Es gibt so Bands, die gibt es schon seit gefühlten Äonen von Gezeiten und man fragt sich automatisch: Wie machen die das nur? Dies gilt unter anderem für die amerikanischen Jungs von Over Kill. Anfang der 1980er gegründet, prägten sie so mal eben die Metalszene, indem sie zunächst bekannte Stücke coverten, diese aber schneller und dynamischer spielten. Der mittlerweile 17. Tonträger des Quintetts schreit geradezu danach, die qualitativ hohe Kunst des Musizierens einmal mehr zu zelebrieren. Und es ist tatsächlich so, dass die 5 Mannen ihrem Stil stets treu geblieben sind. “The Electric Age” könnte man als eine Interpretation einer aktuell anhaltenden, REalität gewordenen Teil-Dystopie bezeichnen, eine Zeit, in der wir uns von der Elektrik, respektive elektronischen Geräten, beherrschen lassen. Jeder hat heute ein Handy, nahezu jeder ist bei irgendeinem sozialen Netzwerk angemeldet, zu dessen Zugang man ebenfalls elektronisches Gerät benötigt. Unsere Autos benötigen Strom ebenso wie der Kühlschrank und die Spülmaschine. Ihr seht, was vor 100 Jahren undenkbar gewesen ist, ist für uns heute selbstverständlich. Gut, soviel nun also zu meiner Interpretation dieses Titels, kommen wir zum Musikalischen. Hier sieht es weitaus weniger dystopisch aus, denn Over Kill rocken noch wie vor 30 Jahren… Wenn ich das von meinem Standpunkt hier so bewerten kann.

Das Album beginnt, wofür es gemacht wurde: Brachialer Headbang-Orgie und der Aufforderung “Come and get it”. Mit diesem Kracher von Opener eröffnen Over Kill ihr 17. Machwerk, inkl. kurzem Chorpart. Ziemlich abwechslungsreich. “Electric Rattlesnake” ist schnell, kompromisslos und haut richtig rein. Einer meiner Favoriten auf dem Album. Endlich, endlich singt eine Metalband mal über ein Thema, wo sich sonst so wirklich niemand herantraut – den Tod. “Wish you were dead” ist ein Geburtstagswunsch der ganz besonderen Kategorie. “Black Daze” haut erst mal so richtig langsam auf die Kacke, kommt dann aber in Fahrt und ist dann auch nicht mehr zu bremsen.

“Save Yourself”, der 5. Track auf dem Album, steht in krassem Kontrast zu seinem Vorgänger, bricht er doch rasant durch das Trommelfell und bleibt da, um zu bleiben. Und auch unsere handwerklichen Zeitgenossen bekommen auf diesem Album ihre ganz eigene Feierabend-Hymne. Mit “Drop the Hammer” ist dem Quintett ein echter Ohrwurm gelungen. Oh… mein… Gott! Jetzt kommen wir zu meinem absoluten Lieblingslied dieses gesamten Albums: “21st Century Man” ist so abwechslungsreich, gleichzeitig aber so eingängig, dass es eine wahre Wonne ist, sich rhythmisch dazu zu bewegen… Mit meinem Kopf, versteht sich.

“Old Wounds New Scars” ist das rotzigste Lied auf dem Album. “All over but the Shouting” leitet langsam aber sicher das Ende von “The Electric Age” ein. Wenn ich es so in Relation zu den anderen Songs sehen kann, ist dieser Song der wohl thrashigste und hat meines Erachtens nach den besten Mitsing-Chorus. Mit “Good Night” verabschieden sich Over Kill schließlich, zunächst sehr ruhig und bedächtig, dann allerdings in gewohnter Thrashmanier.