Den Anfang des Tests muss ich mit einer persönlichen Note beginnen. Was habe ich mich im Oktober Anno 2009 auf Torchlight 1 gefreut. Jede Menge Videos geschaut, darunter einen Live-Stream auf Justin.tv, jeden Artikel verschlungen und direkt am Releasetag noch in der Nacht beim Entwickler Runic Games per Download zugeschlagen. Was hat den ersten Teil aber so besonders gemacht? Zum einen der günstige Preis von damals 15 Euro und die famose Spielbarkeit. Für viele war Torchlight (bis auf den fehlenden Onlinemodus), neben Titan Quest, der Diablo-Konkurrent schlecht hin. Hinzu kamen eine Vielzahl von Mods, die die Fans kurz nach dem Start bereits veröffentlicht haben. Hier kann jedem interessierten nur der Mod-Manager ans Herz gelegt werden. Mit dem lassen sich nämlich einfach Mods installieren. Bei so einer tollen Fanbase steht Teil zwei ganz sicher eine rosige Zukunft bevor.

Alchemist bringt Chaos

Torchlight 1 war ein Überraschungshit. Überraschend war aber auch damals schon nicht die belanglose Geschichte. Das gilt auch für den zweiten Teil, denn wir haben es mit einem waschechten Action-RPG zu tun und das Genre ist bekannt für belanglose Geschichten, auch wenn Diablo 3 mit besten Mitteln versucht, dieses Klischee zu wieder legen. Trotzdem lassen wir die Story nicht unter den Tisch fallen. Der Alchemisten (Ex-)Held aus Teil 1 hat Ordrak, dem Endgegner von Torchlight 1, seine Essenz gestohlen um damit den Elemantarwächtern ihre Kräfte zu rauben. Die Folge dessen ist pures Chaos. Natürlich fühlen sich neue Helden berufen hinter dem Alchemisten aufzuräumen und ihn zur Strecke zu bringen. Die Geschichte wird mit sehr seltenen in Comicgrafik gehaltenen Cutscenes vorangetrieben. Außerdem gibt es Vollvertonung bei wichtigen Questgesprächen. Die Audiovisualisierung des Rests (z. B. nur Textboxen bei Standardquests) ist sehr minimalistisch ausgefallen.

Gelungen wiederum ist den Entwicklern die größere Spielwelt. Die Regionen, in denen wir uns bewegen, sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Egal ob staubtrockene Wüsten, giftgrüne Dschungelabschnitte oder verschneite Gebirge. Abwechslung wird groß geschrieben. Das zeigt besonders die Vielzahl der unterschiedlichen Nebenquests. Natürlich führen diese oft in düstere Dungeons, aber die spielen sich erfreulich abwechslungsreich. Liebe Spieler: Augen auf in den Dungeons, denn es gibt Geheimgänge zu entdecken, die zu gut bestückten Schatztruhen führen.

Vier Recken sollt Ihr sein!

Der zweite Teil stellt uns vier neue Kämpfer zur Auswahl. Der Berserker erinnert an den Destroyer von Teil 1, da er mächtig austeilen und einstecken kann. Mit zwei Waffen gleichzeitig kann er großen Schaden verursachen, vor allem mit Klauenwaffen. Zudem steht ihm Naturmagie zur Verfügung. Mit dieser kann er Tiere wie Drachen oder Wölfe beschwören. Der Engineer ist eine Mischklasse und erinnert an einen Nahkämpfer inklusive Ingenieurausbildung. Neben seinen mechanischen Fähigkeiten, ist der Aufladungsbalken zu erwähnen der sich durch Nahkampfangriffe befüllen lässt. Das hat zur Folge, dass er bei Einsatz von gewissen Fähigkeiten Bonus-Schaden austeilt. Der Outlander lässt sich ferner als Fernkämpfer mit magischer Begabung beschreiben. Mit Pistolen und Gewehren rückt er flink seinen Feinden auf die Pelle. Der letzte im Bunde ist der Embermage. Der Embermage bedient sich der Glutsteinmagie und erinnert an einen Zauberer. Er gebietet über Feuer, Eis und Elektrizitätsmagie. Die Klassen spielen sich unterschiedlich, aber eins benötigt jeder Held: Mana. Ohne Mana keine Spezialtalente. Die Manaknappheit wiederum gestaltet die Kämpfe taktischer, weil man nicht unendlich auf Spezialfähigkeiten zurückgreifen kann.

Natürlich merkt man beim Zocken, vor allem in den höheren Schwierigkeitsgraden, dass die Spielbalance noch nicht perfekt stimmt. Was man aber auch gleich bemerkt: es macht trotzdem mächtig Laune, die Gegner aus den Schuhen zu befördern. Gerade beim Embermage tobt der Bildschirm und überall explodiert irgendwas. Torchlight 2 versteht es sehr gut einen gewissen Spielflow aufzubauen. Der Spieler bekommt dauerhaft Levelaufstiege, neuen Fähigkeiten, seltene Waffen und interessanten Endgegner vor die Füße geschmissen. Das Gefühl, dass es immer was zu tun gibt, motiviert ungemein.

