Wenn Rollenspieler gefragt werden, welches ihr Lieblings-Rollenspiel ist, werden sicherlich viele mit „Gothic“ antworten und damit den ersten oder eventuell auch den zweiten Teil meinen. Der dritte hat dann die Fangemeinschaft ziemlich enttäuscht, vom vierten mal ganz zu schweigen. Der vierte nämlich, der war eigentlich gar kein Gothic-Teil mehr, werden viele sagen. Was natürlich auch daran liegen mag, dass Piranha Bytes und JoWood sich getrennt haben und nun nur noch JoWood an diesem vierten Teil gearbeitet hat. Und irgendwie hatte man dann doch beim Spielen dieses Teils das Gefühl, dass Piranha Bytes dem Spiel Gothic das richtige Leben eingehaucht haben. Allerdings hatte nun JoWood die rechte an Gothic. Was macht Piranha Bytes also? Bringt ein neues Rollenspiel auf den Markt, das zwar nicht mehr Gothic heißen darf und bei dem auch die Charaktere anders sein müssen, aber eigentlich ist doch eben dieses „Risen“ gerade das richtige Gothic! Warum? Das erfahrt ihn nun in unserem Test.

Die Geschichte beginnt…

Ein namenloser Held erleidet Schiffbruch und wird auf einer ihm unbekannten Insel angeschwemmt. Mit vorsichtigen Schritte erkunden er und seine weibliche Begleitung die Umgebung der Stelle, an der sie als scheinbar einzige Überlebende angekommen sind. Allerdings fühlt sie sich doch recht schwach und beschließt in einer Hütte zu bleiben und auf Hilfe zu warten, so dass unser Held schnell wieder auf sich allein gestellt ist. Schon bald stellt sich heraus, dass auf dieser Insel verschiedene Fraktionen leben, die sich gegenseitig nicht sonderlich gut riechen können. Da wird der Held bald vor die Entscheidung gestellt, wem er sich denn besser anschließen sollte. Aber egal, für welche Fraktion man sich entscheidet, die Geschichte läuft darauf hinaus, dass beide Seiten Hilfe in derselben Sache nötig haben und unser Held eine tragende Rolle dabei spielen soll.

Story?

Ja, zugegeben: Wirkliche Einblicke in die Story von „Risen“ geben wir euch hiermit nicht. Aber das wollen wir auch gar nicht, denn bei diesem Rollenspiel ist es wirklich besser, wenn man die Geschichte selber erlebt. Ihr wollt doch sicher nicht gespoilert werden!

Verblüffende Ähnlichkeiten?

Ja, es gibt extreme Ähnlichkeiten zu „Gothic“, aber verblüffend sind diese höchstens im positiven Sinne. Denn alles kommt einem irgendwie bekannt vor, das beginnt schonmal beim namenlosen Helden, geht weiter über die verschiedenen Fraktionen, denen man sich anschließen darf und endet bei Kleinigkeiten wie zum Beispiel die Ähnlichkeit des Inquisitors zu Xhardas aus den Gothicteilen. Oder ist die Hafenstadt nicht irgendwie auch ein anderes Khorinis? Man fühlt sich jedenfalls von Beginn des Spiels an ein bisschen wie zu Hause. Man hat keine Einstiegsschwierigkeiten, denn irgendwie kennt man das doch alles schon. Ein Wiedererkennen der absolut positiven Art und Weise.

Endlich ein richtiges Rollenspiel!

Gehört ihr auch zu den Rollenspielern, die so ein Spiel möglichst „echt“ haben wollen? Die sich wünschen, dass man auch mal schlafen muss? Die Wert auf gute KI legen? Dann ist „Risen“ für euch endlich mal wieder ein Spiel, dass das bietet. Hier darf nicht einfach so (wie bei „Gothic 4) in die Häuser gestampft werden und in Anwesenheit der Bewohner können dann in aller Ruhe die Truhen ausgeräumt werden. Nein, hier muss wieder Schleichen perfektioniert werden, hier muss man ein Talent zum Schlösser knacken haben und hier haben auch Entscheidungen wieder eine richtige Bedeutung!

