Mit „Call of Juarez“ wurde dem Shooter-Freund ein optisch zwar nicht ganz so guter, trotzdem aber überzeugender Western-Shooter vorgelegt. Mit „Call of Juarez – Blood in Blood“ haben die Entwickler die frisch gewonnenen Fans nochmal mehr begeistert und das Spiel optisch schöner gestaltet. Dann wurde „Call of Juarez – The Cartel“ nachgelegt und plötzlich befinden wir uns in der Jetztzeit. Ein guter oder ein schlechter Schritt?

Western in der Gegenwart

Glücklicherweise haben sich die Entwickler von Techland nicht dazu entschieden, das Spielkonzept komplett zu überarbeiten. Ein gewisser Western-Flair bleibt nämlich bestehen, indem „The Cartel“ in dem Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA spielt, einem Gebiet, in dem es auch ruhig mal etwas wilder zu gehen kann. Obwohl es doch bei den Hauptprotagonisten eigentlich nicht wild zugehen dürfte, denn immerhin gehören sie zu den Gesetzeshütern! Egal, so genau nehmen es die drei dabei eh nicht. Die drei, das sind Ben McCall, ein LAPD-Mitarbeiter, der auch äußerlich schon nach Wesrtern aussieht. Sein Cowboy-Hut darf nie fehlen und seine Narbe im Gesicht vermittelt seinen Gegnern, dass er keine Angst vor schmerzhaften Erfahrungen hat. Die zweite im Bunde ist Kim Evans, FBI-Agentin. Zwei ihrer Brüder hat sie bereits in einem Ghettobandenkrieg verloren, ein anderer steckt mittendrin, nur sie selber hat es geschafft, dem Ghetto zu entfliehen. Restspüren dieser Zeit sind aber natürlich geblieben. Last but not least macht Eddie Guerra vom DEA die Dreierrunde komplett. Guerra flucht gerne auf spanisch herum, hat „leichte“ Drogenprobleme und macht auch sonst eher den Eindruck, als würde er auf der Seite der Bösen und nicht auf der der Gesetzeshüter stehen. In eine dieser drei Rollen darf also der Spieler hineinschlüpfen, die Wahl liegt bei Dir!

Story?

Ja, natürlich gibt es eine Story! Diese ist aber ehrlich gesagt recht wirr. Den Beginn macht eine geheime Konferenz, in der die drei Protagonisten in einen fiesen Bandenkrieg an der mexikanischen Grenze eingeweiht werden, bei dem schon viele Menschen, darunter auch Agenten, ihr Leben lassen mussten. Dieser Bandenkrieg entpuppt sich aber im Laufe der Zeit zu einem wirklich gefährlichen Waffendeal, der dringend unterbunden werden muss. Zudem bekommt jeder der drei Protagonisten auch noch einen eigenen Auftrag und somit weiß niemand, was die anderen beiden denn nun wissen oder ob nicht sogar der eine oder andere ein falsches Spiel treibt. Klingt interessant, wird aber im Laufe der Geschichte immer verworrener und undurchsichtiger, so dass man streckenweise der Story gar nicht mehr richtig folgen mag. Guerra’s Drogensucht und Ben’s Vorliebe für Prostituierte tragen da dann auch ihren Beitrag hinzu: gegenseitiges Beklauen gehört da zur Tagesordnung. Allerdings kommt man in diesen Genuss nur, wenn man die Koop-Kampagne spielt.

Im Großen und Ganzen ist die Story aber recht mau und zusammenhangslos. Gespielt wird nämlich nicht im einem Stück, sondern in unterschiedlichen Missionen, die selten miteinander zusammenhängen. Hier ist es auch relativ egal, für welchen Charakter man sich zu Beginn des Spiels entscheidet, denn die 15 Missionen bleiben immer die gleichen, nur zum Beispiel die Handygespräche unterscheiden sich. Ein erneutes Durchspielen des Spiels bringt also keine sonderlich tollen, interessanten Erkenntnisse. Allerdings hat man das Spiel auch recht schnell in 6-7 Stunden durchgespielt, weshalb man ruhig nocheinmal starten kann, vorausgesetzt, man steht darauf, in jeder Mission unheimlich viele Gegner zu töten ohne ersichtlichen Sinn dahinter.

Technische Katastrophe

Technische Katastrophe mag hart klingen, ist aber teilweise leider sehr berechtigt. Das fängt bei der schwammigen Grafik schon an. Schön anzusehend ist die Umgebung leider nicht und auch die Charaktere bewegen sich alles andere als flüssig. Man hat stellenweise wirklich das Gefühl, einen Old School Shooter zu spielen, der schon etliche Jahre auf dem Buckel hat. Besonders gut hat man es dann wohl mit dem Blur-Effekt gemeint, allerdings ist dies gewaltig nach hinten los gegangen! Alles reflektiert und wird extrem schwammig. Da ist es kaum möglich, einen Gegner ordentlich zu erkennen. Dazu kommt noch die starke Unschärfe und schon tun dem Spieler bereits nach kurzer Zeit die Augen weh. Da bleibt der Spielspaß völlig auf der Strecke! Schrecklicherweise ist dann auch noch die Synchronisation ein totales Desaster. Lippensynchronisation scheint hier wirklich ein Fremdwort zu sein und auch die Wahl der Synchronsprecher war keine Glanzleistung. Und wenn man dann von seinem Charakter zum gefühlten hundertsten Mal denselben Satz gehört hat, befürchtet man, diese Stimme auch im Schlaf immer und immer wieder zu hören.

Schade, was aus dieser gar nicht mal schlechten Spielreihe geworden ist. Spielspaß ist jedenfalls die ganze Zeit über nicht aufgekommen, lediglich die Koop-Kampange kann für ein bisschen Spaß sorgen. Leider kommt „Call of Juarez – The Cartel“ gefühlt recht unfertig daher und überzeugt bei weitem nicht so, wie die Vorgängertitel.