Egal ob Free to Play oder Pay to Play – MMORPGs haben oft eine Gemeinsamkeit: sie spielen in einer Fantasywelt mit Monstern wie Orks, Gnomen oder Drachen. Die Umgebungen sehen sich oft ähnlich und die Hintergrundstorys sind absurd und fantasiereich. Ja, mit der Zeit hat man als MMO-Spieler doch das Gefühl, alles auf dem Weg zum maximalen Level schonmal gesehen oder gespielt zu haben. Doch Funcom zeigt Mut mit dem neuesten MMO „The Secret World“ und bringt mal etwas ganz anderes!

Der Mythos ist wahr!

Welcher Mythos? Alle! In „The Secret World“ findet man sich als Spielern nämlich nicht in irgendeiner fiktiven Welt wieder, sondern startet je nachdem für welche Fraktion man sich entschieden hat in London (Templer), New York (Illuminaten) oder Seoul (Drachen). Und ein steht fest: Alles, was wir heutzutage als Mythos oder Legende ansehen, ist wahr. So ist Stonehenge zum Beispiel nicht irgendein legendenbehaftetes Steingebilde, sondern funktioniert tatsächlich! Auch ist Magie allgegenwärtig, allerdings nur bei speziellen Menschen. Der normale Bürger bezeichnet diese dann auch gerne mal als Superhelden.

Natürlich ist der Spieler selber auch mit solchen Kräften gesegnet, die sich eines Nachts sozusagen in seinen Körper geschlichen haben. Je nachdem, für welche Fraktion man sich entschieden hat, kommt dann auch sogleich einer dieser Personen bei uns zu Hause vorbei und gibt die Anweisung, sich im Hauptquartier einzufinden. Auf dem Weg dorthin schaut man sich aber natürlich die Stadt etwas genauer an und was stellt man fest? Hier ist alles normal, normale Menschen auf den Straßen, nichts außergewöhnliches. Aber kaum bei unserem Fraktionshauptquartier angekommen, geht nicht nur die Ausbildung sofort los, sondern man bekommt schonmal einen kleinen Einblick in das, was auf der Welt wirklich passiert. Auf dem Solomon Islands zum Beispiel ist eine wahre Zombieplage ausgebrochen und ratet mal, wessen Aufgabe es nun ist, dort mal nach dem Rechten zu schauen? Ganz genau! Und so geht es auch schon schnell los ins erste Gefecht.

Klassen und Level? Brauchen wir nicht!

Man ist es ja eigentlich gewohnt, dass man sich zu Beginn eines MMOs für eine bestimmte Klasse entscheidet. Dies fällt bei „The Secret World“ aber völlig weg. Es gibt allerdings neun verschiedene Waffen- bzw. Magiearten, die man nutzen kann, es steht dem Spieler aber frei, sich auf eine Waffe zu spezialisieren oder eine Mischskillung zu machen. Hierzu kann man nämlich die durch Quests und Kämpfe erfarmten Kampfpunkte in einem umfangreichen Kräfterad investieren. Zu Beginn scheint die große Auswahl etwas überfordernd zu sein, aber mit ein wenig Geduld liest man sich in die verschiedenen Skills hinein und findet sicherlich den richtigen Weg für sich selbst. Dabei sind dem Spieler aber auch keine Grenzen gesetzt: Farmt er massenhaft Punkt, so kann er natürlich auch mehr Punkte ins Skills investieren. Ob Heiler, Tank oder Damage-Dealer: Jeder kann machen, was er will!

Durch dieses Kräfterad und die Skills, die man hinzu bekommt, wird der Charakter natürlich auch stärker, was den Wegfall der einzelnen Level erklärt. Die Stärke des Charakters misst sich hier also nicht im größeren Level, sondern im Sammeln der Kampfpunkte.

Hirn einschalten, bitte!

