Wenn man in ein paar Jahren gefragt wird, woran man sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 erinnert, dann dürfte das Finale ganz weit oben auf der Liste stehen. Nicht nur, weil sich zwei der besten Mannschaften des Turniers gegenüberstanden, sondern weil dieser Abend all das vereinte, was den Fußball so faszinierend und manchmal auch so absurd macht: Traumtore, Dramatik, Emotionen, Rudelbildungen, politische Nebenschauplätze und eine Siegerehrung, die selbst Hollywood vermutlich für übertrieben gehalten hätte.
Das Finale war nicht einfach nur ein Fußballspiel. Es war der letzte Akt einer Weltmeisterschaft, über die vermutlich noch lange diskutiert werden wird – aus sportlichen, aber auch aus ganz anderen Gründen.
Spanien krönt sich zum Weltmeister Auf dem Platz bekamen die Zuschauer zunächst genau das, was sie sich von einem WM-Finale wünschen. Spanien und Argentinien lieferten sich ein intensives, temporeiches Duell auf höchstem Niveau. Beide Teams schenkten sich nichts, kämpften um jeden Ball und zeigten, warum sie völlig verdient im Endspiel standen.
Am Ende setzte sich Spanien durch und durfte den WM-Pokal in den Nachthimmel recken. Die Spanier präsentierten sich über das gesamte Turnier hinweg spielerisch stark, mutig und effizient. Argentinien hielt lange dagegen, musste sich am Ende aber einem Gegner geschlagen geben, der an diesem Abend den berühmten Tick besser war.
Für Spanien ist es ein weiterer großer Triumph in der ohnehin beeindruckenden Fußballgeschichte des Landes – und für viele neutrale Fans sicherlich ein verdienter Weltmeister.
Als der Schlusspfiff nur der Anfang war Wer dachte, nach dem Abpfiff würde nur noch gefeiert werden, wurde allerdings schnell eines Besseren belehrt.
Kurz nach Spielende kochten die Emotionen über. Spieler beider Mannschaften gerieten aneinander, es bildeten sich gleich mehrere Rudel, Schubser flogen in alle Richtungen und plötzlich war von einer würdigen Finalkulisse nicht mehr viel übrig. Die Schiedsrichter hatten alle Hände voll zu tun, die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen.
Am Ende blieb es nicht bei hitzigen Wortgefechten. Eine Rote Karte setzte den Schlusspunkt unter einen turbulenten Abend, der damit auch juristisch noch ein Nachspiel haben dürfte. Ob der Weltverband weitere Sperren oder Geldstrafen ausspricht, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen.
Es passte irgendwie zu dieser Weltmeisterschaft: Selbst nach dem Schlusspfiff war noch lange nicht Schluss.
Trump sorgt erneut für die größten Schlagzeilen Und dann kam der Moment, über den wahrscheinlich sogar mehr gesprochen wird als über den neuen Weltmeister.
Als Donald Trump gemeinsam mit Fifa-Präsident Gianni Infantino den Rasen betrat, um den WM-Pokal zu überreichen, reagierten viele Zuschauer mit lautstarken Buhrufen. Wirklich beeindruckt schien den US-Präsidenten das allerdings nicht zu haben.
Statt den Spaniern nach der Pokalübergabe die große Bühne zu überlassen, blieb Trump einfach auf dem Siegerpodest stehen. Während Goldkonfetti vom Himmel rieselte und die Spieler ihren größten Karriereerfolg feierten, stand der Präsident weiterhin mitten zwischen den Weltmeistern – sehr zur Verwunderung vieler Zuschauer, Kommentatoren und vermutlich auch einiger spanischer Nationalspieler.
Bereits bei der Klub-Weltmeisterschaft hatte Trump mit einem ähnlichen Auftritt für Stirnrunzeln gesorgt. Dass sich die Szene nun praktisch wiederholte, verlieh der ohnehin außergewöhnlichen Siegerehrung eine fast schon surreal anmutende Note.
Eine WM, die viele Fragen hinterlässt Sportlich bot diese Weltmeisterschaft viele großartige Momente. Gleichzeitig wird sie aber wohl ebenso wegen ihrer Kontroversen in Erinnerung bleiben.
Da war zunächst die Affäre um US-Nationalspieler Folarin Balogun, dessen Sperre nach seiner Roten Karte nach einem viel diskutierten Telefonat zwischen Donald Trump und Gianni Infantino plötzlich doch wieder aufgehoben beziehungsweise in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wurde. Formal mag der Weltverband dafür Erklärungen gefunden haben – für viele Fans blieb dennoch der Eindruck zurück, dass politische Einflussnahme und sportliche Entscheidungen gefährlich nah zusammengerückt sind.
Hinzu kamen Diskussionen über Organisation, verschiedene politische Kontroversen rund um das Turnier sowie zahlreiche Nebengeräusche, die den eigentlichen Fußball immer wieder überschatteten.
Aus deutscher Sicht bleibt ohnehin vor allem Enttäuschung. Das frühe und blamable Ausscheiden der DFB-Elf hat einmal mehr gezeigt, dass der Weg zurück zur Weltspitze noch ein gutes Stück Arbeit bedeutet. Nach den vergangenen Jahren wächst die Hoffnung vieler Fans, dass Jürgen Klopp dem deutschen Fußball irgendwann neues Leben einhauchen wird.
Die WM 2030 wirft bereits ihre Schatten voraus. Nach dem Mammutturnier mit so vielen Mannschaften und Spielen dürfte allerdings auch die Diskussion darüber weitergehen, ob größer tatsächlich automatisch besser ist. Vielleicht nimmt die Fifa die vielen Debatten zum Anlass, den Fokus künftig wieder stärker auf den Sport zu legen.
Denn genau dafür lieben Milliarden Menschen diese Weltmeisterschaft eigentlich: für den Fußball.
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