Daedalic Entertainment, der Name, der Abenteurerherzen höher schlagen lässt. Nach den preisgekrönten und in der Fachpresse hochgelobten Titeln „Edna bricht aus“, „Harveys neue Augen“ und „The Whispered World“ steht nun das neue Epos um den Antihelden Rufus in den Startlöchern. Deponia ist laut Aussage von Daedalic ein „all in“ Projekt, ob sich das Risiko gelohnt hat, wird ab dem 27. Januar entschieden. Jetzt schon hat Deponia Goldstatus in der Vorbestellung.

Eine Welt aus Müll
Deponia erzählt die epische Geschichte um Rufus, einen heruntergekommenen Erfinder und Schmarotzer, der bei seiner Exfreundin lebt. Der einzige Wunsch, den unser Antiheld zu Beginn hat, ist runter von dem Schrottplaneten Deponia zu kommen und rein in die Stadt Elysium, die hoch über der Oberfläche schwebt. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Als der Versuch, sich mit einer Raketen getriebenen Vorrichtung an einen Organonkreuzer zu hängen, gelingt, trifft er zum ersten mal auf die eine Elysiumelfe – eine Frau aus der Wolkenstadt. Goal (zu deutsch Ziel) wird von 3 Bediensteten des Organon bedroht und durch ein missglücktes Rettungsmanöver von Rufus über Bord des Kreuzers und auf die Oberfläche von Deponia gespült. Rufus wird direkt hinterher geschmissen. Auf dem Boden der Tatsachen angekommen, schmiedet unser Antiheld schon wieder den nächsten Plan um Deponia zu verlassen, diesmal aber an der Seite der hübschen Goal.

Eine Ode an den Müll

Der Schrottplanet Deponia ist, ohne groß zu übertreiben, wunderschön! Die gezeichneten Hintergründe beziehungsweise Schauplätze sind allesamt hochauflösend und wunderbar detailreich. Dabei wurden auch genug Eastereggs versteckt: Harvey konnte des öfteren erblickt werden, oder eine Anspielung auf E.T., so wie auf unseren geliebten Troggelbecher. Die Müllstadt Kuvaq ist am Anfang noch der zentrale Ort des Geschehens, hier sind Farben und Formen so verwirklicht, dass man sich schnell wohlfühlt. Später am selben Tag im Spiel geht die Sonne langsam unter und Deponia wird in ein stimmiges Rostrot gehüllt. Auch die Zwischensequenzen leben von ihrer hohen Qualität und der extrem guten Vertonung.

Deponianer: das Leben im Müll
Toni, die Ex-Freundin von Rufus, bei der er sein Lager noch nicht abgebrochen hat, lebt in einer  zweistöckigen Hütte, die liebevoll von ihr eingerichtet, von Rufus aber total verwohnt wird. So findet sich zum Beispiel im Kühlschrank nichts anderes als eine Socke und spülen ist eh Tonis Aufgabe nach seiner Meinung. Generell hält er nichts von aufräumen / spülen / sich oder Gegenstände waschen und vor allem hält er nichts von Toni. Das tägliche Leben der Deponianer ist vom milden Hintergrundgestank ihrer geliebten Heimat geprägt. Jeder geht seinen Tätigkeitsgebieten nach, da wären die Minenarbeiter die nach brauchbaren Schrott graben, der Bürgermeister der in seinem Tisch schläft und Lotti die Pfortenangestellte im Rathaus, die etwas an sich hat, was sonst kein Deponianer im Spiel auszeichnet, was verraten wir hier natürlich nicht. Dann gibt es noch Gizmo den Arzt / Polizist / Feuerwehrmann, dem Rufus des öfteren neue Arbeit verschafft, mal gewollt, mal ungewollt. Die Welt von Deponia lebt und wird bestimmt in naher Zukunft auch Vorlage für Romane und Fanfiction werden.

The sound of Müll
Oh ja, Deponia ist nicht nur ein Augenschmaus, nein auch die Ohren werden hier luxuriös verwöhnt. Jan Müller-Michaelis singt, wie auch in „Edna bricht aus“ und „Harveys neue Augen“, zu Beginn jedes Kapitels ein kleines Einführungsständchen. Dialoge sind ebenfalls lebhaft und vor allem mitreißend vertont, dabei ist Rufus natürlich der Mittelpunkt und seine Betonungen oder sein schlechtes Englisch treiben einem oft die Tränen in die Augen vor lauter Lachen. Aber auch die hübschen Damen Goal und Toni sind erster Klasse vertont. Toni merkt man die Resignation über ihren Ex-Freund wahrlich an und Goal weckt den Beschützerinstinkt des Spielers durch ihre Hilflosigkeit zu Beginn des Abenteuers. Ständiger Begleiter im Spiel ist die „schrottige“ Hintergrundmusik, wobei schrottig eher auf die Entstehung der Tracks und nicht auf die Qualität bezogen ist.

Es war einmal, Müll…
Die Geschichte, die im Laufe des Abenteuers Form annimmt, ist episch, spannend, witzig und herzzerreißend… und sehr schnell zu Ende. Denn Deponia ist keine abgeschlossene Story, es ist der Auftakt zu etwas viel Größerem. Natürlich verraten wir nichts vom Ende selbst, aber soviel sei gesagt: Deutschland hat ab sofort ein Referenz Adventure à la The Secret of Monkey Island. Die Geschichte ist wie ein Blockbusterfilm und regt zum Nachdenken an. Die Rätsel sind zum Großteil wahre Brüller und strotzen nur so vor Kreativität. Der Höhepunkt an kurzweiliger Unterhaltung ist die Kätzchenversandmaschine die nicht etwa Kätzchen verschickt sondern Katzen als Frankierautomat benutzt, hier kann man eine Menge Zeit nur mit Zuschauen verbringen. Rufus ist übrigens der einzige Charakter der Spielgeschichte (soweit der Redakteur sich hier erinnern kann), der Clowns komisch findet. Alle Deponianer sind durchweg glaubwürdige Zeitgenossen und treffen nachvollziehbare Entscheidungen und selbst Rufus wandelt sich, wozu ist leider vorhersehbar.

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