Kein Risiko ging der Entwickler beim Talentsystem ein. Wie bei vielen Genrevertretern zuvor, gibt es nach Levelaufstiegen Punkte. Diese dürfen wir dann auf Attribute wie Geschicklichkeit und Stärke verteilen. Zudem erhalten wir Punkte, die man in den Skilltree investieren darf, um so durch aktive oder passive Talente unseren Kämpfer weiter auszubilden. Das Angebot ist doch recht übersichtlich, bietet uns aber die Möglichkeit auch Mischkämpfer zu bilden. So kann ein Berserker auch schon mal zur Flinte greifen, um als Fernkämpfer den Gegner den Garaus zu machen. Bei der Vergabe der Talentpunkte sollte man aber behutsam vorgehen, denn ihr könnt bei einem Händler nur die letzten drei verteilten Punkte resetten. Es ist also möglich sich zu Verskillen. Abhilfe wird in Zukunft die Community durch Respectränke schaffen. Diese Tränke erlauben dem Spieler alle Talentpunkte noch mal von neuem zum Vergeben.

Nicht ohne mein Haustier

Torchlight 1 hat es gezeigt. Ein Haustier sollte jeder Held haben. Warum nicht jedes Action-RPG diese Idee aufgreift, ist unbegreiflich. Nach der Wahl des Helden, bietet sich euch die Möglichkeit ein Haustier auszuwählen. Hier könnt ihr zwischen einem Panther, einer Bulldogge, einem Adler und weiteren Tieren wählen. Unser kleiner Helfer gibt nicht nur ein guten Kämpfer, sondern auch ein Packesel aller erster Güte ab. Mit einem Klick kann man Items, die man loshaben möchte, ins Inventar des Haustiers schieben. Ein weiterer Klick und er flitzt in die Stadt um die Items zu verkaufen. Clever: auf Wunsch bringt er auch Heil- und Manatränke mit… Braves Kerlchen! Wo wir gerade bei Items sind. Torchlight 2 überschwemmt einen geradezu mit seltenen Waffen, noch selteneren Rüstungen und Ringen die schon als verschollen galten. Mit Samthandschuhen solltet ihr teilweise die sockelbaren Gegenstände anfassen. Es passiert schnell, dass man diese verkauft, obwohl man mit Juwelen den Gegenstand noch gehörig aufpeppen könnte. In Städten dürfen wir zudem Rüstungen verzaubern, um sie noch robuster zu machen.

Gute Waffen und Rüstungen sind auch nötig, denn die Gegner haben im Vergleich zum ersten Teil hinzugelernt. Sie greifen nun nicht mehr stur auf die gleiche Art und Weise an, sondern variieren ihre Angriffe und greifen gerne auch mal auf Zaubersprüche zurück. Interessant wird es, wenn man auf Mini-Bosse trifft, denn diese bescheren uns Ruhmpunkte. Hat man die Ruhmleiste voll, erhält man einen zusätzlichen Talentpunkt, den man sofort in den Skilltree investieren kann.

Grafik bitte nicht zoomen

Torchlight 2 hat wirklich wenige Schwächen. Die größte, neben der schwachen Story, ist die Grafik. In der höchsten Zoomstufe gibt es eigentlich nicht viel zu meckern. Der Stil ist insgesamt stimmig, es wirkt vieles wie aus einem Guss. Aber wehe man zoomt an das Geschehen ran, dann sieht man sofort die matschigen Texturen und polygonarme Grafik. Lösung: Einfach nicht zoomen, dann muss man ob der veralteten Engine nicht die Nase rümpfen. Großes Lob muss man der Musikuntermalung zusprechen. Wer manche Tracks hört, fühlt sich sofort an Diablo 1 und 2 erinnert. Die Ähnlichkeit geht schon so weit, das man meinen könnte, der Komponist hat die Musik einfach kopiert. In dem Fall kann man von Eigendiebstahl sprechen, denn Matt Uelmen (der Komponist für Torchlight 2) war bereits für die musikalische Untermalung der beiden Blizzardkulttitel verantwortlich.

Ganz großes Tennis ist der Multiplayermodus. Bis zu sechs Spieler können entweder online oder sogar… und jetzt aufgepasst: im “LAN-Netzwerk” zusammen auf Monsterjagd gehen. Gerade die LAN-Unterstützung ist heutzutage zu einer seltenen Angelegenheit geworden. Torchlight 2 bietet euch die Möglichkeit, beliebig mit euren Charakteren zwischen dem Single- und Multiplayermodus hin und her zu wechseln.

Zwei Dinge machen dann zuletzt Torchlight 2 zu einer völlig runden Sache. Die Unterstützung von Mods, was eigentlich nach Teil 1 klar war und der niedrige Verkaufspreis. Für gerade 19 Euro erhält man mindestens 20 Stunden Spielspaß je Charakter! Hinzu kommt stundenlanger Onlinespaß. Der Wiederspielwert ist gegeben. Das Spiel gibt es bisher nur als Download. Erhältlich direkt beim Entwickler Runic Games oder Steam. Die Downloadversion von Runic Games, muss nicht bei Steam aktiviert werden. Ende Oktober kommt dann noch zusätzlich eine Retail-Version in den deutschen Handel.