Ein weiteres MOBA-Game. MOBA? Noch nie gehört? Es handelt sich hierbei um ein Acronym und steht in diesem Fall für “Multiplayer Online Battle Arena”. Und eben diese Art von Spielen erfreuen sich soeben einer großen Beliebtheit. Bekanntester Vertreter des Genres: das Fantasy-Free-2-Play-Game “League of Legends”. Mit “Awesomenauts” versucht das niederländische Entwicklerstudio Ronimos das MOBA-Spielprinzip nun auf die Heimkonsolen zu übertragen. Doch auch mit einem ungewöhnlichen Look und einem frischem Gameplay wollen die Entwickler punkten – und Überraschung: Das Spielprinzip präsentiert sich als Sidescroller innerhalb eines bunten Cartoon-Szenarios.

Und um was geht es eigentlich bei einem MOBA-Spiel? Ganz einfach: Zwei feindliche Teams treten in einer Battlearene gegeneinander an und versuchen jeweils die schwer bewaffnete Basis des feindlichen Teams zu zerstören. Im Verlauf der Runde baut man noch nebenbei seine Helden mit verschiedenen (Spezial-)Fertigkeiten aus und erhält gelegentlich Unterstützung von Bots. Im Großen und Ganzen sind das die wichtigsten Zutaten eines MOBA-Games.

Ob das alles auch so auf der Konsole klappt, erfahrt ihr in unserem Test.

Sechs verrückte Söldner, zwei Teams, ein Ziel

Im Jahr 3587 herrscht ein erbitterter, endloser Krieg zwischen zwei Roboterarmeen – beide Fraktionen sehen nur noch einen Ausweg: Eine Gruppe von Söldnern, die sogenannten “Awesomenauts”, soll den nicht enden wollenden Kampf ein für alle Mal beenden. Hier kommt ihr ins Spiel, denn als einer der insgesamt sechs zwielichtigen Söldnern sollt ihr euch in das kunterbunte Durcheinander stürzen und den entscheidenden Sieg für eine der zwei Fraktionen erringen.

Ebenso verrückt wie der Comicstil auf den ersten Blick erscheint, sind auch die Charaktere gestaltet – also ziemlich durchgeknallt. Die sechs Schergen, von denen drei erst freigespielt werden wollen, unterscheiden sich in ihrem Äußeren genauso drastisch voneinander wie in ihren (Spezial-)Fähigkeiten. So ist Leon Chameleon – ganz seiner Tierart entsprechend – das kriminelle Ass der Truppe und hält sich feindliche Truppen entweder mit seiner langen Schnalzzunge, oder durch seine Camouflage-Fähigkeit vom Leib; wohingegen Sheriff Lonestar – seines Zeichens Cowboy aus Leidenschaft – gerne mit Dynamit um sich wirft und mit seinem Revolver locker aus der Hüfte schießt. Ganz anders sieht es da jedoch mit Roboter Clunk aus, denn der bullige Tank des Teams teilt stattdessen gern mit seiner mechanischen Muskelkraft aus. Ihr seht also: Die verrückten Haudegen entsprechen jeweils einer typischen Charakterklasse, wie etwa Heiler oder Tank.

Sobald ihr euch im Titelbildschirm für eine der Figuren entschieden habt, werdet ihr auch schon mit einer Rakete ins Kampfgetümmel geschossen. Doch mit blindem “Draufballern” ist es nicht getan und wer Hals über Kopf wie ein Berserker an die Front eilt, der wird schnell eines besseren belehrt. Denn um in die feindliche Basis zu gelangen, wird von euch ein helles Köpfchen verlangt – ein gut durchdachter Plan ist also von Vorteil. Immerhin müssen erst die feindlichen Selbstschussanlagen überwunden werden, bevor sich überhaupt eine Chance, die feindliche Basis zu stürmen, ergibt. Doch keine Bange: Um die gefährlichen Schussanlagen beseitigen zu können, werdet ihr von kleinen Roboterbots unterstützt, die als eine Art Kugelfang und Schutzschild agieren und euch die lästigen Anlagen vom Leibe halten. Deshalb ist es nicht nur von immenser Wichtigkeit im entscheidenden Moment anzugreifen, sondern sich auch im richtigen Augenblick zurückzuziehen. Denn das gegnerische “Awesomenauts”-Team (offline übernehmen Bots die feindlichen Truppen) will euch ebenfalls ans Leder – und natürlich eure Basis vernichten.

Die richtigen Extras und Taktiken führen zum Sieg

Um auch längerfristig Erfolge verbuchen zu können, braucht es jedoch nicht nur eine anständige Portion an Cleverness und Vorsicht, sondern auch an Kombinationsgabe und taktischem Gefühl darf es nicht fehlen. Denn dank den durchdachten und grundverschiedenen Charakterklassen könnt ihr euch facettenreiche Strategien und gewiefte Spielkombinationen erarbeiten, um die gegnerische Fraktion möglichst effektiv zu pulverisieren. Da pro Team nur drei der sechs Figuren an den Start gehen, solltet ihr euch bereits im Vorfeld einen durchdachten Plan zurecht legen. Nehmt ihr lieber Clunk als Tank oder doch eher das Chamäleon als heimlichen Schleicher ins Team, nehmt ihr zuerst eine defensive Position ein oder geht ihr lieber auf’s Ganze?

Fernerhin sind auch die erwerbbaren Extras nicht unwichtig. Im Spiel sammelt ihr dazu die sogenannten „Solarzellen“ (kleine gelbe oder auch graue Quadrate), um euch dann im Shop, der sich in natürlich in eurer Basis befindet, verschiedene Upgrades zu kaufen. Auch hier ist die richtige Wahl der Extras entscheidend. So kann sich, beispielsweise, der rappende Frosch “Froggy G” durch die richtige Skillung kurzzeitig in einen wilden Tornado verwandeln und Feinden durch Kontakt ordentlich zusetzt. Die Extras sind meist sinnvoll auf den jeweiligen Charakter angepasst und sind im Gesamten sehr gut ausbalanciert, sodass es nie zu unfairen oder übermächtigen Spezialfertigkeiten kommt.

Macht Spaß – aber nicht allein

Awesomenauts macht Laune – aber auch nur im Multiplayer. Wenn ihr euch online mit euren Freunden über mögliche Strategien austauscht und zusammen gegen das feindliche Team in den Kampf zieht, befindet sich euer Spaßfaktor garantiert auf höchstem Niveau. Seit ihr jedoch alleine im Trainingsmodus unterwegs, spielt ihr gegen Bots, die sich – milde ausgedrückt – ziemlich doof anstellen. Naja, zugegeben: Als Singleplayergame ist “Awesomenauts” auch gar nicht gedacht. Dafür könnt ihr aber immerhin mit euren Freunden gemeinsam im Splitscreenmodus an einer Konsole gegen die KI trainieren. Und das ist auch bitter nötig, denn erfahrene Spieler verarbeiten euch im Onlinemodus gleich zu Brei.
Doch Kopf hoch. Die Sidecroll-MOBA-Schießerei entlohnt euch mit einer großen Portion Spaß – selbst wenn sich das Spiel in Sachen Umfang nicht gerade mit Ruhm bekleckert, denn nur drei Arenen gibt es im gesamten Spiel zu erkunden (vielleicht legt man mit möglichen DLC’s noch einige Karten nach?). Naja, sei’s drum: Wer auf taktische, teamorientierte Action steht, der sollte “Awesomenauts” auf jeden Fall ausprobieren.