City of Crime – Obstacles (DVD)

1408 0 3 10. Dezember 2010
Gefällt mir!

Titel:City of Crime - Obstacles
EAN:4036382501176
USK:Freigegeben ab 18 Jahren
Label:KNM Home Entertainment GmbH
Release:2010-11-16

E-40 (Darsteller), D-Shot (Darsteller), Hunter McCann (Regisseur), Harry Mok (Regisseur) | Sprachen: Deutsch und Englisch | keine Untertitel, Previews von Ramschfilmen als Extra, gute Bild- und Tonqualität

Der 70-Minuten-Rap

„City of Crime“ heißt ein Gangsterfilm, der ziemlich hart und archaisch, aber originell nicht nur hässliche Machenschaften, Verrat und Rache, sondern auch die hässlichen Schattenseiten der Großstadt L.A. zeigt und unter seinem ursprünglichen und passenderen Namen „City of Industry“ 1996 nicht gut gelaufen war. Genau den wollte ich eigentlich testen – und bekam „City of Crime – Obstacles“. Weil daran mein allzu eiliges Lesen der Filmliste Schuld war, habe ich mich durchgebissen durch einen Film, der mich offen gestanden nicht sonderlich interessiert hat. Doch selbst wenn man im Gangsta-Rap zu Hause ist, kann das nicht über Schwächen des Filmes hinweghelfen. Reißerisch ist er sowieso, was aber irgendwie auch nicht stört, weil hier erkennbar keine große Kunst gemacht werden sollte. Ein bißchen mehr, als dass ein paar Rapper ihr Lebensgefühl statt auf die paar Minuten eines Songs auf die 70 Minuten dieses Filmes ausdehnen, hätte aber bei dem Unternehmen schon herauskommen dürfen! Nicht einmal die Zielgruppe, die wegen der fehlenden Jugendfreigabe derbe Gewalt erwartet, wird bedient; der Film könnte eigentlich auch ab 16 Jahren freigegeben sein.

Der Beginn ist zwar allzu offenherzig kraftmeierisch, erreicht dabei aber einen eigentlich gar nicht schlechten Kontrast. Zwei Männer haben ihr Opfer verkehrt herum aufgehängt, den Kopf in einem Sack, es sieht schon mächtig geschunden aus, und nun soll ihm mit der Baseballkeule der Rest gegeben werden. Die Polizei rückt an, und trotz der Gewalttätigkeit wirft sich noch eine Frau für einen der Täter namens Darrel in die Bresche, nach dem altbekannten Motto: „Er darf nicht sterben, er ist ein guter Junge“. Diese Eröffnung jongliert zwar mit Versatzstücken, aber wie sie sie brutal kontrastieren lässt, schafft eine interessante Reibung. Wir wollen wissen, wer und wie dieser Mann ist. Das derart geweckte Interesse kann der Film in der darauffolgenden langen Rückblende aber nicht lange halten und erstickt es in Klischees: Als Jugendlicher fing Darrel mit kleineren Bandenkloppereien an und stieg in das Drogengeschäft ein, um seine Familie vor der Entmietung zu bewahren. Dann bescheidener Aufstieg, Knast, größerer Aufstieg, coole Schlitten und Schnitten, Eskalation eines Bandenkrieges, Ende bei der Anfangsszene. Diese Stationen kennt man schon! Nun, wenn ein Film nicht unbedingt originell sein will, sollte er die Technik des Geschichtenerzählens halbwegs beherrschen. Dies geht zwar hier nicht völlig daneben, ist aber alles andere als souverän und aus einem Guss. So ist das Erzähltempo beispielsweise eine einzige Seltsamkeit. Belanglosigkeiten werden ausgewalzt, während am Ende die Eskalation überraschend schnell und sprunghaft erzählt wird, wobei der Film seine Hauptfigur nicht mehr angemessen in den Blick nehmen kann – und dann ist auf einmal Schluss. Immerhin noch halbwegs originell ist die Idee, einen abwesenden Pfarrer als Imagination zu zeigen, der sich vor Darrel auflöst und ihn nicht mehr erreichen kann. Doch warum diese blass und stereotyp gebliebene Figur noch ein letzter Halt hätte sein können, hat sich mir nicht erschlossen.

