Hühner sind schon possierliche Wesen. Sie gackern, machen Dreck und sorgen dafür, dass wir Spiegelei, Rührei und das morgendliche Frühstücksei essen können. So weit, so bekannt, so gut. Dass Hühner in unserer Gesellschaft überzüchtet und teilweise in Legebatterien gehalten werden, ist ebenfalls kein Geheimnis. Fressen, Eier legen, sich einzwängen lassen, zwischendurch mal diverse Geschäfte verrichten, fressen, Eier legen, und so weiter und so weiter.

Liefi ist eines dieser Legehennen, lebt in einer solchen Legebatterie und träumt von einem Leben draußen, außerhalb der Gefangenschaft. Also frisst sie 3 Tage lang nichts und fällt vor Erschöpfung halbtot um. Bei der nächsten Kontrolle bemerkt der Landwirt, dass es für diese Henne wohl kein Zurück mehr gibt und schmeisst sie auf einen Karren mit anderen, ebenso wenig lebendigen Hennen, um diese schließlich in eine Grube zu werfen. Bei dieser Grube wartet ein hungriges Wiesel darauf, dass es Futter gibt. Liefi erwacht und kann nur knapp diesem gefräßigen Tierchen entkommen. Letztendlich bekommt sie Unterstützung von einer Wildente mit zerzaustem Haar (oder sind es Kopffedern?). Zumindest wirkt seine Kopfbedeckung recht wild und läßt vermuten, dass es sich hierbei um eine verwegene Ente handelt. Nun hatte die Ente unserer Liefi geholfen, verschwindet ziemlich geheimnisvoll und rät Liefi, auf den Hof zurück zu kehren. Diesen Rat befolgt Liefi und ist dort, als freies Hühnchen, gar nicht mehr willkommen, landet sie doch ausgerechnet in dem Stall mit den Edelhühnern und dem Hahn, der sich von allen nur “Boss” nennen lässt und aggressiv reagiert, hat man gar die Dreistigkeit, ihn zu duzen. Ein solcher Wutanfall ist es auch, der die naive und gutmütige Liefi dazu bewegt, den Hof komplett zu verlassen und sich ihr Glück in der Wildnis zu suchen.

Hier erfährt sie die Hilfe von Herrn Bürgermeister Otter, seines Zeichens Immobilienmakler. Er sucht für Liefi eine neue Bleibe. Es kommt wie es kommen muss, Liefi trifft ihren Erpel in der Not wieder und hat sich verliebt, muss aber feststellen, dass dieser bereits mit einer Ente liiert ist. Schweinerei! Allerdings spielt das Schicksal in Form eines einäugigen Wiesels dem liebenswerten Hennchen zu und das Wiesel tötet die Ente. Liefi ergreift ihre Chance und lebt von nun an an der Seite ihres Göttererpels, sogar inklusive Ei. Dieses umsorgt sie wie ihr Eigenes. Schließlich wird auch Papa Erpel vom Wiesel getötet und Liefi ist allein erziehende Henne. Das Küken schlüpft, sie zieht es auf und sieht sich mit den üblichen Erziehungsschwierigkeiten konfrontiert. Identitätsfindung, Autonomiephase, Selbsthass, dies alles und noch viel mehr. Wie der Film endet, will ich an dieser Stelle nicht verraten. Es sei nur soviel gesagt: Es lohnt sich.

Dieser Film steckt so voller Symbole, spiegelt in so vielen Szenen die teilweise traurige, aber auch die schöne Realität wieder, dass es für einen Kinderfilm viel zu hoch gegriffen ist. Wenn man allerdings bedenkt, dass Japan eine parlamentarische Monarchie vorherrscht und es in Japan nicht üblich ist, seine Meinung offen kund zu tun. Somit bedient sich die Autorin dieses eigentlich als Roman herausgekommene Geschichte dem Instrument der Fabel – das hat ja auch bei uns schon funktioniert… Dieser Film lebt von seinen unglaublich vielen Feinheiten. Schaut ihn euch an, es lohnt sich. Einzig die Synchronisation trüben den DVD-Genuss ein wenig. Ansonsten grundsolider Film, eigentlich für Erwachsene.