Die Hintergrundgeschichte rund um “John Carter vom Mars”, so der offizielle Buchtitel, ist wirklich bemerkenswert. Wusstest du beispielsweise, dass die Romanvorlage von Tarzan-Autor Edgar Rice Burroughs stammt? Die Saga besteht aus 15 Geschichten, die zwischenzeitlich in 11 Büchern veröffentlicht wurden und da verwundert es nicht, dass sich auch Hollywood der Geschichte annehmen wollte, was aber in der Tat schwieriger war, als man meinen könnte. Bereits 1931 wollte Metro-Goldwyn-Mayer einen Zeichentrickfilm in Auftrag geben, doch nach ersten Testsequenzen, die einem interessierten Publikum gezeigt wurden, fiel die Kritik derart negativ aus, dass man das Projekt einstampfte. Es war der Anfang einer Odyssee…

John Carter – Zwischen den Jahren

Was in den 1930ern nicht gelang, schien in den 80ern nun doch noch zu klappen, als Walt Disney Pictures die Rechte erstmalig erwarb. Eigentlich sollte der Film ein Konkurrent zu den erfolgreichen Beispielen der Zeit werden, “Star Wars” und “Conan der Barbar”. Und für die Hauptrolle war angeblich sogar Tom Cruise vorgesehen. Doch letztlich scheiterte auch dieses Vorhaben an seinen hochgesteckten Zielen und so war es Paramount, die sich erneut an die Materie wagten. Jon Favreau übernahm Ende 2005 den Regiestuhl, im August 2006 wurde die Produktion jedoch wieder abgebrochen. Im Januar 2007 erwarb dann wieder Disney die Rechte und verpflichtete Regisseur Andrew Stanton und Drehbuchautor Mark Andrews für das Projekt. Der Dreh lief dann von Januar bis Juli 2010, das Budget wird auf 250 Millionen US-Dollar geschätzt, zuzüglich Werbekosten von weiteren 100 Millionen Dollar.

John Carter – Zwischen den Kinokassen

So, warum nun diese doch recht lange Einleitung samt Vorgeschichte? Weil die Entwicklung recht interessant ist für das Ergebnis. Denn: Der Film floppte kolossal an den Kinokassen. Disney meldete noch im März 2012, dass John Carter im laufenden Quartal voraussichtlich einen operativen Verlust von 200 Millionen Dollar einfahren werde. Auch die Kritiken fielen eher ernüchternd aus. Was ist da los? Vielleicht kommen wir erstmal zur Handlung für all diejenigen, die die Story noch nicht kennen…

John Carter – Zwischen zwei Welten

John Carter (TAYLOR KITSCH) glaubt, alles schon erlebt, alles schon gesehen zu haben. Doch dann gerät der ehemalige Offizier, der nicht mehr kämpfen will, in einen Konflikt, der alle Vorstellungskraft sprengt. Auf unerklärliche Weise findet er sich auf einem geheimnisvollen Planeten wieder, den die Bewohner Barsoom nennen. Exotische Geschöpfe bevölkern diese Welt, aber auch fremdartige Stämme und Kulturen, die sich bekriegen und damit ihren eigenen Untergang heraufbeschwören.

Auf seiner abenteuerlichen Odyssee durch eine fremde Welt, die am Abgrund steht, begegnet John Carter dem charismatischen Anführer Tars Tarkas (WILLEM DAFOE) und verliebt sich in die bezaubernde, selbstbewusste Prinzessin Dejah Thoris (LYNN COLLINS). Von unbekannten Gefahren bedroht und überwältigt von unglaublichen Eindrücken, entdeckt Carter wieder, was er verloren zu haben glaubte: seine Menschlichkeit. Schließlich erkennt er, dass die Zukunft des Planeten und das Überleben seiner Bewohner in seinen Händen liegen …

John Carter – Zwischen zwei Stühlen

So, und jetzt kommt das Spielemagazin daher uns sagt: Der Film ist toll. Verkehrte Welt. Aber mal im Ernst: Der Streifen wirkt in der Tat wie ein bunter Mix aus “Matrix”, “Star Wars”, “Planet der Affen”, einem beliebigen Italo-Western und “Avatar”. Was aber nach einer unmöglichen Mischung klingt, macht satte 130 Minuten lang richtig Spaß, auch wenn der Film hier und da ein paar kleine Löngen aufweist. Der Film kombiniert Elemente des modernen Science-Fiction-Kinos mit den Klassikern des Genres, ohne dabei wie ein Abziehbild zu wirken. Entstanden ist vielmehr Action-Popcorn-Kino vom Feinsten, welches aber ganz offensichtlich die Gemüter spalten kann.

Uns erinnert das Ganze ein wenig an “Tron” – nicht inhaltlich, sondern vielmehr der Umgang mit dem Film als solchen. “Tron” gilt auch als “Flop” – und dennoch genießt der Film bei einer großen Zahl an Fans regelrechten Kultstatus. Wir könnten uns gut vorstellen, dass es auch “John Carter” so ergehen wird. Ein vermeintlicher Flop an den Kassen und dennoch ein rundum gelungener Film für Actionfans.