Ist es nicht oft so, dass ein neues MMO gerne mal als WoW-Killer bezeichnet wird? Und lag man damit bisher nicht immer falsch? Keine Sorge, wir springen nicht auf diesen Zug auf und behaupten, dass „Guild Wars 2“ es diesmal schaffen wird. Dazu sind diese Spiele auch viel zu unterschiedlich. Und um ehrlich zu sein: „Guild Wars 2“ ist zu gut um mit WoW verglichen zu werden! Man sollte auch bedenken, dass sich „Guild Wars“ jahrelang halten konnte und die Zocker an den Bildschirm gebannt hat. Das setzt natürlich aber auch hohe Erwartungen in den Nachfolger. Wir haben dementsprechend „Guild Wars 2“ mal ganz genau unter die Lupe genommen!

Lass Deine persönliche Geschichte beginnen

„Guild Wars 2“ spielt etliche Jahre nach dem Vorgängertitel, trotzdem gibt es immer noch zahlreiche Gefahren, die in Tyria auf die Helden warten. Und einer dieser Helden wirst Du sein. Beginnen wir doch am Besten ganz von vorne: Die Charaktererstellung. Und hier darf man sich gleich schon mal eine ganze Weile dran aufhalten, wenn man den für sich selbst perfekten Charakter erschaffen möchte. Zunächst steht man vor der Rassenwahl:

  • Menschen (in Guild Wars war dies die einzige wählbare Rasse, wer es also klassisch mag, wird hier den richtigen Charakter für sich finden)
  • Asura (ein Volk aus kleinen, hochnäsigen und mechanikbegeisterten Wesen)
  • Sylvari (ein intelligentes Baumvolk, dass nicht nur in einem riesigen Baum lebt, sondern selbst von einem abstammt)
  • Charr (hat man im ersten Teil noch gegen diese katzenartigen Wesen gekämpft, stellt man nun fest, dass sie doch ganz sympathisch sind)
  • Norn (ein großes Volk aus dem kalten Norden, das zwar sehr menschlich aussieht, aber viel größer ist als der normale Mensch)

Hat man diesen ersten Schirtt schonmal bewältigt, steht man vor der Qual der Wahl einer Klasse. Ganze acht verschiedene stehen hier zur Auswahl:

  • Elementarmagier
  • Krieger
  • Wächter
  • Ingenieur
  • Waldläufer
  • Nekromant
  • Dieb
  • Mesmer

Dann geht es an den Feinschliff: Geschichtszüge, Haut- und Haarfarbe, Augengröße, Nasenoperation… Alles, was man halt so macht, eh man in das normale MMO-Leben einsteigt.Wie gesagt kann man hier eine ganze Weile Zeit verbringen, um einen schicken Charakter zu erschaffen. Hat man dies erledigt, ist das normalerweise dann auch gleich der Start in ein Spiel. Nicht aber bei „Guild Wars 2“. Hier bekommt jetzt nämlich jeder eine individuelle Geschichte, die stark auf das Spielgeschehen einwirkt. Anhand verschiedener Multiple Choice Fragen wie zum Beispiel der Frage nach der Herkunft oder der Angehörigkeit einer Gottheit (diese Fragen unterscheiden sich allerdings von Rasse zu Rasse), bekommt der Spieler hier seine eigene Geschichte gebastelt.

Nun geht’s aber los!

Und zwar wirklich! Bei „Guild Wars 2“ wird man nicht einfach erstmal mit Samthandschuhen angefasst, hier geht es gleich richtig los. Natürlich darf man sich erstmal mit seinem eigenen Charakter und der Klasse beschäftigen, aber auf „hol mit 10 davon“ Einstiegsquests wurde komplett verzichtet. Apropos verzichtet: Allgemein gibt es in „Guild Wars 2“ keine klassischen Quests. Lediglich die persönliche Geschichte könnte man als Mainquest bezeichnen, nervige nebenquests, um im Level voran zu kommen, gibt es aber nicht. Wie levelt man dann aber, könnte man sich nun fragen. Indem man Gebiete erkundet! Denn in der ganzen Welt findet man Herzen auf der Karte. An diesen Punkten wird die Hilfe eines Helden dringend benötigt! Zur Belohnung darf man dann hier auch besondere Gegenstände kaufen, wenn man die nötigen Karma besitzt. Karma ist nicht etwa das Geld in diesem Spiel. Karma ist nochmal eine andere Währung, die man sich durch das abschließen von Events verdienen kann. „Guild Wars 2“ hat nämlich nicht nur Herzen als Auftragsmöglichkeiten zu bieten, sondern bietet immer wieder neue Events.