Eine derartige Mischung zwischen Mäandern und Hast ist zwar kein grundsätzlicher Verstoß gegen filmische Gesetze und wurde schon von wirklich großen Filmemachern so gehandhabt, die eher ein Lebensgefühl als eine klassische Geschichte erzählten. Doch im Falle von „Obstacles“ geht das mit einer etwas schamlosen, billigen und allzu direkten Darstellung von Oberflächenreizen einher. Wenn minutenlang und teils in Zeitlupe knackige Bräute, angesagte Schuppen und Liebe in einer schicken Villa gezeigt werden, alles gelackt ausgeleuchtet wie Ausstellungsstücke, dann verschafft das keinen Eindruck, sondern die Aufnötigung eines Lebensgefühls (anders als etwa die Ziellosigkeit der Protagonisten in „Außer Atem“ oder „Bonjour Tristesse“). Und das ist schal, wenn man es vorgeführt bekommt, ohne selbst mit in die Disco gehen zu können. Hinter den Oberflächenreizen steckt wegen ihrer Offenherzigkeit auch immer ein „Ätsch, wir haben die scharfen Tussen und die fette Kohle und Ihr nicht.“ Wir dürfen den Rappern zwar über die Schulter gucken, aber werden garantiert daran erinnert, dass wir vor dem Guckkasten sitzen. Anteilnahme wird so nicht erzeugt. Stattdessen ist dieses Sich-Ausstellen (obwohl es in der besagten Szene um Sex geht) eigentlich eine filmische Selbstbefriedigung. Yo man, hey, wer will schon einem beim Wi***en zusehen???

Dabei hätte das Ganze durchaus gut gehen können. Sicherlich der richtige Ansatz, um eine Geschichte über eine Subkultur zu erzählen, ist, dass es bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen gemessen an konventionellen Maßstäben um lächerlich wenig geht. Man killt und prügelt einander, weil A was mit der Bitch von B hat, nicht etwa weil A von B Stoff im Wert von ein paar Millionen geklaut hat. Das konnte und kann schon ein Regisseur wie Martin Scorsese, beginnend mit dem Little-Italy-Drama „Mean Streets“ bis hin zu seinen Mafia-Filmen: Es gibt einen geschlossenen Kosmos, eine Welt für sich, in der man die Dinge meist ohne die Polizei regelt und in der eigene Gesetze gelten. Was unsereinem als vergleichsweise nichtiger Anlass für eruptive Gewalt der übelsten Sorte erscheint, wird in solchen Parallelwelten ganz ernst genommen und ist so verinnerlicht, dass zumindest den Handelnden ihre krassen Reaktionen als ganz normal vorkommen. Doch zwischen Scorsese und den Rappern, die „Obstacles“ fabriziert haben, besteht ein beträchtlicher Höhenunterschied. Auch, dass der Soundtrack aus aneinandergereihten Rap-Songs besteht, zeigt, womit wir es in Wirklichkeit zu tun haben: Zwar mag auch dies ein legitimes Stilmittel sein, aber wenn es über 70 Minuten fast ohne Pause eingesetzt wird, dann beschleicht einen das gleiche Gefühl wie bei den weiteren genannten erzähltechnischen Unzulänglichkeiten: „Obstacles“ ist kein Film, sondern ein zu langer Song. Für die, die’s mögen, halbwegs passabel, aber eigentlich auch nicht richtig gut. Für alle anderen: 8 Mile angucken.

Fazit

Jeder kann Filme machen? Rapper, bleib bei Deinem Leisten!

Gesamtwertung

35%

» Wie wir bewerten - Hinweise und Erläuterungen zu unserem Wertungssystem

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.