Nicht ganz zwei Jahre hat es gedauert und nun steht das neue Album der kalifornischen Nu Metal Band Linkin Park in den Startlöchern. Drauf und dran sich und die Band neu zu erfinden und gleichzeitig einen Meilenstein in ihrem Genre zu definieren. Ob ihnen dieses Meisterstück gelungen ist, oder ob es sich einreihen wird in die experimentellen Stücke aus den letzten Jahren der Gruppe, lest Ihr in unserem Test!

Rückkehr zu den Wurzeln?

Viel wurde spekuliert, ebenso viele fragende Köpfe entstanden in den Reihen der Kritiker und Fans: Was wird das neue Projekt von Linkin Park werden? Während Frontsänger Chester Bennington im Juni 2011 angekündigte, dass die Band seit Kurzem an einem neuen Studioalbum arbeitet, stellte man sich die Frage “Wie wird es denn nun werden?”. Die Gruppe kündigte an, dass man sich für das kommende Projekt wieder einmal an etwas Neues heranwagen wird. Das verwirrte die Fans. Wie ein Experiment, wieder ein Versuch den eigenen Stil (wieder-)zufinden oder doch endlich mal der Befreiungsschlag in der Stilfindung? Mike Shinoda, Forstmann und Produzent der Gruppe, erzählte in einem Interview, dass man sich für das kommende Album lyrisch doch mehr in Richtung der ersten beiden Alben der Gruppe bewegen wird, musikalisch jedoch die elektronischen Einflüsse der letzten beiden Alben mitnehmen würde und versucht diese beiden Stile miteinander zu vermischen. Eine imposante Kombination, wie Fans und Kritiker meinten. Und sie behielten Recht – denn das neue Album “Living Things” zeigt einmal sehr deutlich, wie sehr sich Linkin Park Mühe gegeben hat endlich ihren Stil zu finden und diesen zu festigen.

Altbewährtes, neu interpretiert

Während die erste Singleauskopplung “Burn It Down” bereits seit April 2012 durch die Radios und Fernsehsender schallt, zeigt “Living Things” noch wesentlich mehr Potenzial. Auch wenn die kurze Anspieldauer von gerade einmal knapp 37 Minuten mehr den Eindruck einer EP als einer LP erweckt, ist doch jede Minute des neuen Werks hervorragend und verdeutlicht den musikalischen und stilistischen Wandel der Band hin zu ihrer finalen Form.

Mike Shinoda zusammen mit Rick Rubin, der auch bereits das 2007 erschienene Album “Minutes to Midnight”, sowie das 2010 veröffentlichte “A Thousand Suns” produzierte, zaubern auf dem neuen Machwerk einen hochproduzierten, lupenreinen und vollständig ausgearbeiteten Soundteppich zurecht. Während sich der lyrische Teil wieder durch Chester Bennington und Mike Shinoda nahezu perfekt in das Soundbild eingliedert, gibt es nur wenig Spielraum für Albumgäste oder andere Versuche. Lediglich einen musikalischen Beitrag steuert der Violinist Owen Pallett auf dem Track “I’ll be Gone” bei. Stattdessen versucht sich Linkin Park bewusst auf das zu konzentrieren, worauf es ihnen auch aus ihrer Ankündigung ankam: Alter und neuer Sound gemischt um etwas vollkommen Neues zu schaffen. Und das haben sie geschafft, allemal.

Inhaltlich bewegt sich Linkin Park mit ihrem neusten Album auf anderen Wegen als noch auf ihrem letzten Album. “A Thousand Suns” sorgte überwiegend mit politischen Texten für einen durchgehenden Gesamteindruck, während sich “Living Things” vorrangig mit persönlichen Inhalten präsentiert.

Nach dem beruhigenden Schlusstitel “Powerless” bleibt einem als Hörer nur eine Frage offen: “Wo bitte ist Seite B?”. Die 37 Minuten Spielzeit sind doch sehr schnell durch, erwecken den Eindruck als müsste gleich noch etwas kommen, während man als Hörer zurückgelassen wird und nur den Gang zur Repeat-Taste wagen kann. Sollte sich die Nachricht von Linkin Park bestätigen, plant die Band einen Releasezyklus von 18 Monaten für ein neues Album. Wir sind gespannt, ob sich das nächste Werk wieder in dieser Bahn bewegen wird, oder ob uns ein neuer musikalischer Wechsel bevorsteht.

Tracklist
1. Lost in the Echo
2. In My Remains
3. Burn It Down
4. Lies Greed Misery
5. I’ll Be Gone feat. Owen Pallett
6. Castle of Glass
7. Victimized
8. Roads Untraveled
9. Skin to Bone
10. Until It Breaks
11. Tinfoil
12. Powerless