Erstmal vielen Dank, dass ihr Euch Zeit für das Interview nehmt. Viele kennen Euch eh, viele Leser von uns spätestens nach der Review zu Eurem Album “Invictus” ebenfalls. Aber für die paar anderen, die bisher noch nicht in den Genuss Eurer Musik gekommen sind: Würdet ihr Euch bitte kurz vorstellen?

Hi Jana, hier ist Freddy. Erst einmal vielen Dank für das Interesse. Ich hab die Band 1984 gegründet und bin das letzte „Überbleibsel“ (wenn man das so audrücken kann :-) )Das aktuelle Line up besteht aus Andi Nagel (baß), Klaus Enderlin (drums), Andre´ Bones (guitar) und mir (vocals, guitar).

Wie seid ihr auf den Bandnamen NECRONOMICON gekommen? Hat das was mit dem gleichnamigen Buch von H.P. Lovecraft zu tun?

Auch wenn du es nicht glaubst, aber ich habe den Namen manchmal echt verflucht. 1. ist er für den ein oder anderen zu „kompliziert“ , zum anderen kann ich den Namen nicht schützen lassen, da der Ursprung ja in dem Buch liegt. Deshalb gibt es leider auch viele Trittbrettfahrer, die sich dem Namen bedienen, wie z.B. die Kanadischen Black Metaller. Wie schon erwähnt kann ich den Namen nicht schützen lassen und das bietet natürlich immer wieder solchen Bands eine Plattform. Das schlimme daran ist, daß man damit auch noch verwechselt wird. Über Geschmack läßt sich bekanntlich ja nicht streiten und jeder soll seine Plattform bekommen, die er verdient, aber davon distanziere ich mich absolut. Sorry guys, aber das geht gar nicht. Wir wollten damals einfach einen Namen haben, der nicht so klischeehaft ist und eben auch eine Thematik hat. Axel, mein damaliger Drummer, war dafür „verantwortlich“.

Euer neues Album Invictus ist wirklich großartig geworden, wir von SPIELEMAGAZIN würden sogar glatt behaupten, dass es in dem Genre kaum mehr zu übertreffen ist! Wie zufrieden seid ihr mit dem Album? Denkt ihr, ihr könnt dieses Werk nochmal übertrumpfen?

Wow, vielen Dank, das ehrt mich sehr. Natürlich möchte man mit jeder neuen Produktion auch eine Steigerung erzielen. Aber ob das Album dann auch wirklich diesen Erwartungen gerecht wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Ich mache mir jetzt darüber erst einmal keine Gedanken, sondern genieße die überwältigende Resonanz des neuen Albums auf nationaler und internationaler Ebene. Ich hab bei der Produktion und Songwriting schon ein gutes Gefühl gehabt, aber das dieses Teil so einschlägt, hätte selbst ich nicht geglaubt. Ob wir das noch toppen können, ist für mich deshalb momentan nicht wichtig. Aber ich denke, wir haben noch ein bißchen Luft nach oben.

Welcher Song vom Album liegt euch besonders am Herzen?

Das ist nicht ganz einfach, da jeder Song seinen eigenen Charakter hat. Müßte ich mich aber entscheiden, so würde ich “Invictus” und “Upon black wings” in einem Atemzug nennen.

Erzähl uns doch bitte etwas über die Produktion des Albums. Wann haben die Aufnahmen begonnen, wo habt ihr das Album aufgenommen und wie lange hat es gedauert?

„Invictus“ ist mein persönlichstes Album; deshalb auch der Albumtitel. Es spiegelt unseren Werdegang wieder. Und ich kann wirklich sagen, daß ich darauf auch echt ein bißchen stolz bin. Ich bin auch andere Wege gegangen als bei den vorherigen Produktionen. Im Herbst habe ich mich hingesetzt und das Album in 6 Wochen geschrieben. Parallel arbeitete ich die Songs im Studio aus, so daß das Arrangement mehr oder weniger aus dem Bauch heraus entschieden wurde. Also nicht ewig an einem Song herumfeilen, sondern dem ersten Gefühl oder Gedanken seinen Platz einräumen. Darüber hinaus habe ich die Vergangenheit der Band textlich u.a. mit Metaphern verarbeitet. Der Unterschied zu den vergangenen Alben liegt vorwiegend in dem natürlichen Reifeprozess einer Band. Was nicht heißen soll, daß man jetzt zu kommerziell oder soft geworden ist. Nein, ich glaube jeder von uns, angefangen von mir, hat eine Entwicklung gemacht, die man positiv betrachten muß. Es klingt zusammen einfach runder und stimmiger, ohne die Thrashwurzeln zu verlieren. Im Gegenteil, neben der sicherlich herausragenden Arbeit von Achim Köhler, der es wieder verstanden hat, einen Zaubersound zu kreieren, knallt das Teil einfach nur göttlich.
Ich hoffe, mit „Invictus“ auch unserer Fangemeinde was besonderes abgeliefert zu haben.

Was war der schwierigste Song des Albums? Welcher hat euch die meiste
Zeit und die meisten Nerven gekostet?

„Invictus“ war definitiv am schwierigsten, weil es der erste Song war. Man ist sich nie so ganz sicher, ob man damit richtig liegt und man stellt permanent um und probiert noch mal was anderes aus. Hat man dann „seinen Stil“ gefunden, ist die Basis schon mal da und die kreative Phase kann sich dann entwickeln. Klingt irgendwie komisch, ist bei mir aber so.
Ich versuche ja, NECRONOMICON im Stile, treu zu bleiben. Deshalb lasse ich mich nicht von anderen Bands inspirieren, sondern von Filmen und der daraus resultierenden Musik.

