Anfang Oktober hat die Verlagsgesellschaft ChessBase ihre neue Version 3 des Musikprogramms Ludwig vorgestellt. Auf den ersten Blick mag es verwundern, dass ein Spezialist für Schachprogramme eine Musiksoftware herausgibt. Mit dem zweiten erkennen wir klare Parallelen in der Problemstellung. Dort müssen viele Züge voraus berechnet, die gewinnbringenden herausgefiltert und das Ganze in ein strenges Regelwerk eingepasst werden. Hier gilt es, alle möglichen Tonfolgen zu probieren, die stilistisch passenden zu finden und dabei die Gesetze der Stimmführung und der Harmonielehre zu beachten.

Ludwig 3 – Extended Edition

Sind die Hürden der Installation und der Aktivierung, für die eine Internetverbindung zwingend erforderlich ist, genommen, kann es gleich losgehen. Ludwig 3 bringt alles mit, eine Soundengine, Instrumente und jede Menge Beispieldateien. Nach dem Start präsentiert sich eine aufgeräumte Oberfläche. Oben befinden sich Menü und Toolbox, die linke Hälfte nimmt das Notenblatt ein, rechts sieht man eine virtuelle Klaviatur, ein Mischpult und ein optisches Metronom. Das Programm ist so angelegt, dass auch ein musikalischer Analphabet in wenigen Augenblicken ein Lied zusammenstellen kann.

Mit dem Herumprobieren öffnen sich immer mehr Gestaltungsmöglichkeiten, angefangen von unterschiedlichen Musikrichtungen oder Personalstilen, bis hin zu dynamischen Arrangements. Die Ergebnisse sind immer anhörbar. Im umfangreichen und gut gestalteten Handbuch im pdf-Format ist die Bedienung bis ins kleinste Detail dokumentiert. Wer allerdings in diese Tiefen vordringen möchte, sollte über fundierte Kenntnisse in Musiktheorie und Geduld verfügen. Blindes Klicken bringt hier bestenfalls Kakofonie hervor, wahrscheinlicher eine Fehlermeldung.

Kritiker mögen über die “Maschinenmusik” die Nase rümpfen, Komponisten bemängeln, dass nur Rahmenbedingungen verändert werden können, nach denen Ludwig 3 komponiert, nicht der Notentext selbst. Aber damit wird eigentlich der falsche Maßstab angelegt. ChessBase bietet Ludwig als Lehrprogramm an, nicht als Fabrik für Chartstürmer, und das macht es wirklich gut. Kindern macht es einfach nur Spaß, Musiker können sich im stillen Kämmerlein auf ihre Soli vorbereiten, Studenten Gehörbildung trainieren.

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