Musik ist immer so eine Sache, die auf verschiedene Personen unterschiedlich wirkt. Geschmäcker sind gerade im musikalischen Bereich völlig verschieden und während der eine einen Song liebt, findet ein anderer ihn vielleicht ganz schrecklich. So ist das nun mal, gerade bei Popsongs. Es gibt aber auch Musik, da denkt man sich, dass man darüber gar nicht streiten kann, weil sie doch theoretisch bei jeder Person Emotionen auslösen muss.

Mehr als positiv überrascht

So fühlt sich für mich auch das Album „Radio for the Deaf“ an. Unvorstellbar, dass hier jemand sagt „Nee, nicht mein Ding“. Zugegeben: Meine Musikrichtung ist es auch nicht, trotzdem komme ich nicht drum herum, es mir immer wieder anzuhören. Für mich persönlich lässt es sich nämlich in gar keine Musikrichtung einordnen. Und deshalb ist der Wiederhör-Wert auch enorm.

Ich möchte ganz ehrlich sein: Ich hab die CD in den Player geworfen ohne zu wissen, was mich erwartet. Das Intro hat mich ein wenig verwirrt, da ich dadurch noch keinen Eindruck hatte, was mich bei den nächsten Tracks erwarten könnte. Dann hörte ich völlig unvoreingenommen, ohne zu wissen, wer hinter der Band steckt, zum ersten mal den Song „Radio for the Deaf“. Ok, langsame Klaviertöne, mal schauen, was da jetzt kommt. Dann die ersten gesungenen Töne: Wow. Nein, nicht unbedingt wegen der Stimme, sondern wegen der Melancholie, die sofort vermittelt wird. Keine Minute geht vorbei und schon hat man die ersten Tränen in den Augen. Melodie, Text, alles passte perfekt zusammen. Also Song gleich nochmal hören, zurück lehnen und Gefühlen freien Lauf lassen.

Aber da gibt’s ja noch mehr! Da fragt man sich, war das Beste nun gleich schon zu Beginn oder geht’s genauso gut weiter? Und ich wurde nicht enttäuscht! Gleich der nächste Song „I miss you“ hat wieder dieses „Wow“ Gefühl vermittelt. Der Titel ist zwar oft gewählt, aber kaum so gut getroffen. Ich meine, wer kennt das nicht, wer hat nicht schonmal jemanden schrecklich vermisst. Nicht nur, weil der- oder diejenige gerade nicht verfügbar war und man sich dachte „ach, ich vermiss Dich“, sondern weil die Person einfach weg war, vielleicht sogar für immer. Wie oft merkt man denn erst zu spät, was man verloren hat?

Zum meinen Lieblingstiteln auf dem Album gehört auf jeden Fall der nächste Track. „For the Wounded“. Mit diesem Song kann sich wahrscheinlich jeder irgendwie ein bisschen identifizieren. Es gibt manchmal Situationen im Leben, in denen man am Boden zerstört ist, weil man zum Beispiel einen geliebten Menschen verloren hat. Mit so einer Situation geht sicherlich unte4rschiedlich um, aber manche möchten sich eben einfach ihren Gefühlen hingeben, nicht großartig reden, sondern einfach für sich allein sein und Musik hören. „For the Wounded“ ist so ein Song, der perfekt in so eine Situation passt. Ein Song, der einen zum Weinen bringt, der aber auch unheimlich viel Kraft geben kann. Ein Song, den man in manchen Situationen einfach rauf und runter hören möchte. „For the Wounded“ muss man einfach gehört haben, um zu verstehen, was genau gemeint ist.

Aber auch „Trip to Venus“ ist einfach nur schön. Warum, versteht sich eigentlich von selbst, wenn man nur ein wenig auf den Text achtet. Besonders auffallend bei allen Songs ist eben, dass hinter den Texten viel Stoff zum Nachdenken steckt, man sich öfters selbst wiederfindet und man sich denkt, dass derjenige, der sie geschrieben hat, entweder sehr gefühlsbetont, nachdenklich oder einfach verdammt gut ist, um so viel Gefühl herüber zu bringen.

Letztendlich könnte ich ewig so weiter machen und auf jeden Song einzeln eingehen, da jeder erwähnenswert ist. Aber ich sehe die Tracks lieber als Gesamtpaket, als ein ganzes umwerfend gutes Werk. Mit tollen Melodien, mit Texten, die man nicht einfach nebenbei hört, sondern sich ganz genau anhört und bei denen man sich immer mal wieder findet.

Wie ihr beim lesen sicherlich gemerkt habt, habe ich hier mal einen kleine Stilbruch begangen, indem ich in der sonst so verhassten „ich“-Form geschrieben habe. Dies lässt sich aber ganz leicht erklären: Dieses Album liegt mir wirklich am Herzen und hat mittlerweile einen ganz besonderen Platz in meiner CD-Sammlung bekommen, so dass ich einfach persönlich nur mit Nachdruck sagen kann: Eine der besten Scheiben, die ich je gehört habe!