Aber nicht nur das fehlende Klassen- und Levelsystem im klassischen Sinn sind eine Innovation von „The Secret World“. Auch die Quests sind mal ganz anders als man sie sonst kennt. Es gibt natürlich auch „töte 10 hiervon“ Quests, aber die Quests, bei denen man seine grauen Zellen benutzen muss, sind doch die interessantesten. Da gilt es zum Beispiel einen Illuminati-Code zu entziffern oder die Visionen einer Hellseherin zu deuten. Da hilft es dann auch nichts, sturr wie ein Zombie drauf los zu rennen, da muss manchmal schon ganz schön quer gedacht werden. Und manchmal muss sogar im Internet recherchiert werden. Nein, nicht die Lösung ergoogelt werden, sondern zum Beispiel Songlängen müssen heraus gefunden werden. Hierzu gibt es sogar im Spiel einen integrierten Browser, weshalb ein aus dem Spiel tabben nicht nötig ist. „The Secret World“ ist in dieser Hinsicht also nicht einfach nur ein MMO, sondern hat sogar richtig gute Adventure-Elemente! Was dieses Spiel aber auch zu keinem Kinderspiel macht. Denn manche Rätsel haben es ganz schön in sich! Aber das Spiel ist eh erst ab 16 Jahren frei gegeben, denn stellenweise geht es ganz schön erschreckend zu und Horrorelemente lassen auch nicht auf sich warten.

Tolle Details!

Nicht nur die wesentlichen Dinge wie Klassen oder Quests sind hierbei gut gelungen, auch die Atmosphäre hat etwas ganz eigenes. Das Thema Zombies und Co. hat natürlich sowieso schonmal etwas für sich! Aber dazu ist die ganze zombieinvasierte Gegend auch noch perfekt gestaltet. Man möchte meinen, dass man so eine Zombiestadt zum Beispiel gar nicht so abwechslungsreich gestalten kann – kann man aber doch! Vom Strand über den Friedhof, über den Rummelplatz bis zum düsteren Wald ist alles dabei. Und man sollte stets die Augen offen halten, denn am Wegesrand gibt es überall Nebenmissionen zu entdecken. Apropos Missionen: Die Story hinter all diesem Haupt- und Nebenmissionen sind einfach toll und bringen eine Menge Spaß! Dazu gibt es auch zu jeder Hauptmission eine vertonte Videosequenz.

An jeder Ecke sind übrigens auch interessante Andeutungen zu finden. So sieht man zum Beispiel ganz am Anfang des Spiels ein Poster zu dem Spiel „The longest Journey“. Oder aber auch der kleine Skaterjunge, der so gerne mitmischen würde, schließlich hat er ausgiebig „Left 4 Dead“ gespielt! Hier haben sich die Entwickler wirklich Mühe gegeben!

Minuspunkte gibt es ja immer…

„The Secret World“ hat Mut bewiesen und bringt mal ein ganz anderes MMORPG auf den Markt und wir würden sagen: Das ist auch unheimlich gut gelungen! Trotzdem gibt es aber auch bei einem so guten Spiel immer mal ein paar Dinge, die nicht ganz so gefallen. So ist es zum Beispiel schwer zu verstehen, warum in sämtlichen Videosequenzen der eigene Charakter stumm bleibt. Es hätte so viel mehr Atmosphäre gebracht, wenn der eigene Char auch mal die eine oder andere Antwort gibt.

Ebenfalls nicht ganz so schön ist die Charaktererstellung. Zwar hat man einiges an Möglichkeiten, doch wäre grafisch viel mehr herauszuholen gewesen! Vor allem die weiblichen Charaktere wirken unrund (oder besser gesagt: zu rund), so dass man mit einem weiblichen Helden auf keinen Fall einen Pullover anziehen mag. Man erwartet ja keine 90-60-90 Maße, aber mit unförmigen Miss Mollys möchte man sich doch auch nicht wirklich identifizieren.

Einen weiteren Minuspunkt gibt es für das Kampfsystem. Dieses ist aber nicht schlecht! Es ist nur einfach nicht innovativ genug dafür, dass sonst alles so neu und anders ist. Auch kann man sich nur sieben verschiedene Skills in die Leiste ziehen. Das mag für den einen okay sein, für Leute, die es normalerweise gewohnt sind über 20 Skills zur Verfügung zu haben, doch etwas langweilig.

All dies sind aber Minuspunkte, die man verkraften kann, wenn man sich das Gesamtbild anschaut. Denn im Gesamtbild ist „The Secret World“ unheimlich gut geworden! Das Zombie- und Horrorthema, das innovative Spielprinzip – all dies machen „The Secret World“ zu einem erfrischend neuen MMO, das man sich als MMO-Spieler auf jeden Fall mal angesehen haben sollte!

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