Piraten führen oftmals ein Dasein zwischen Licht und Schatten. Erfolg und Misserfolg liegen da dicht beieinander – Da muss man als guter Gentleman-Pirat ganz schön aufpassen, dass man nicht als alter, humpelnder Haudegen endet und dem Erfolg nur noch hinterher hinkt und sein Schicksal in Rum ertränkt. Dass jede Menge Rum gepaart mit dreckigen Tricks und einer schnellen Zunge nicht immer reichen, um eine erfolgreiche Piratenkarriere zu starten, mussten nun auch die Macher von Piranha und und der Publisher Deep Silver bei der vorliegenden PS3 Version der Fortsetzung des Rollenspiel-Hits Risen erfahren.

Das Spiel

Inhaltlich kann der Spieler schnell ins Geschehen eingreifen auch ohne den Vorgänger je gespielt zu haben. Die Geschehnisse hieraus beeinflussen den aktuellen Teil nur bedingt und können so getrost ignoriert werden. Ja klar – da war dieser namenlose Held, der eine uralte Insel von seiner Geißel – dem Titanenlord – erlöst. Nur eines hat unser Held hierbei nicht bedacht – mit seiner Säuberung hat er außerdem den Weg für die niederträchtigen Schergen des Titanenlord geebnet. Im aktuellen Teil muss nun unser Protagonist zusammen mit der verruchten Piratenbraut Patty die Weltmeere besegeln, um einen weiteren Titanenlord Mara das Handwerk zu legen. Ganz im Stile der alten Piraten bereist der Spieler mit heruntergekommen Hochseeseglern diverse Inseln und erkundet die Wildnis dieser nach Abenteuern, schürft nach Gold und Edelsteinen und gräbt den einen oder anderen Schatz aus dem uralten Boden. Natürlich muss der Spieler jederzeit wachsam bleiben, um sich vor Monstern und eingeborenen in Acht zu nehmen. Kommt es zum Kampf, nutz der gewiefte Pirat natürlich nicht nur seine scharfe Klinge, sondern auch zahlreiche schmutzige Tricks im Kampf ums Überleben. Zum Repertoire der bekannten Block- und Konterfertigkeiten gesellen sich daher diverse sowohl niederträchtige, als auch spektakuläre Fähigkeiten. Wer hat nicht schon immer davon geträumt, sich mit Hilfe einer halbvollen Flasche Brandöl als menschlicher Flammenwerfer zu betätigen? Wem das zu exotisch sein sollte, dem bleibt natürlich noch eine Handvoll Dreck in die Augen des Gegners zu werfen – Herrlich und einfach unverzichtbar in jedem Piratenkampf! Das umfangreiche Skillsystem bietet dem Spieler viele Möglichkeiten der Charakterentwicklung. Unterstützt wird das Ganze von diversen Lehrmeistern, die dem Hauptdarsteller während seiner Reise begegnen und ihr Wissen gegen schillerndes Entgelt preisgeben. Während des Spieles muss der Spieler sich zwischen zwei grundlegenden Pfaden entscheiden: Schließt man sich der Inquisition an, so wird man zukünftig seine Probleme eher mit der Muskete lösen wollen. Entscheidet man sich mit den Eingeborenen zu sympathisieren, so offenbart sich einem der Weg der dunklen und mächtigen Voodoomagie. Sehr schön ist hierbei, dass sich dem Spieler der andere Weg nicht komplett verschließt, sofern man sich entscheiden hat – Auch die Vorzüge der jeweiligen anderen Fraktion lassen sich weiter in abgeschwächter Form nutzen.

Grafik und Atmosphäre

Die Entwickler habe sich redlich bemüht, eine weitläufige, epische Inselwelt zu erschaffen. Die Landschaften sind mit einiger Liebe zum Detail gestaltet und so gesehen alles andere als eintönig. Die vielen verwinkelten Ecken der Dschungelwelt wirken gleichermaßen abschreckend düster, wie auch faszinierend. Atmosphärisch wirkt das Spiel auf den ersten Blick überzeugend – die Inselbewohner artikulieren sich im typischen Piratenslang und gehen ihrer gewöhnlichen Arbeit nach: Sie schmieden, jagen oder beaufsichtigen die gefangenen Eingeborenen. Man merkt also, dass die Entwickler sich so einige Gedanken gemacht haben. Was dem Spiel jedoch bei all dem guten Willen fehlt, ist die technische Umsetzung. Die Liste der Grafikfehler ist so lang, dass eine komplette Aufzählung den Rahmen unserer Revision sprengen würde. Beispielsweise bauen sich im Gebäude befindliche Gegenstände vor dem Gebäude an sich auf, um neben den diversen Clippingfehlern nur ein Highlight zu nennen. Habt ihr schon einmal einen schwebenden Teppich, oder einen in der Luft hängenden Stuhl gesehen? Weiterhin auffällig sind die gähnend langen Ladezeiten, die den Spielspaß enorm trüben, was schon erstaunlich ist, wenn man einmal bedenkt, dass die Grafik alles andere als eine Augenweide ist. Denn hier ist das Spiel einfach veraltet und technisch vollkommen überholt. Detailarme Bäume und Bodentexturen lassen stellenweise an finsterste PS2 Zeiten erinnern. Abgerundet wird die miserable Adaption einer guten PC-Version von der mangelhaften, emotionslosen Sprachausgabe und den oft hölzernen Animationen der Figuren. All das wirkt sich natürlich auch atmosphärisch aus, so dass Risen 2 auch hier seine vermeintliche Stärke nicht ausspielen kann.

Steuerung und Gameplay

An der Steuerung ist prinzipiell nichts auszusetzen. Sie ist generell intuitiv gestalten, mangelt jedoch auch in puncto Performance und reagiert stellenweise unzureichend. Vom Gameplay her bieten sich dem Spieler ja scheinbar viele, ja sehr viele Möglichkeiten. Letztendlich läuft es beispielsweise in den meisten Kämpfen jedoch aufgrund mangelhafter Umsetzung auf ein relativ stupides Tastengehacke heraus. Besonders frustrierend: Selbst die gewöhnlichsten Block- und Paradebewegungen lassen sich nur gegen menschliche Gegner anwenden – gegen Monster und wilde Tiere sind diese komplett nutzlos. Frei nach dem Motto: Noch schneller schlagen, um die Angriffsanimation des Widersachers so zu unterbrechen. Auch der Story fehlt letztendlich der Tiefgang und das Spiel flacht nach einem verheißungsvollen Auftakt immer mehr ab.

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