Man soll ja jedem Spiel für sich erstmal eine Chance geben. Und man soll möglichst unbefangen an die Sache heran gehen ohne es gleich mit einem Top-Titel zu vergleichen. Allerdings hat uns dies „Streets of Moscow“ echt schwer gemacht, denn schon beim Intro war der erste Gedanken „Oh, Need for Speed Underground in billig!“ Ob sich billig nun auf den Preis oder auf das Gesamtpaket des Spiels bezieht und ob es sich wirklich wie ein NFS Underground Abklatsch spielt, möchte wir euch natürlich verraten.

Das Intro wirkt zunächst einmal etwas verstörend. Eine Mischung aus Videosequenz und Comic erzählt uns, was passiert ist: Ein Mann sitzt am Steuer und wird von einer Frau mit einer Waffe bedroht. Peng! Cut. Kurze Zeit vorher. Max besucht seine Freundin in Moskau. Diese will nur kurz etwas erledigen. Er hört ihre Schreie von der Straße. Sie wird entführt! Max rennt hinunter, springt in den vor der Tür stehenden Sportwagen und folgt den Entführern. Doch er wird abgehängt! Was nun? Fahren wir doch erstmal ein Rennen…

Die Story wird natürlich im Laufe des Spiels weiter fortgeführt, dennoch fragt man sich ein wenig, warum man denn nun nicht durch die Straßen heizt, um die Entführer samt Opfer zu suchen, sondern eben erstmal die ansäßigen Rennfahrer-Gangs durch das eine oder andere Rennen kennenlernt. Egal. Jedenfalls uns das Intro doch schon ziemlich an das von „Need for Speed Underground 2“ erinnert, nur dass dann letztendlich die Story eine ganz andere ist. Aber man stellt schnell fest, dass es eben doch einige Parallelen gibt wie eben die illegalen Straßenrennen oder die Veränderung der Styles der Autos. Nun wollen wir aber einen günstigen Indie-Titel an dieser Stelle wirklich nicht weiter mit einem AAA-Titel aus vergangenen Jahren vergleichen, der Unterschied ist letztendlich einfach doch zu groß!

Was genau erwartet uns nun bei „Streets of Moscow“?

In erster Linie natürlich Rennen. Oder um es mit den Worten auf dem Cover zu sagen: „“Streets of Moscow entführt dich in die Welt der illegalen Straßenrennszene Moskaus. Jage in leistungsstarken, getunten Sportwagen in waghalsigen und rücksichtslosen Hochgeschwindigkeitsrennen durch den dichten Rush-Hour-Verkehr, fahre stuntreife Manöver und liefere dir nächtliche Drag-Wettkämpfe. Rase durch das realitätsnah nachempfundene Straßenbild und vermeide auf den stark befahrenen Straßen in Unfälle verwickelt zu werden oder der Polizei in die Finger zu fallen, während du dich an die Spitze kämpfst.“

„Rush-Hour-Verkehr“ ist übrigens ein gutes Stichwort. Natürlich sind in der Realität die Straßen Moskaus gut gefüllt und dies wurde auch im Spiel umgesetzt. Allerdings fühlt es sich hier doch ziemlich übertrieben an. Da wird mit unheimlich hoher Geschwindigkeit durch Staus gerast, was ohne Crashs kaum machbar ist. Aber kein Problem, schieben wir die anderen Autos halt weg, lassen sie auch gerne mal einfach explodieren. Hauptsache, wir fahren weiter! Während man aber so ein anderes Auto locker wegschiebt, kann einen ein Laternenmast dagegen fast völlig ausbremsen. Nehmen wir einfach mal so hin… Jedenfalls hätte ein bisschen weniger Verkehr schon einiges gebracht, zumindest zu Beginn des Spiels, um sich zurecht zu finden.

Auch Beginn ist wieder ein gutes Stichwort: Die ersten paar Runden möchte man das Spiel schon fast wieder aufgeben. Die Steuerung ist unheimlich gewöhnungsbedürftig, der Wagen übersteuert total. Eh man da raus hat, wie so ein Flitzer am besten zu handhaben ist, vergehen schon ein paar Runden. Allerdings kann man sich letztendlich doch daran gewöhnen, so dass man ein Rennen nach dem anderen bestreiten kann.

Bisher klingt das alles etwas durchwachsen. Nicht toll, nicht richtig schlecht. Halten wir an dieser Stelle doch mal die positiven Aspekte fest: „Streets of Moscow“ überzeugt durch Rollenspielelemente. Während den Rennen sammelt der Fahrer Erfahrungspunkte, mit denen man seine Fähigkeiten weiter ausbauen kann. Die Grafik ist zwar bei diesem Spiel nicht absolut überzeugen, dennoch wurde Moskau hier mit viel Liebe zum Detail nachempfunden, was wir den Machern hoch anrechnen möchten!

Auch überzeugt das Spiel durch seiner verhältnismäßig großen Vielfalt. Hier erwartet den Spieler nicht einfach ein Rundkurs nach dem anderen, vielmehr werden verschiedene Arten von Rennmodi wie zum Beispiel dem Drag-Race oder dem Checkpoint-Rennen geboten. Auch stehen 25 verschiedene Rennwagen zu Auswahl, die man nach belieben tunen und verschönern kann.

Der Soundtrack dagegen kann keinesfalls mit dem anderer Rennspiele mithalten. Da ist man besser beraten, sich seine eigene Musik auf die Ohren zu legen. Auch ist es schade, dass Dialoge nicht vertont sind.

Im Großen und Ganzen ist „Street of Moscows“ kein schlechtes Rennspiel. Wer die AAA-Titel durch hat und gerne mal wieder etwas neues erleben möchte, kann ruhig einen Blick riskieren. Wenn man erstmal die Steuerung im Griff hat, kommt auch tatsächlich Spielspaß auf. Vorteilhaft und von günstigeren Rennspielen eher weniger gewohnt ist auch die Story. Zwar steht das Fahren von Rennen natürlich im Vordergrund, dabei von einer Geschichte begleitet zu werden ist aber ein schönes Feature.