Ihr seid ja nun schon eine ganze Weile im Geschäft. Wie seht ihr die
Metal-Szene momentan? Seit euren Anfängen hat sich ja doch eine Menge getan. Wie ist eure persönliche Sicht der Metal-Landschaft?

Die Szene an sich ist sehr unterschiedlich. In den südeuropäischen Ländern komme ich mir meist vor wie in den 80ern. Ganz anders die Szene im nördlichen Europa oder gar im Osten. Wichtig ist doch, daß man sich in seiner Haut wohl fühlt und das nach außen transportiert. Jeder auf seine ganz persönliche Art. Und das
die Musik im Mittelpunkt steht.

Welches Album bzw. welchen Künstler findet ihr im Moment hörenswert? Wen dürfen wir uns aus eurer Sicht nicht entgehen lassen?

Da bin ich kein so guter Ratgeber. Zur Zeit höre ich die alten Sachen wieder gerne; aus allen Metal Bereichen. Das fängt bei Motörhead (Ace of spades) an, geht über Whitesnake und hört bei Maiden auf. Ich brauche das auch immer nach einer neuen Produktion. Da kriege ich den Kopf wieder vollkommen frei. Und das „alte“ ist ja fast zeitlos. Aber die neue Overkill ist schon ein Mega Brett. Richtig geil!!!

Die Frage gehört bei uns schon fast zum Standard bei Rock- oder
Metalbands, denn es kommt jedes Mal was Anderes heraus: Habt ihr schon jemals ein Hotelzimmer zerstört?

Wenn du auf Tour bist, mußt du mit allem rechnen, was Unterkünfte angehen. In Rußland zum Beispiel, ist es jedes mal ein bibbern und bangen, ein einigermaßen vernünftiges Hotel zu bekommen. Wenn das dann klappt, kommst du gar nicht auf die Idee, da irgend etwas kaputt zu machen, sondern man ist froh, daß die Sanitären Anlagen und das Bett sauber ist. Das lernt man dann zu schätzen. Außerdem finde ich das schwachsinnig. Nur um hier den harten Rocker raushängen zu lassen, ein Hotelzimmer in seine Bestandteile zu zerlegen. Klar geht mal was in die Brüche, aber nicht absichtlich oder um den Fans auf Facebook oder Twitter die neuesten Zerstörungsberichte zukommen zu lassen.

Was erwartet Eure Fans dieses Jahr noch? Kann man Euch bald live erleben?

Ja auf jeden Fall. Wir wollen dieses Jahr u.a. nach Südamerika und Kanada und ich bin gerade in Verhandlungen, was ein Charity Projekt in Südafrika betrifft. Ein sehr bekannter Rapper, der auch schon mit Bejonce Knowless und R. Kelly gearbeitet hat, will das mit einer Tour verbinden. Und dann hoffe ich natürlich, daß wir noch das ein oder andere große Festival in Deutschland spielen, obwohl wir zeitlich schon
etwas spät dran sind und das Billing bei den meisten schon steht.

Apropos Fans: In all den Jahren hatten ihr doch sicherlich auch schon mal lustige oder merkwürdige Erlebnisse mit Fans. Was ist Euch da am besten in Erinnerung geblieben?

Da gibt es unendlich viele Anekdoten. Aber worüber ich immer wieder schmunzeln kann ist, daß wir unser erstes Konzert (1985) vor 3 Leuten gespielt haben, weil unser Management und der Konzertveranstalter ein falsches Datum ausgeschrieben haben und der Musikclub, vor dem wir standen, zu hatte und nur die Putzkolonne (3 Frauen) anwesend waren. Da die Backline und das Schlagzeug sowieso dort standen,
haben wir für die Mädels 5 Songs gespielt. Die waren so was von gerührt, daß ich heute noch ab und zu ne Mail von einer bekomme, wie cool das damals war. Wir fanden das natürlich nicht so prickelnd und haben unseren Manager daraufhin gefeuert.

Als das SPIELEMAGAZIN müssen wir euch das fragen: Wie steht s mit
Gaming? Spielt ihr an der Konsole oder am PC? Und wenn ja, welche Games zockt ihr?

Ich überhaupt nicht. Für mich ist das vergeudete Zeit. Ich schnapp mit da lieber meine Klampfe und schreibe neue Songs oder, wenn es die Zeit erlaubt, mach ich Sport. Bei den anderen sieht es da ähnlich aus.

Danke, dass ihr Euch die Zeit für uns genommen habt! Zum Abschluss
gehören die letzten Worte Euch: Was möchtet ihr Euren Fans und unseren Lesern noch mitteilen?

Ich freue mich einfach auf dieses Jahr. Alles was ich mir vorgenommen habe, hat geklappt und jetzt möchten wir einfach nur raus und spielen, spielen, spielen.
Ich hoffe allen Necro-Fans und allen die es noch werden, ein verspätetes Weihnachtsgeschenk beschert zu haben und das wir uns in diesem Jahr wo auch immer alle sehen. Ich danke Euch für die jahrelange Treue und verspreche euch: We are possessed again and again and again!
Thrashy greets
Euer Freddy & NECRONOMICON