20 Jahre Blumentopf stehen für qualitativ hochkarätigen Hiphop, eines der letzten Originale, sich und  ihrem Stil stets treu geblieben und sich dabei doch neu erfunden und weiter entwickelt. Ja, das sind sie, die Blumentöpfe aus Freising. Und mit einem von ihnen haben wir sprechen dürfen. Es ging dabei nicht nur um das neue Album, sondern um Lebensphilosophien und, natürlich, auch um Spiele. Aber lest selbst.

Spielemagazin: Grüß Dich, Roger. Wie geht es Dir?

Roger: Gut, sehr gut geht es mir. Heute ist Interviewtag und es ist alles chillig, der Kaffee ist gut, Kaffee ist viel… (lacht)

SM: Sehr schön. Ich habe mir vorab das Album zu Gemüte ziehen dürfen und habe auch einen persönlichen Favoriten. Und zwar das Lied “Eurovision”. Ich finde, es ist ein ziemlich genialer Song. Die erste Singleauskopplung heißt “Bin dann mal weg”. Eine Aussage, die, wie ich finde, den aktuellen Zeitgeist wiederspiegelt, die Suche nach Ruhe, dem Stress im Alltag entfliehen. Genial sind auch die Beispiele im Song, die jeder von uns auf irgendeine Weise erlebt hat und sich somit mit dem Song identifizieren kann.

Roger: Was soll ich dazu noch ergänzen? (lacht)

SM: Ansonsten glänzt das Album unter anderem durch diverse Features, unter anderem mit den Sportfreunden Stiller. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Roger: Es sind unter anderem Leute, die wir von Sehen her schon ewig kennen, weil sie auch Musik machen und waren quasi über Freundinnen und Freunde immer schon mal auf denselben Partys und es war schon lange mal ein Ding, was wir zusammen machen wollten. “Komm, wir machen mal zusammen einen Song.” Aber wir waren beschäftigt und die hatten auch viel zu tun, und da hatten wir uns darauf geeinigt, dass wir uns mal zusammen setzen, wenn wir genügend Zeit haben. Aber genau das kennen wir nur all zu gut. Denn die “richtige Zeit” gibt es nicht, somit mussten wir es einfach angehen. Wir hatten bereits Ansätze des Songs fertig und haben dann einfach mal angefragt. Und ich muss sagen, dass es total super lief. Es war keine “Wirmachendasmalschnell”-Zusammenarbeit, sondern wir waren im Studio und jeder hatte Bock drauf. Es ist auch nicht wirklich ein “Blumentopf feat.” sondern eher ein “Blumentopf UND Sportfreunde Stiller”, kann man so sagen. So haben wir unser Demo nochmal komplett über den Haufen geworfen und konnten dann sagen: Darauf haben wir beide Bock.

SM: Das merkt man dem Song auch an… Er steckt voller Energie.

Roger: Ja, es war auch ganz lustig. Der Peter rappt in dem Lied und macht Zeilenwechsel. Was wir nich wollten ist, dass die einen den Chorus machen und die anderen den Rest. Das kannst Du mit Sachen machen, die wir überhaupt nicht beherrschen, aber die Sportfreunde Stiller leben da ähnlich wie wir, dass es sympathisch-normale Menschen sind. Es lebt halt von den Qualitäten der Einzelnen.

SM: Und sicherlich auch von der Begeisterung für die Musik und die Freundschaft, die euch miteinander verbindet?!

Roger: Ja, es hat wirklich Spaß gemacht und hat auch länger gedauert, weil wirklich alle mitmachen wollten.  Wir haben uns aber diese Zeit genommen, weil es ein Ding ist, was wir schon immer mal machen wollten und auch nochmal machen wollen.

SM: Klingt interessant, wir dürfen also gespannt sein. Das Album trägt ja den Titel “Nieder mit der GbR”. Ist damit die Rechtsform Gesellschafts bürgerlichen Rechts gemeint? Wenn ja, seid ihr gegen dieses System, gegen Zusammenarbeit? Was wollt ihr mit dem Titel genau aussagen?

