denn der Eichenwald steht auf dem Spiel. Eine böse Hexe/Fee (passend in Schwarz gehalten, versteht sich), die irgendwie verblüffende Ähnlichkeit mit der vorhin vorgestellten Stiefmutter besitzt, möchte den Wald für viel Geld verkaufen, “sie ist es nicht gewohnt, in Not und Armut zu leben” – klar, dass die Bewohner des Waldes, Zwerge, Riesen, Bienen, Oma und Opa, der Dackel sowie die Jahreszeiten etwas dagegen haben – nach und nach bringen sie Beweise vor, dass sie schon eine lange Zeit in diesem Wald verbracht haben und somit die rechtmäßigen Eigentümer sind. Doch nicht nur um den Wald geht es, auch um das Schicksal des Mädchens dreht es sich, quasi eine Auseinandersetzung um das Sorgerecht.

Ein klassisches Märchen, über den Ausgang des Endes muss man wohl keine Worte verlieren, höchst klassisch und voraussehbar, wenn auch ein kleiner Kniff für ein minimales “Ah”-Erlebnis sorgen könnte, zumindest bei der Zielgruppe unter 10 Jahren.

Verzaubert vielleicht, verzaubernd eher nicht mehr

Die Zahl 1980 merkt man dem verzauberten Eichenwald sowie seinen Bewohnern sehr an; Verwandlungen geschehen außerhalb der Kamera, der Vorgang des “morphens” wirkte eher wie ein in die Knie gehen, der größte Spezialeffekt dürfte das sich in Luft auflösen sein und auch die Kostüme bei Bienen und vielen Tieren sind eher zu beschmunzeln, vor allem wenn die Bienen mit starren Gesichtsausdrücken und Pollen-Körben bewaffnet an die Arbeit gehen. Ein bisschen mehr Mühe kann man bei den vermoosten und bewachsenen Riesen feststellen.

Somit kann man den Schauspielern keinen Vorwurf machen, in derlei Posten und Gewändern anders als ulkig rüber zu kommen wäre auch für hochbezahlte und namhafte Vertreter eine große Herausforderung gewesen; lobenswert ist jedoch die Leistung von Diana Musca hervorzuheben, die zwar nicht selbst spricht, aber dafür die Gefahren dieser Rolle, ins nervtötende Gewässer abzudriften, sehr natürlich und gelungen umschifft.

“Der verzauberte Eichenwald” sieht die Welt aus den Augen eines Kindes. So ist es für Lizuca nur ein bisschen verwunderlich, dass ihr Dackel sprechen kann, von vielen Wesen hat sie schon aus den mütterlichen Märchenerzählungen gehört, sie ist also alles andere als überrascht, sie wirkt eher wie eine Eingeweihte und eine, die gerne an diese Fabelwesen und Märchen glaubt; was in diversen Geschichten auch immer wieder zur Existenzgrundlage deklariert wurde: der Glaube an die Märchen, nur durch den Glauben der Menschen können sie leben.

Hinter dieser eher billig wirkenden Fassade steckt also doch schon etwas Botschaft, eine eindeutige Kritik gegen das Leben in der Stadt, schließlich wird die Stiefmutter mit dem Gegenspieler, der bösen Hexe gleichgesetzt – das Leben auf dem Land, in der Nähe des Waldes hingegen bedeutet Schutz, Nähe zur Mutter in Form von Erinnerungen und mit Hilfe der Fee, die nicht umsonst Fee der Einbildung genannt wird. Der Kampf Natur gegen materielle Güter wird selbstredend von der Natur gewonnen, diese wird überdauern, und die oberflächliche Böse wird von den 4 Jahreszeiten daran erinnert, dass nur die Zeit unvergänglich ist, ihr Leben, ihr ganzer Tand und Besitz hingegen sehr wohl vergehen kann und wird.

Extras sind auf der DVD keine vorhanden, weder Trailer, noch Bildergalerien. Weiterhin fällt der recht plärrende Sound im Menü auf, welches wiederum durch seine Pragmatik besticht. Film starten, Tonauswahl, Kapitelauswahl (Insgesamt 8 Kapitel, zu denen man springen kann) – narrensicher.
Der Unterpunkt Tonauswahl verspricht zwar Rumänisch und Deutsch in Dolby Digital 2.0, Verpackung und Qualität würden aber eher zum auf der Verpackung gedruckten Mono 1.0 passen, an manchen Stellen sind die Stimmen nicht mehr vom Hintergrundrauschen zu unterscheiden, was aber Gott sei Dank selten bleibt. Es sei auch nicht vergessen, dass der Film von 1980 ist, Wunder wird eine DVD-Veröffentlichung auch nicht bewirken können, wenn das Quellmaterial nicht mehr hergibt.

Fazit

Ein Märchen der wirklich alten Schule ohne nennenswerte Überraschungen oder Stärken. Für nostalgische Momente und Märchenliebhaber eher geeignet; wenn auch nur als Ausleihe, denn für einen Kauf ist der 77 minütige Film dann doch zu arm an Extras und Gründen, ihn mehrmals zu sichten.

Gesamtwertung

55%

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.