Ist das nun Retro – oder machen die Herren von Asia einfach seit 30 Jahren die gleiche Musik? Diese Frage kann man sich beim aktuellen Studioalbum „XXX“ (gesprochen „Triple X“) ruhig stellen. Auch wenn viel Zeit seit ihrer Gründung 1982 vergangen ist, versuchen die Classic-Rock-Veteranen Geoff Downes (Yes), Steve Howe (Yes), Carl Palmer (Emerson, Lake and Palmer) und John Wetton (UK) mit ihrem vierten Studioalbum nach ihrer Reunion vor einigen Jahren erneut die Fans der ersten Stunde anzusprechen, nachdem die Alben „Omega“ und „Phoenix“ doch eher durchwachsen von Kritikern und Fans aufgenommen wurde. Schafft es Asia, die Fanbasis mit „XXX“ wieder zu versöhnen?

Classic Rock vom Feinsten

Nur magere neun Lieder bietet Asia, die jedoch, ganz wie jene der Classic-Rock-Bands, in deren Fußstapfen die vier Musiker damals traten, mit Spielzeiten jenseits der vier Minuten punkten können. Asia gibt also den Liedern einige Zeit zur Entwicklung, für Refrains und (obligatorische) Soli. So bringt es „XXX“ insgesamt auf 51 Minuten Spielzeit – das ist ganz in Ordnung. Fans, die nicht genug vom Asia-Feeling bekommen können, wird die recht kurze Spielzeit jedoch stören. Bereits das Intro-Lied der CD namens „Tomorrow The World“ trägt den Zuhörer mit einer melancholischen Stimmung, die jedoch bald in einen angenehm schnellen Rhythmus verfällt, zurück in die Zeiten des Classic Rock. Dabei klingt das Stück angenehm leichtgängig und hat eine hohe Ohrwurm-Gefahr. Mit sieben Minuten Spielzeit ist es außerdem das längste Lied auf der CD.

Uptempo Stücke und Retro-Melodien

Die nächsten Stücke, „Bury Me In Willow“ und „No Religion“, besitzen beide eine vergleichsweise einfache Melodie, die Erinnerungen an Hits der 80er und frühen 90er weckt. „No Religion“ hat dabei den Vorteil, eines der wenigen Uptempo-Lieder auf „XXX“ zu sein und ist damit das Highlight der ersten CD-Hälfte. Das darauffolgende „Faithful“ hingegen ist das absolute Gegenteil: Eine von Synthesizerklängen getragene Ballade, die mit beinahe sechs Minuten recht gestreckt wirkt, aber durch einen guten Refrain doch noch zu gefallen weiß. „I Know How You Feel“ ist ebenfalls ein langsamer Song, der durch beinahe anachronistischen Synthesizereinsatz auffällt und damit mehr nach 1986 als nach 2012 klingt. Das mittelschnelle „Face on the Bridge“, die erste Singleauskopplung, ist nach den ganzen Retro-Melodien eine Wohltat, denn hier hört man wieder bekannte Rockklänge, die auch mehr nach dem Progressive Rock der frühen 1980er kommen. Es folgt „Al Gatto Nero“, dessen Melodien wahrlich nach Classic Rock klingt und täuschend echt die goldene Ära des Bombastrock aufleben lässt, als Rockbands noch ganze Stadien mit ihren Stücken füllen können. „Judas“, das vorletzte Lied der CD, trifft eine ähnliche Kerbe und könnte genauso gut von den „Dire Straits“ stammen. „Ghost Of A Chance“ hingegen ist wieder sehr gemächlich und beendet das Album mit melancholischen Tönen.

Trackliste

  1. Tommorow The World
  2. Bury Me In Willow
  3. No Religion
  4. Faithful
  5. I Know How You Feel
  6. Face On The Bridge
  7. Al Gatto Nero
  8. Judas
  9. Ghost Of A Chance