Roger: Wir sind ja selber auch eine GbR, und als solche muss man sich um alles Geschäftliche kümmern. Und das sind die Aufgaben, die immer weg vom Musik machen gehen. Das geht von Merchandiselieferung, Steuererklärung, Fahrtenbuch und so’n Dreck … Und deswegen sagen wir: Nieder mit der GbR. Vor der letzten Platte hatten wir so einen Vertragskäse, dass wir teilweise 4 – 5 Stunden im Studio saßen und diskutiert haben. Danach hatte keiner mehr Bock, noch irgendwas zu machen. Und so entwickelte sich irgendwann der Spruch “Nieder mit der GbR”. Logisch, man muss einige Dinge auch regeln, aber manchmal stört es einfach auch.

SM: Es ist also ein Statement gegen den bürokratischen Apparat?

Roger: Ja, genau. Ich würde alles tun, um das nieder zu machen… (lacht)

SM: Euer neues Album ist einmal mehr ziemlich gesellschaftskritisch. Dieser Tradition bleibt ihr ja bereits seit der Gründung vor etwa 20 Jahren treu. Nun meine Frage: Wo siehst Du den Sprechgesang in, sagen wir mal 50 Jahren?

Roger: Whow, ich kann es Dir nicht einmal in 2 Jahren sagen. Es gibt für mich diese Entwicklung… Ich bin ja auch Fan der Musik, ohne sie zu machen. Es ist auf jeden Fall breit gefächerter, gerade auch thematisch und entwickelt sich auf jeden Fall weiter. Es gibt jetzt Künstler wie Casper oder Cro, die quasi die neue Generation sind und auch cooles Zeug machen. Es gibt aber auch Leute wie Haftbefehl zum Beispiel, die irgendwie auch cooles Zeug machen, aber ganz in eine ganz andere Richtung gehen. Das hätte ich auch vor ein paar Jahren gar nicht gedacht. Als wir angefangen haben, Hip Hop zu machen, gab es die Hip Hopper, die gesagt haben, wie man Hip Hop nicht machen darf, es gab den kommerziellen Hip Hop, wie die Fanta 4 , die so aus dem Leben gegriffen haben und es gab uns, die das ganze so ein bisschen miteinander verbunden haben. Mittlerweile vermischen sich die Genres, vom Horror-Core, der thematisch ziemlich düster angehaucht ist bis zur Vermischung mit Rock ist sehr viel dabei. Ich bin gespannt, wo das ganze hinführt, aber es sind auf jeden Fall sehr viele Straßen, auf denen die Reise immer weiter vorwärts geht. Und das wird immer eine Wellenbeweung haben, so die “Gangsterwelle” war jetzt hoch im Kommen und ebbt gerade ab. Ich glaube, die Leute brauchen auch diese Abwechslung. Wenn die Leute sehen, dass jemand wie Cro beispielsweise Erfolg hat, dann wird es in dieser Zeit mehrere solcher Acts geben. Dann wird aber irgendwann wieder die Generation kommen, die sagt: Ach komm, ich kann den Scheiss nicht mehr hören, ich mache jetzt etwas Anderes, etwas, dass noch nicht da war. Aber es gibt immer so Nuancen, die die verschiedenen Genres und Generationen miteinander verbinden.

SM: Das macht Sinn. Genarationen ist ein gutes Stichwort. Welchen Menschen zollst Du den größten Respekt?

Roger: Ich hab jetzt keine Person direkt… Aber meine Eltern, wenn Du es so willst… Die haben alles super hingekriegt, auch ohne Kohle und so… Meine Eltern sind sehr jung Eltern geworden und hatten nichts, haben das Ganze aber super gemanagt. Auch heute sind sie noch total cool. Respekt habe ich vor Leuten, die nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen, sondern das, was sie tun, wirklich aus Überzeugung machen. Vor 2 Jahren bspw. sind wir nach Südafrika und haben dort ein Skate-Aid-Programm unterstützt. Und beo solchen Projekten gibt es immer mal wieder arge Rückschläge, auch und gerade was dort die Jugendarbeit anbelangt. Den größten Respekt bekommen die Leute, die es aber trotzdem immer wieder versuchen, die nicht aufgeben, die an diesen kleinen Fronten weiterkämpfen. Leute, die sich aufopfern der Sache wegen, ohne Presserummel oder Ähnliches.

