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Unser Leben mit Vater (DVD)

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Unser Leben mit Vater (DVD)

Unser Leben mit Vater, USA 1947, ca. 113 Min., Regie: Michael Curtiz („Casablanca“), mit William Powell, Irene Dunne, der fünfzehnjährigen Elizabeth Taylor, einem etwas patinierten und verwaschenem Technicolor und einem ebensolchen Ton in Deutsch und Englisch, ohne nennenswerte Extras

Leben mit dem Mann als solchem

Schon in den ersten Bildern nach den Credits ist klar, dass Familienvater Clarence Day ein penibles Regiment in seinem Hause führt. Blitzsauber muss alles sein, 1883  im New Yorker Nobelhaus,  perfekt hat der Tisch gedeckt und das Frühstück serviert zu sein. Die vier Jungs kommen auch an Bürotagen in Anzügen, die Mutter ist zurechtgemacht, als gelte es wunder wen zu repräsentieren. Und schließlich betritt ein Clarence Day die Bühne, der bezeichnenderweise vorher schon einmal als Schatten zu sehen war. Der Schatten eines Haustyrannen schwebt über dem ganzen akkuraten Arrangement. Regisseur Michael Curtiz hat immer gern solche Bildarrangements geliefert, neben Schatten kann man in fast jedem Curtiz-Film Menschen in Spiegeln oder sich in Fensterglas spiegelnd sehen. So ist dies auch hier. Beispielsweise dient gleich zu Beginn der Spiegel als Ort, an dem das Hausmädchen noch einmal ängstlich prüft, ob ihre Kleidung auch perfekt sitzt, an dem aber die Dame des Hauses schon überlegen vorbeischreiten kann, wissend, dass sie selbst schon Teil eines perfekten gerahmten Bildes der Familie ist. Curtiz nutzt diese Dinge geschickt, um hektische Schnitte zu vermeiden. Manchmal erreicht er leider das Gegenteil, denn seine Schwenks (z.B. auf eine extra mit Clarences Namen gekennzeichnete Milchkanne) und originellen Blickwinkel (z.B. aus Untersicht auf ein Droschkenpferd) wirken leicht manieriert. Es ist schon klar, dass Curtiz mit vielem davon auf die (vermeintliche) Omnipotenz Clarences hinweisen möchte, doch das hat einen Hang zum Überdeutlichen. Manches ist aber einfach mal zweckfrei schön, so wie eine sich scheinbar im Unendlichen verlierende Fluchtperspektive einer schnurgeraden New Yorker Straße (und wir fragen uns immer noch, wie man das im Studio hinbekam oder ob ein so weitreichender Blick tatsächlich im New York des Jahres 1947 akkurat auf 1883 getrimmt werden konnte).

Insgesamt habe ich Curtiz’ Willen zur ästhetischen Raffinesse eher als positiv empfunden, ist sein Stoff doch erkennbar ein Theaterstück, das zumeist im Haus der Familie spielt. Curtiz wahrt weitgehend die Einheit des Ortes, aber eben ohne lediglich eine Art abgefilmtes Theater zu präsentieren. Neben den beschriebenen Bildgestaltungen nutzt er auch schon einmal punktgenau Blitz und Donner, wenn es zwischen den Eheleuten mal wieder um Fragen der Religion geht. Hier hat der Film einen gewissen satirischen Biß und kritischen Blick auf die Kirche, auch durch einen von Edmund Gwenn gespielten Pfarrer. Anscheinend ein betulicher älterer Mann, ist er doch ziemlich schlitzohrig und scheinheilig und hat hauptsächlich das Interesse, druckvoll Spenden einzutreiben und Schäfchen zum Herrn zu holen (einmal spricht er gar in der Vergangenheit von Mrs. Day, als diese krank ist, so als könne er kaum erwarten, dass sie zum Herrn gerufen wird!). Doch beißt er sich mitunter an dem kühlen Kaufmann Clarence Day die Zähne aus. Dieser weigert sich in der Kirche zu knien und hat sich niemals taufen lassen, was für die Gattin eine Ungeheuerlichkeit ist. Wie hier übertriebene Frömmigkeit auf die Schippe genommen wird, gehört zu den schönsten Momenten des Filmes!