Diese dynamischen Events passieren immer und überall. MMO-Freunde werden sich zunächst vielleicht etwas an das Spiel „Rift“ erinnert fühlen, bei dem es auch darum ging, verschiedene Risse zu schließen. Dies wurde mit der Zeit aber doch recht eintönig. Bei „Guild Wars 2“ hingegen hat man eine Menge Abwechslung in die Events gebracht. Mal muss etwas oder jemand verteidigt werden, dann müssen Wellen von Feinden besiegt werden oder ein größer böser Boss soll das Zeitliche segnen. Manchmal muss man aber auch nur etwas sammeln. Man muss aber natürlich nicht an diesen Events teilnehmen, Folgen haben diese trotzdem. Schlägt eine Verteidigung zum Beispiel fehl, kann es gut sein, dass Zentauren nun Besitz ergriffen haben über ein Gebiet, in dem eben noch das freundliche Leben geherrscht hat. Somit gibt es nicht nur immer etwas zu tun, sondern die Welt ändert sich auch immer wieder.

PvPler werden ihren Spaß haben!

MMO spielen heißt für viele zugleich auch PvP betreiben. Doch nicht in jedem MMO ist das PvP gut, was auch gerne mal der Untergang eines Spiels sein kann. Oft hat man nur die Möglichkeit, in ein sogenanntes Battle Ground zu gehen und da mit 8 vs 8 oder auch 16 vs 16 sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Nachdem die Zeit abgelaufen ist, ist es dann auch wieder vorbei und man hat irgendwelche PvP Punkte gesammelt. Mag Spaß machen, kann auf Dauer aber auch recht langweilig sein. Wie oft wurde da in anderen Spielen nach einem Open PvP Gebiet geschrien? „Guild Wars 2“ bietet zwar auch ein bisschen Battle Ground der anderen Art (Um Bierfässer prügeln!“, punktet aber vor allem mit seinem WvWvW System! Drei verschiedene Server (wobei nicht nur die deutschen Server gegeneinander spielen, sondern man auch gerne mal Franzosen oder Spanier als Gegner haben kann) liefern sich auf einer großen Open World Map einen beharrlichen Kampf um Burgen und Türme. Hierzu werden alle Teilnehmer auf Stufe 80 angehoben, so dass nicht das Level, sondern wirklich der Skill zählt. Nebenbei dürfen auch hier Events bestritten und Gegenden erkundet werden. Auch im PvP gibt es somit eine Menge zu tun! Besonders schön: Der ganze Server profitiert von erfolgreichen Kämpfen, denn umso besser der Server ist, desto mehr Boni gibt es für alle!

Dungeons

In MMOs ist natürlich auch gerade das Gruppenspiel wichtig. Und wo kann man das besser zeigen als in Dungeons? Hier gibt es aber auch wieder eine besondere Neuerung gegenüber anderen Spielen dieser Art: Normalerweise besteht eine Gruppe immer aus einem Tank, der sich vorne hinstellt, wenig Schaden macht, dafür aber eine Menge Schaden einsteckt, einen Heiler, der sich um das Wohl der Gruppe kümmert und 3-4 Schadensausteiler. Dieses klassische System gibt es bei „Guild Wars 2“ aber nicht. Es gibt keinen Tank, keinen Heiler. Jeder kann sich selbst heilen oder aber auch auf Gruppenheilung skillen und so die Gruppe unterstützen. Mit Level 30 darf es dann auch in das erste Dungeon gehen, bei dem man dann auch schnell sieht, worauf „Guild Wars 2“ Wert legt: Movement. Wer einfach sturr auf einem Platz stehen bleiben möchte, hat eventuell im ersten Dungeon im Storymodus noch Chancen, doch spätestens wenn es in den Explorer Modus geht stellt man fest, dass „Guild Wars 2“ vielleicht leicht zu spielen ist, keinesfalls aber leicht zu meistern.

