Bug (DVD)

1340 0 1 24. September 2008
Gefällt mir!

Titel:BUG - Special Edition
EAN:7613059900332
USK:Freigegeben ab 16 Jahren
Label:Ascot Elite Home Entertainment GmbH
Release:2007-12-06

Das Telefon klingelt. “Hallo. Hallo?”. Der Hörer knallt auf die Gabel. “Wichser”. Es muss Jerry sein, ihr Ex-Mann. Aber er geht ja nicht ran, sagt kein Wort. Irgendwo in Oklahoma, am Rande von Nirgendwo arbeitet Agnes, gespielt von Ashley Judd (“Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern”, “High Crimes”, “Frida”) als Kellnerin und ertränkt den Frust zusammen mit ihrer Freundin “R.C.” (Lynn Collins, “The Number 23”, “30 über Nacht”, “50 erste Dates “) im Alkohol. Letztere ist es auch, die eines Tages “Peter” (Michael Shannon, “Bad Boys II”, “8 Mile”) mitbingt, einen freundlichen und sehr schüchternen jungen Kerl. Er ist still und harmlos, aber etwas mit ihm stimmt nicht. Jedenfalls ist er kein Axtmörder wie er selbst sagt, aber er leidet nach seinem Kriegseinsatz im Golf unter einer schrecklichen Furcht. Agnes und Peter kommen sich schnell näher und mehr aus Mitleid, denn aus Anziehung nimmt sie ihn bei sich auf. Tags darauf erscheint Jerry. Ein mieser, schleimiger Taugenichts, der sich einzig durch seine Gewalttätigkeit auszeichnet. Als er das Haus verlässt erzählt Peter zum ersten Mal von seinen Ängsten, davon, dass man nirgends sicher sein kann. “Man hört das Summen, sie lassen einen wissen, dass sie da sind”.

Ziemlich wildes Zeug…

Nach und nach werden diese wirren Gedanken für den Zuschauer nachvollziehbarer. Peter hat ein bisschen Ärger mit der Army, wie er Agnes später gestehen wird. Es ist die Rede vom Golfkrieg, Wissenschaftlern die Experimente mit ihm durchführten. Sie sind hinter ihm her und sie verstehen keinen Spaß. Die kommenden Tage und Wochen werden die beiden noch enger zusammenschweissen und man kann zusehen, wie sich Agnes einerseits in der Welt von Peter wiederfindet und ihr komplettes Leben auf ihn und seine Visionen ausrichtet. Er wiederum wird immer unzugänglicher: Die Wohnung voller Insektenspray, Wanzen unter der Haut, Hautauschläge durch Läuse – unsagbar fesselnd erlebt man als Zuschauer den sprichwörtlichen Verfall zweier Menschen und ihrer Wahnvorstellungen.

Der Regisseur William Friedkin hat sich schon in vorangegangenen Werken als Meister der psychologischen Film-Kriegsführung erwiesen. In legendären Werken wie “Der Exorzist” hat er schon oft bewiesen, dass er es liebt in die menschliche Psyche einzudringen und die Zuschauer mit auf dies Reise zu nehmen. Mit morbider Präzision nimmt die Geschichte der beiden Hauptdarsteller immer bizarrere Züge an. Voll knisternder Spannung und immer wieder leicht angeekelt verfolgt man diese Horrorgeschichte, die zwar nicht ohen Schockmomente, aber gänzlich ohne Insekten auskommt. Denn auch wenn die beiden scheinbar ernsthafte Probleme haben, sieht man doch nie eine Laus. Die Kamera geht nie nah genug ran. Aber vermutlich gäbe es da auch nichts zu sehen, Agnes sieht zu Beginn nichts und später ganze Nester voller Ungeziefer. Einzig Bildfetzen von Insekten begleiten den Betrachter immer wieder durch den Film, ohne jedoch eine konkreten Bezug zur Story zu haben.

Paranoia ist ansteckend

Dies kann man im Film deutlich sehen und selbst spüren und das macht den besonderen Reiz des Films aus. Lange Zeit passiert im Film auch nicht besonders viel, man braucht Zeit um die Charaktere kennenzulernen, aber nach den ersten Visionen dreht sich das Karussell immer schneller und der Wahnsinn nimmt immer verrücktere Züge an, bis sich diese Konzentration von Fürcht, Terror und Verschwörungstheorie in den letzten Minuten schlagartig entlädt. Meisterhaft inszeniert, sind es vor allem die Eindrücke aus dem beengten Motel, welche lange Zeit im Gedächtnis hängenbleiben werden. Und das allein zeigt schon die Qualität dieses Films. Die Handlung spielt sich auch komplett in diesen Räumen ab. Kein Wunder, handelt es sich bei Bug, doch tatsächlich um die Verfilmung eines Bühnenstücks. Stilistisch ist dieser Kunstgriff aber absolut überzeugend und konsequent umgesetzt worden.

Fazit

Bug ist feinstes, verstörendes und anstrengendes Paranoia-Kino. Der Film schafft es die Angst auf einen Silberling zu pressen und den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.

Gesamtwertung

81%

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.