Dan – Mitten im Leben!

1047 0 2 24. September 2008
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Titel:Dan - Mitten im Leben!
EAN:4010324026446
USK:Freigegeben ohne Altersbeschrnkung
Label:Concorde Video
Release:2008-09-17

Das Leben schreibt manchmal komische Geschichten, was uns Dan Burns (Steve Carell) am Ende von “Dan In Real Life” mitteilt, wenn er über Pläne und das Leben philosophiert: plant die Zufälle ein, was die Grundidee des geplanten Lebens gleich wieder ad absurdum führt.
Dan Burns schreibt für Zeitungen, er ist ein Kolumnist, der verzweifelten Eltern, verärgerten Teenagern und anderen hilflosen Menschen Fragen beantwortet, ganz egal ob es um den Fernsehkonsum, die “Erziehung” oder andere Dinge geht, Dan hat eine Antwort und ist dementsprechend erfolgreich. Mit gemischten Gefühlen kann man seinen eigenen Erfolg im Leben betrachten, wie es in Komödien üblich ist, sind die, die anderen Leuten helfen, meist selbst unter einem Berg von Problemen begraben. Dan ist seit 4 Jahren Witwer und Alleinerziehender von 3 Töchtern – hart & aus Sicht seiner Kinder öfter ungerecht (“Du bist ein gute Vater aber oft ein schlechter Dad”) setzt er seine Vorhaben, Prinzipien und in der Kolumne vertretenden Standpunkte um.

Mitten im Leben – dazu gehört auch die Familie. Dans Familie ist eine wahre Großfamilie, viele haben geheiratet und Kinder und einmal im Jahr wird ein Familientreffen bei Oma und Opa am Meer zelebriert – da wird begrüßt, betätschelt, gegessen, gejoggt und ein bunter Abend mit diversen “Talenten” aufgeführt, dass man meinen könnte: diese Familie ist glücklich. Doch der Schein trügt und mit fast schon bittersüßer Ironie wird verdeutlicht, dass der eigentliche Problemlöser Dan selbst ein Problem hat. Da wäre zum Beispiel seine neue Bekanntschaft Marie (Juliette Binoche), die durch und durch bezaubernd daherkommt aber fatalerweise gerade eine neue Beziehung mit Dans Bruder Mitch (Dane Cook) eingeht – als man sich auf dem Familienanwesen trifft, versucht man natürlich erstmal die verborgene Methode, doch das wirft nur mehr Probleme auf.

Eine Komödie, die sich selbst sehr locker und harmlos nimmt, jedoch auch oft ins Drama abrutscht

Ansich schon eine große Herausforderung, so ein Film mit derlei vielen Personen im Bild. Eine Großfamilie will koordiniert sein, genauso sorgfältig müssen auch die Dreharbeiten abgelaufen sein, schließlich muss jedes Gesicht, jede Mimik und jede Bewegung mit den Vorstellungen der Filmemacher übereinstimmen. Das stellt jedoch alles kein Problem dar, der Cast ist von vorne bis hinten passend besetzt, allen voran natürlich die Zugpferde und “tragisch Liebenden” dieser Geschichte, vekörpert von Steve Carell (LIttle Miss Sunshine, Get Smart) und Juliette Binoche (So ist Paris, Caché) – wo Carell immer ein bisschen neben der Spur, der Rolle entsprechend, agiert, wirkt Binoche wie von einem anderen Stern, der sein Leben und das Leben seiner Familie bereichern und erleuchten möchte. Gutherzig, ein bisschen durchgeknallt, viel Lebenserfahrung und grundanständig – schnell der Liebling aller Familienmitglieder und auch der geneigte Zuschauer dürfte diese beherzte Schauspielerin aus Frankreich schnell in sein Herz schließen.

Vorrangig hat man es hier mit einer Komödie zu tun, eine Komödie die die Familie auf der einen Seite lobt, aber auch auf der anderen Seite ihre Schattenseiten aufzeigt – zu wenig Freiräume wegen zu dominanter Erziehungsstile, Verlustängste, Tod des Ehepartners, neue Beziehungen, Eltern, die einen noch mit 40+ bevormunden und sonst keine wirkliche Hilfe sind, eine “nette Familie” die vielerlei Späße mit einem treibt aber immer noch eine Familie bleibt. Auch wenn vieles auf Kosten der Figuren geht, die Dialoge sind feinfühlig, manchmal sehr pfiffig und durchaus witzig pointiert – Anspielungen auf den Cirque du soleil sind da zwar eher versteckt, dennoch nie zu versteckt. Zweitrangig hat man es mit einem Familiendrama zu tun, ein Witwer, der nicht loslassen kann, nicht von seiner verstorbenen Frau und schon gar nicht von seinen drei Töchtern – ein Mann, der Ratgeber ist und Ratschläge an Menschen mit Problemen verteilt, obwohl er selbst kein “Musterleben” führt, sich dennoch immer eine Spur melancholisch und seufzend durchkämpft, es aber nie wie einen Kampf wirken lässt. Diese eher ruhigen Momente sind das Manko, da verliert Dan – Mitten im Leben ein wenig die Balance und kippt zur vollen Tränendrüse rüber, alles andere hält sich immer im Gleichgewicht und tröstet über jede Abgedroschenheit, jede Durststrecke und jede Kindlichkeit und “Ungerechtigkeit” Dan gegenüber hinweg – je mehr Lebenserfahrung der Zuschauer mitbringt, umso mehr Lebenserfahrung reflektiert sich im Film, umso ansprechender wird er höchstwahrscheinlich auch rüberkommen.

Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel..man weiß nie, was man bekommt

Aber bei den Extras der DVD weiß man sehr genau, was man hat. Zum einen den Kinotrailer, dankenswerterweise auch im O-Ton verfügbar.

Richtig interessant wird es dann schon beim 15minütigen Making Of von “Dan in real life” – ein durch und durch sympathischer Einblick in die Arbeit von Peter Hedges, der viel Wert auf eine familiäre Atmosphäre legte, den Schauspielern großzügige Freiräume und Möglichkeiten zur Improvisation ermöglichte. Ein großes Haus wurde gefunden, doch für die große Crew war es dann doch nicht groß genug – man könnte meinen, die 2. Familie stellt die Filmcrew dar – “just like family”, wie es anfangs geschrieben steht. Eine gute Mischung aus Interviews, Filmszenen und Witzen, ja, auch in den Interviews ist man witzig, sogar sehr ungezwungen, wenn z.B Steve Carell uns verklickern möchte, dass er als Ausnahme mit dem Regisseur absolut nicht klarkam, was er natürlich später dementiert. Frei nach dem Familiengedanken gibt es auch eine Zusammenarbeit, die sich sehen lassen kann, Szenen werden freiwillig wiederholt, werden nach verschiedenen Vorstellungen wiederholt und und und – Hedges legte Wert darauf, “das Leben” und doch nur “ein Leben” zu zeigen.

Weiter geht es mit den Deleted Scenes, die in der Laufzeit das Making Of sogar überflügeln – satte 20 Minuten an Szenen, die es nicht in den Film geschafft haben. Um einige ist das sehr schade, z.B. “Stop Growing” oder “Old Talent Show” – um die fast schon abartige Szene, wo Dan pädagogisch wertvoll mit Essen hantiert ist es hingegen nicht schade, die hätte nicht ins gemütliche Gesamtkonzept gepasst. Summa sumarum sind das 20 lohnende Minuten, die man an den Film hängen kann.

Die Outtakes schlagen zwar nur mit 3 Minuten zu Buche, aber so herrlich wie Binoche lachen kann, mag man das gerne verzeihen. 3 Minuten “acting over the top” und Rumgegackere, aber immer noch sehr familiär wirkend und deswegen passend. (Mittlerweile hat man die Laufzeit des Films künstlich von 99 Minuten erhöht, 15 Minuten, 20 und nochmal 3 Minuten bis jetzt, und keine möchte man wirklich missen.)

Featurette zum Soundtrack – fast 10 Minuten lang wird über die Auswahl des Soundtracks berichtet. Der Musiker Sondre Lerche trug dazu bei, Hedges Vorstellung, “die Musik als Charakter im Film auftreten zu lassen” zu verwirklichen – stimmige Songs von der Gitarre kommend, eine Stimme voller Aufrichtigkeit und Emotionen, im Abspann spielt er sogar in persona auf einer festlichen Veranstaltung, die aus “fairen Gründen” dem Leser gegenüber hier nicht direkt benannt werden können. 😉
Hedges hat natürlich auch Recht damit, dass manche Filme musikalisch überfrachtet sind – dies ist bei Dan nicht der Fall, das bunte Familientreiben braucht diese Musik und einen Einblick hinter die Auswahl, hinter den Musiker und die Lieder zu geben ist da nicht nur nett, sondern fast schon eine Notwendigkeit.

In den Programmtips befinden sich 3 Trailer zu 3 Filmen: Geliebte Jane, Die Band von Nebenan & Outsourced. Der erste Trailer profitiert von der brillianten Maggie Smith, die beiden anderen Trailer sind allenfalls nett, aber nicht wirklich umwerfend.

Das Menu der Extras endet mit einem Hinweis auf den DVD-ROM Part und einem Hilfestellung gebendem “?” – die Extras sind von der Länge her mehr als ausreichend und vom inhaltlichen sehr gut gelungen und stimmig aufbereitet, man wird nicht mit 2 Trailern und einer Foto-Galerie abgespeist sondern erhält hilfreiche, erheiternde und stimmige Einblicke vor, auf, hinter, unter und neben die Kulissen – kann eindeutig als Bonus angesehen werden.

Fazit

Eine harmlose, fast schon zu nette und dennoch überzeugende Komödie über das Chaos in der Liebe, in der Familie, einfach im Leben - deutsche und englische Tonspur in DD 5.1 und eine weitere deutsche Tonspur in DTS vorhanden, deutsche Untertitel, sowie die Möglichkeit, einen Audiokommentar von Regisseur Peter Hegdes einzuspielen, ebenfalls - alle Versionen lohnen sich, genauso wie sich jede Minute der Extras lohnt.

Gesamtwertung

80%

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