Auch in den Dungeons gibt es übrigens keine Ungerechtigkeiten bezüglich des Levels: Alle Gruppenmitglieder werden auf das Level gesetzt, das für dieses Dungeon notwendig ist. So ist es imÜbrigen auch mit den Gebieten, so dass man auch mit Level 50 im Low Level Gebiet Spaß haben kann, denn plötzlich ist man selber „low“ (abgesehen natürlich davon, dass Waffen und Rüstung einen enormen Bonus liefern).

Dieses Spiel hat’s in sich!

Man sieht also, ArenaNet hat sich Mühe gegeben, kein 0815-Spiel auf den Markt zu werfen. Man hat sich eine Menge einfallen lassen, viele große und kleine Neuerungen gebracht und begeistert somit nicht nur „alte“ Guild Wars Fans, sondern auch Neueinsteiger. All diese interessanten Features könnten im Normalfall aber wohl kaum über schlechte Grafik hinweg täuschen. Könnten. Würden. Völlig egal, denn bei „Guild Wars 2“ muss man sich darüber gar keine Gedanken machen! Trotz gar nicht mal hohen Anforderungen bietet dieses Spiel eine tolle Grafik und eine wunderschön gestaltete Welt. An jeder Ecke findet man interessante Details, die Aussicht aus den Bergen ist einzigartig – ein Augenschmaus für Genießer. Es gibt unheimlich viel zu entdecken, da darf man etliche Stunden einplanen!

Da ist es sicherlich auch keine Überraschung, dass auch der Sound überzeugt. Die vertonten Sequenzen in der persönlichen Geschichte sind gut gemacht und auch der Soundtrack klingt keinesfalls nervig, im Gegenteil.

Irgendwas ist ja immer…

Bei all dem Lob muss man sich doch denken, dass es garantiert auch einen Haken gibt. So gern wir nun sagen würden „nein, nein, dem ist aber nicht so!“ können wir das momentan nicht. Denn um ehrlich zu sein ist der Headstart schon ein wenig in die Hose gegangen. Gut, klappt es den ersten oder zweiten Tag mal nicht so, wie man es sich erhofft hat, dann kann man darüber natürlich noch hinweg schauen. Aber leider gibt es immer noch einige Dinge, die nicht so laufen wie sie sollten, was den Spielspaß dann doch ein wenig trübt.

So ist es stellenweise zum Beispiel nicht möglich, einen neuen Charakter zu erstellen. Oder überhaupt das Einloggen! Viel zu oft bekommt man hier noch eine Fehlermeldung und muss sich in Geduld üben. Geduld ist da übrigens auch so ein Stichwort… Das mit dem gemeinsam in ein Dungeon gelangen klappt auch noch nicht ganz. Da springt man zusammen rein, aber einer landet dann plötzlich doch in einer anderen Instanz. Da hilft nur immer wieder versuchen oder aufgeben.

Auch das Handeln funktioniert nicht immer so wie es sollte. Schade ist dabei sowieso, dass es keine richtige Handelsfunktion gibt, man seinem Nachbarn somit nicht mal etwas kurz rüberhandeln kann, sondern den Weg über das Postsystem gehen muss. Handeln bedeutet ja aber auch kaufen und verkaufen. Dazu gibt es normalerweise immer eine Art Auktionshaus oder Handelsposten. Dieser ist aber nach wie vor immer mal wieder „Down for Maintanance“, also offline. Nervig, wenn man zu viel Zeug, das man schön verkaufen könnte, mit sich herum schleppt.

Dies sind aber alles Punkte, die hoffentlich bald gefixed werden und MMO-Spieler wissen sowieso sicherlich: Perfekt und ohne Probleme gibt es eben einfach nicht.

Sollten aber diese Dinge bald in Ordnung gebracht werden, darf man sich gerne noch 3 Punkte auf die Gesamtwertung hinzu rechnen.

Nachtrag vom 13.09.12:

Auch wenn der Start holprig lief, die erste Zeit stellenweise etwas an den Nerven gezerrt hat, so sind mittlweile doch einige Patches gelaufen und viele Verbesserungen eingetreten. Unsere Items können wir zum Beispiel nun endlich verkaufen und auch der erste Twink hat seinen Weg in die Welt gefunden. Wir sehen also: Die Entwickler schlafen nicht und geben sich alle Mühe, kleine und große Fehler schnellstmöglich zu beseitigen und bieten damit ihren Kunden ein großes Spielvergnügen. Wie versprochen geht unsere Gesamtwertung und die Wertung des Gameplays damit auch noch ein paar Punkte höher!