SM: Wenn Du die Macht hättest, etwas zu verändern, was wäre dies?

Roger: Puh, das ist schwer. Veränderung ist schwer. Die Leute, die sagen, dass sich etwas verändern muss, sind meist selbst nicht bereit, sich zu verändern. Es ist schwer, den “guten Tipp an alle” zu haben. Für mich ist so das Motto, dass man mit seiner Stimme, egal ob bei einer Wahl oder auch beim Einkauf, mit seinen Mitteln ein Wahlrecht hat. Und wenn die Leute das mehr realisieren und sagen, ich informiere mich ein bisschen und schau, welche Produkte ich kaufe, was ich damit unterstütze, finde ich, ist die Macht jedes Einzelnen schon recht groß. Ich hau mein Geld auch manchmal sinnlos raus, aber gerade bei Lebensmitteln beispielsweise achte ich auf den Cent. Billiger ist nicht immer gut. Und wenn mehrere Einzelne diesem Beispiel folgen, gäbe es bereits eine Veränderung.

SM: Stimmt, gemeinsam ist man weniger allein… Kommen wir von der weltlichen Philosophie zur kleinen Philosophie, und zwar dem Spielen. Spielst Du? Wenn ja, was genau?

Roger: Ich bin schon eher ein Konsolenspieler, gefürchtet in der Onlinewelt (lacht), und ich spiele aufgrund des Albums in letzter Zeit eher weniger. Aber wenn ich Zeit hab, zock ich total gerne so Arcade-Games wie das neue Pacman oder Jump ‘n’ Runs, wenn sie cool sind. So Dinge, die Dir vorgaukeln, Du brauchst dafür nur sehr sehr kurz, dann aber, wenn Du es spielt, Dich stundenlang fesseln können. Noch einmal und noch einmal und ein Level noch, so ein Spieler bin ich.

SM: Der Ehrgeiz hat Dich dann quasi gepackt?!

Roger: Oh ja, ich bin der Highscore-Nazi. (lacht)

SM: (lacht) Sehr schön.

Roger: Ja, ich habe einen Kumpel, der hat einen Videospielladen in München und auch Freunde, mit denen ich mich zum Zocken treffe. Ich bin jetzt nicht der Online-Zocker, sondern bevorzuge die Geselligkeit, die man beim Zocken erlebt. In der Hinsicht bin ich vielleicht noch etwas altmodisch, aber Online-Spiele sind für mich kein Abend füllendes Programm.

SM: Ich weiß was Du meinst. Ich spiele auch lieber in Gesellschaft, was meiner Wahrnehmung nach leider immer mehr in den Hintergrund gerät.

Roger: Ich finde es auch einfach cool, mit meinen Freunden zu zocken. Wir treffen uns immer noch zu viert bei einem Kumpel, der noch in einer WG wohnt, und zocken ein Spiel was eigentlich ein Einzelspieler-Game ist und wechseln uns dann ab. Das machen wir nun auch nicht jeden Abend. Wenn wir das einmal im Monat hinkriegen, sind wir froh und es macht dann auch ein netter Abend.

SM: Würdest Du denn ein Spiel empfehlen?

Roger: Klar, was echt einfach anfängt und später eine Herausforderung hoch drei wird ist “Trials”, ein Motorrad-Game von der Seite. So ein Motocrossspiel, wo es um Balance und Highscore geht. Ein weiteres, richtig geiles Spiel, was knackschwer ist, aber wo ich reingekippt bin, und das passiert mir selten, ist “Dark Souls”. Es ist gnadenlos, und man denkt sich zu oft: DAS KANN NICHT WAHR SEIN!, stetig am Rande des Nervenzusammenbruchs. Pflichtkauf. Und eine weitere Empfehlung, die mich über 2 Winter gebracht hat, ist “Super Meat Boys”, echt knackschwer, haarsträubend schwer.

SM: Abschliessen bitte ich Dich, folgenden Satz zu vervollständigen: Ich spiele gerne, weil…

Roger: Ich spiele gerne, weil das Leben schon ernst genug ist.

SM: Ein sehr schöner Schlusssatz. Roger, ich danke Dir für dieses Gespräch und Dir und Blumentopf noch weiterhin viel Erfolg.

Roger: Jo, mach’s gut.