Nach dem kryptischen und geheimnisvollen Debütalbum „IIII“ von Farsot gibt es nun ganz klare Grenzen und festgelegte Pfade der Band: Eine Mischung aus Black Metal und Progressive Metal sollen die Grundlage für eine Weiterentwicklung stehen und den staubbedeckten Asphalt des Genres aufmischen. Dabei verzichtet man nun bei „Insects“ sogar gänzlich auf einen deutschen Sprachgebrauch und konzentriert sich auf die englische Sprache.

Eine Erwartungshaltung verliert meist gegen die Erfüllung.

Ein zentrales Thema rund um diese Veröffentlichung spielte die Erwartungshaltung vieler Fans und auch außenstehende Personen. Wirft man diese über den Haufen, weil man etwas anderes veröffentlicht, wird man direkt durch den Fleischwolf gedreht. Dies finde ich von vielen Redakteuren einfach an den Haaren herbeigezogen. Schließlich gehört eine gehörige Portion Mut zur Weiterentwicklung zu einem zeitgenössischen Ausdruck der Kreativität dazu. Und wenn es dann einmal so radikal geschieht wie in diesem Fall, ist es eher wünschenswert. Nochmal ein Album wie „IIII“ von Farsot zu erwarten, wäre damit mehr als unangebracht, auch weil es ein geschlossenes Werk darstellt. Zudem wurde die offensichtliche „Härte“ die ein Genre wie Black Metal zu haben hat zu sehr thematisiert. „Härte“ oder Begrifflichkeiten wie „Lautstärke“, meine Freunde, waren noch nie ein Merkmal für gute oder schlechte Musik. Jetzt habe ich aber genug über die bisherige Berichterstattung gemeckert. Bevor ich also einem Rage-Modus verfalle, gehen wir auf das eigentliche Machwerk ein.

Steigung um Steigung.

Der Fokus auf „Insects“ liegt hier, ähnlich wie bei „IIII“, auf starkes Songwriting und die Beschallung durch abwechslungsreichen Songstrukturen. Man bekommt bei jedem Lied eigentlich den Eindruck, wirklich etwas Neues entdeckt zu haben. Der Ausgleich zwischen rein instrumentalen Passagen und gesungenen ist hier besonders hervorzuheben und fällt insbesondere beim Track „7“ auf, der so ziemlich mittig in das Album implementiert wurde. Erfrischend hört es sich nicht nur an, weil es auf einen eigensinnigen Mix aus einem durch den Äther gezogenen Doom-Jazz Experiment und World Music aufbaut, sondern einfach die bisherige Erfahrung mit diesem Album einfach mal auf den Kopf zu stellen vermag, ohne dabei aus dem konzeptionellen Aufbau zu fallen. Die insgesamt trübe, meist sumpfartig und bedrohliche Atmosphäre die Farsot dem Hörer hier bieten, bemerkt man meist bei den Passagen, in denen es zu einem annähernden Sprechgesang kommt (beispielsweise in „Withdrawal“ oder „Empyrean“). „Insects“ ist hier meist nur als Stilmittel benutzt. Zwar werden auch in den Texten ab und zu zweiflüglige Wesen beschrieben, aber nicht explizit als solche erkenntlich gemacht. So bleibt festzuhalten, dass Farsot textlich sehr sicher sind und im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr genau wissen, wie man den Konsumenten bei Laune halten kann. Darüber hinaus beweisen sie, dass selbst Black Metal eine gewisse Vielfalt bietet und nicht nur zur Stigmatisierung eines Subgenres grundsätzlich abzulehnen ist, wenn man ihn gleichzeitig mit einigen Elementen aus anderen -meist bekannten- Genres garniert.

Tracklist:

1. Like Flakes Of Rust
2. Empyrean
3. Perdition
4. 7
5. Adamantine Chains
6. The Vermilion Trail
7. Withdrawal
8. Somnolent

In diesem Sinne: Frohes Hören!