Aber auch die Umgebung und die Spielwelt sind einzigartig geraten. Piranha Bytes hat aus dem Fehler bei „Gothic 3“ gelernt, bei dem die Karte einfach viel zu groß war und setzt nun wieder auf eine kleinere (aber nicht zu kleine) Welt, in der sich aber alle Naturschauplätze wiederfinden. Auf dieser Insel, auf der das Geschehen spielt, findet man Sumpflandschaften, Wälder, Gebirge, Strände und eine große Stadt. Das klingt jetzt vielleicht überladen, ist es aber nicht. Denn diese Landschaften gehen so schön ineinander über, mit so vielen tollen Details, dass man einfach hier und da mal stehen bleiben muss und diese unheimlich gut gelungene Welt bewundern muss.

Es gibt so viel zu entdecken! Zum einen natürlich die bereits beschriebene Landschaft, in der sich so viele schöne Details befinden, wie zum Beispiel die große Hängebrücke oder die Türme am Horizont, aber auch an Schätze und geheime Höhlen wurde gedacht. Dabei ist die Welt von Anfang an frei zugänglich, lediglich gefährliche Bestien versperren dem Helden das eine oder andere Mal den Weg zu einem wertvollen Schatz.

Was will ich werden?

Wie man es aus den alten Gothic-Teilen schon kennt, so kann man sich auch diesmal wieder verschiedenen Fraktionen anschließen. Und auch verschiedene Klassen können gespielt werden. Allerdings sind diese Klassen dann auch fraktionsabhängig, so riesig ist die Auswahl dann eben doch nicht. Wer zum Beispiel ein richtiger Magier werden will, der hat bei den Banditen nichts zu suchen. Das Kampfsystem richtet sich dementsprechend ein wenig danach, für welche Klasse man sich entschieden hat. Im Großen und Ganzen ist das Kampfsystem aber ebenfalls „Gothic“ sehr ähnlich, fühlt sich aber doch irgendwie besser an. Im Laufe des Spiels verbessert man natürlich seine Kampftechniken und hat so auch ein wenig mehr mit der Maus zu tun.

Makel?

Gibt es denn überhaupt Makel bei Risen? Klingt eigentlich nicht so, oder? Und eigentlich findet man auch nur etwas zum Meckern, wenn man unbedingt möchte. Zum Beispiel könnte man sagen, dass die Grafik nicht auf dem neuesten Stand ist. Natürlich zu dem Zeitpunkt, als das Spiel erschienen ist. Gut, das stimmt wohl. Aber trotzdem ist die Grafik schön anzusehen, die Umgebung ist unheimlich liebevoll und detailreich gestaltet, so macht es überhaupt nichts aus, dass die Figuren stellenweise etwas kantig sind. Da kommt irgendwie sogar noch ein bisschen mehr Gothic-Flair bei auf.

Ein anderes Makel, dass einige Spieler sicherlich stören wird, ist aber, dass die Quests doch recht einfallslos sind. Ein typisches „Töte 5 hiervon, danach tötest du 6 davon“ eben. Allerdings werden diese kaum langweilig, dank der kleinen Geschichten, die um diese Quests aufgebaut sind. Die Hauptstoryline von „Risen“ ist zwar nicht ganz so interessant, dafür aber die Nebenstorys umso mehr.

„Risen“ ist also letztendlich eine Art neues „Gothic“, was natürlich das Herz vieler Rollenspieler höher schlagen lässt. Man vermisst sicherlich Figuren wie Diego oder Milten, aber das ging eben leider nicht. Dafür lernt man aber andere interessante Zeitgenossen kennen wie zum Beispiel Patty. Wer die ersten „Gothic“ Teile geliebt hat, der wird „Risen“ zumindest sehr gerne mögen!

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