Dabei ist dies bei aller Schärfe eine äußerst liebenswerte, warmherzige, gelegentlich sentimentale Familienkomödie, die einem nicht nur ein Schmunzeln, sondern vielleicht auch einmal ein Tränchen entlocken kann, wenn man eine mal chaotische, im Kern aber heile Familie als Kind erlebt hatte und sich nach dieser Zeit zurücksehnt. Es wird relativ schnell klar, dass der von William Powell gespielte Haustyrann im Grunde ein sehr liebenswerter Haustyrann ist. In seinen besten Momenten erinnert der Film an Loriot, speziell an „Pappa ante Portas“. Er hat zwar nicht ganz so absurde Dialoge mit einem letztlich sinnhaften Nonsens, aber lebt ebenfalls davon, dass es in den Dialogen darauf ankommt, was NICHT gesagt wird. Der älteste Sohn, der im kommenden Jahr nach Yale auf die Uni gehen wird, verguckt sich in einen hübschen koketten Backfisch (sehr effektiv: die junge Liz Taylor), und wenn der Vater mit dem Sohne… eine Pseudo-Aufklärung über die Frau als solche betreiben will, erinnert das an die verklemmten Versuche, die Loriot alias Heinrich Lohse mit seinem Film-Sohn Dieter unternimmt („Männer sind… und Frauen auch… überleg’ Dir das mal… Verstehst Du, was ich sage? Schön, dass Du mal offen über alles gesprochen hast… Frauen haben auch ihr Gutes.“). Obwohl Liz Taylor dick auf dem Cover prangt (mit einem Foto, auf dem sie wohl nicht mehr ganz so jung war wie im Film), hat sie nur eine Nebenrolle und stehen die Eheleute Day im Vordergrund. Wie bei Loriot und Evelyn Hamann ist der Mann gelegentlich ein bißchen betriebsblind, killt jede Stimmung, indem er meint, alle emotionalen Probleme mit rationalen Argumenten lösen zu können und kapiert gelegentlich nicht, warum seiner Frau deswegen mal zum Lachen, mal zum Heulen ist. Wenn er in letzterem Falle leicht aufbrausend und ehrlich fassungslos immer meint, „Was habe ich denn jetzt schon wieder gesagt?“, so ist dies eine herrliche Dekonstruktion von tapsiger Männlichkeit, denn es kommt wie erwähnt darauf an, was er NICHT gesagt hat. Die distinguierte und kluge Gattin (Irene Dunne) hat dann aber letztlich doch ihre weibliche Raffinesse, um dem Stein von Gatten gewisse emotionale Liebesbekundungen zu entlocken. Wenn er – äußerlich immer noch im Kommandoton – gesteht, sie jede Minute der zwanzigjährigen Ehe geliebt zu haben, ist dies beinahe so schön wie die Versöhnung von Loriot/Hamann in „Pappa ante Portas“, die auch eher beiläufig geschieht, indem beide feststellen, gemeinsam über ein schauerlich harmoniesüchtiges Ehepaar lästern zu können und dabei zunächst gar nicht bewusst einander ihre Liebe bekunden.

Am Ende scheint es zunächst, dass der Film genauso betulich und versöhnlich ist, wie man es die ganze Zeit erwartet hat. Aber bei näherem Hinsehen ist der Mann vollständig demontiert. Er hat nicht nur gegenüber seiner Frau, sondern auch gegenüber den Kindern alle Zugeständnisse gemacht, die diese sich nur wünschen können. Und er muss dafür einen hübschen Batzen Geld ausgeben, was unserem Mini-Onkel Dagobert den ganzen Film über (bei deutlich geringeren Summen) reichlich schwer gefallen ist. Dass diese Demontage dennoch ein Happy End ist, macht diese Komödie zu einem wunderschönen Liebesfilm. Clarence flucht immer noch herum, aber in seiner herrischen Entschlossenheit ist er nun entschieden, die Dinge, die er tut, aus Liebe zu Frau und Familie zu tun. Er akzeptiert seine Demontage und hält mit wissender Selbstironie den Schein des „Herrn im Hause“ aufrecht. Das ist eine wirkliche Reifung. Und vielleicht ist das Bild der endlosen Straßenflucht doch kein Selbstzweck, denn am Ende taucht es noch einmal auf: Die Welt steht Mr. Clarence Day mit seiner neuen Haltung offen!

Nicht ganz alles an diesem Film ist stimmig, daher gebe ich trotz äußerst positiver Grundhaltung nur 75 Punkte. Die Absurditäten hätten im Loriot’schen Sinne noch gesteigert werden können. Manche Gags werden überstrapaziert wie beispielsweise das sechsmalige (!) Entsetzen des Hausmädchens, dass alle männlichen Familienmitglieder und sogar noch ein zugelaufener Hund rothaarig sind. Die Backfischliebe zwischen dem ältesten Sohn und dem Liz-Taylor-Charakter bietet schönes komisches und Coming-out-Potenzial, bleibt aber am Ende zu sehr Randerscheinung. Die Filmmusik (Max Steiner) wiederholt zu penetrant das Hauptthema. Die DVD-Qualität könnte besser sein. Nun denn, insgesamt kommt man bei dieser nicht zum Brüllen komischen, aber zum Wohlfühlen einladenden Familienkomödie auf seine Kosten.

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Geliebter Haustyrann… Warmherzige Familienkomödie mit einer jungen Liz Taylor, etwas Biß, viel Herz und nur kleinen Schwächen.

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