1. Herr Künneth, kürzlich erschien ihr Buch “Android 4: Apps entwickeln mit dem Android SDK”, welches derzeit natürlich genau den Nerv der Zeit trifft. Wie erklären Sie sich persönlich den Hype rund um Android-Apps & Co.?

Android ist einfach in aller Munde. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein neues, noch einen Tick leistungsfähigeres Smartphone mit Googles Betriebssystem angekündigt oder vorgestellt wird. Es gibt für jeden Geldbeutel das passende Gerät. Und der Einstieg in die Programmierung ist super einfach. Software aus dem Netz laden und loslegen. Wenn Sie für das iPhone native Apps schreiben wollen, brauchen Sie einen Mac.

2. Viele unserer Leser werden sicherlich auch mal darüber nachgedacht haben eine eigene App zu entwerfen, scheuen aber den Aufwand. Was könnten Sie Neulingen auf diesem Gebiet als Ratschlag zur Überwindung von diesen ersten Hürden empfehlen?

Kleine Ziele setzen. Als Neuling neigt man naturgemäß dazu, die Flinte ins Korn zu werfen, wenn man an einer kniffligen Stelle nicht weiter kommt. Deshalb: “nicht zu viel wollen”. Ein Beispiel. Pong, das erste Telespiel, kennt jeder. Auch wenn die Grafik super einfach gehalten ist, ist die Ball- und Schlägerphysik gar nicht so leicht nachzubauen. Deshalb nicht auf das Ganze konzentrieren, sondern Teile suchen. Was muss ich tun, um einen Schläger zu zeichnen? Wie lässt er sich bewegen? Die gleichen Fragen beim Ball. Wenn Sie das gelöst haben: Wie krieg ich den Ball dazu, dass er am Bildschirmrand die Richtung ändert? Ehe Sie sich versehen, haben Sie plötzlich alle Teile des Puzzles beisammen.

3. Was würden Sie schätzen, wie lange braucht ein Neuling auf dem Gebiet der App-Entwicklung für erste Erfolge?

Auch wenn moderne Plattformen wie Android dem Entwickler das Leben sehr erleichtern, dürfen Sie nicht vergessen, dass Sie einen leistungsfähigen Multimedia-Computer vor sich haben. Wer noch nie programmiert hat, sollte sich Java-Grundlagen aneignen. Wenn man das am Feierabend tut, gehen schnell ein paar Tage ins Land. Dann fällt der Einstieg in Android aber etwas leichter. Die erste, sehr einfache App kann dann nach ein paar Feierabenden fertig sein. Schon immer galt aber beim Programmieren: Nur Übung macht den Meister.

4. Wie sind Sie persönlich zur Programmierung solcher Apps gekommen?

Was heute kaum noch jemand weiß – schon in den 90ern gab es mobile Begleiter, die man programmieren konnte. Damals hießen die Dinger Organizer oder PDA (Personal Digital Assistant). Seit damals bin ich bekennender Gadget-Junkie. Android programmiere ich, seitdem man die erste öffentliche Version des Software Development Kits herunterladen konnte.

5. Aber gibt es nicht schon längst alles? Im Play Store gibt es unzählige Apps für so ziemlich jede Lebenslage. Ist der Zug nicht schon längst abgefahren und der Hype damit kurz vor seinem Ende? Wenn es schon alles gibt und alle Nischen besetzt sind, ist der Markt ja quasi dicht – oder?

Ich sage ganz offen, dass man sehr viel dafür tun muss, um mit Apps signifikant Geld zu verdienen. Natürlich wird es immer Achtungserfolge geben, aber die so genannten Appstore Millionäre aus den Goldgräbertagen werden immer seltener. Wer also vorhat, als Einzelkämpfer reich zu werden, sollte nach einem Plan B Ausschau halten. ;-) Aber es gibt genug andere Gründe, sich mit dem Thema zu befassen. So glaube ich, dass in Zukunft die berufliche Nachfrage nach App-Entwicklern deutlich zunehmen wird. Wer hier erste Erfahrungen vorweisen kann, hat vielleicht den entscheidenden Trumpf in der Hand. Ganz abgesehen davon kann es einfach auch Spaß machen. Nicht jedes Programm muss unbedingt veröffentlicht werden, um jemanden eine Freude zu machen.

6. Denken Sie, dass e-Magazine eine Zukunft haben?

Ich hoffe es. Im Netz ganz allgemein und auch in der Android-Welt ist “für lau” sehr wichtig. Die schwierige Aufgabe liegt deshalb darin, den Kunden einem Mehrwert anzubieten und ihn davon zu überzeugen, dass es die richtige Entscheidung ist, Geld dafür locker zu machen. Bitte bedenken Sie, dass sowohl die Entwicklung als auch die Bereitstellung der Inhalte aufwendig und teuer ist. Ob sich genug Nutzer finden, muss sich zeigen.

7. Wo und wann hatten Sie Ihre ersten Veröffentlichungen?

Seit 2000 schreibe ich Artikel für deutschsprachige Computer-Fachzeitschriften. Auch im Internet habe ich zwischen 2004 und 2009 viel publiziert, vor allem auf www.java.net. Mein erstes Buch erschien 2006.

8. Wie lange haben Sie an “Android 4: Apps entwickeln mit dem Android SDK” gearbeitet?

Die erste Auflage (Android 3) ist innerhalb von 7 Monaten an Feierabenden und Wochenenden entstanden. Ohne viel Geduld der Familie ist das nicht zu machen. Natürlich braucht eine Folgeauflage etwas weniger Zeit, aber auch hier müssen gewissenhaft Screenshots und Texte auf den neuen Stand werden. Außerdem wird jedes Programm unter der neuen Android-Version getestet. Auch da geht viel Zeit drauf.

9. Als DAS Spielemagazin sind wir zu folgender, abschließender Frage förmlich verpflichtet: Spielen Sie eigentlich gelegentlich Videospiele? Und wenn ja, welche?

Natürlich habe ich auf meinem Smartphone Angry Birds und Cut the Rope. Am Feierabend tauche ich auf meiner PS3 gerne in die Fantasiewelten der Final Fantasy-Reihe ein. Und gelegentlich genieße ich richtiges, echtes Oldschool Gaming auf meinem 64er oder dem VCS 2600 von Atari.

10. Was haben Sie früher in ein Freundschaftsbuch geschrieben, wenn es hieß „Was willst du werden wenn du groß bist?“

Ich war in der Homecomputer-Ära Teenager, also wollte ich natürlich was mit Computern machen. Aber Freundschaftsbücher gab es zu dieser Zeit noch nicht.

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