ITV, Lookout Point, ABC, Global TV und unser hiesiger öffentlicher Sender ZDF, haben zum 100. Jahrestag des Untergangs der Titanic eine aufwändige Neuinszenierung im Format einer Miniserie ins Rennen geschickt. Wir sagen euch, ob sich die Serie für euch lohnt oder ob das Thema zum Untergang ebenfalls dem Untergang geweiht ist.

14 April 1912. 23:40 Uhr. 300 Seemeilen vor Neufundland.

Drei Daten, drei Fakten. Fakten, die noch immer heute für viele Leute eine gewisse Faszination auslösen, für einige andere Individuen hingegen in einer absoluten Tragödie münden. Für die einen ist das Wort “Titanic” ein gelungenes Medienepos, mit viel Herzblut, großartiger Inszenierung, hoch bezahlten Schauspielern und einer historisch bedingten Hintergrundgeschichte. Für andere, ist eben selbes Wort mehr eine menschliche Tragödie, die zeigt, welche Auswüchse gnadenlose Dekadenz in Zusammenspiel mit nur menschlichem Geiz und Unachtsamkeit nehmen kann. Wo Fokus auf Luxus und Glamour liegt, nicht auf Sicherheit und Gleichberechtigung, genau da setzt die Historie an. Und diesen Spagat möchte die Produktion um die vierteilige Miniserie Titanic nun genauer begutachten und einen anderen Blick auf dieses Ereignis werfen.

Doch kommen wir zum eigentlichen Release. Während Emmy-Gewinner Julian Fellowes, der u.a. die Drehbücher für seine Serie Downton Abbey schreibt, das Drehbuch der Miniserie übernahm, schuf Jon Jones dem Drehbuch ein Gesicht in seiner Rolle als Regisseur. Grundsätzlich also schon einmal ein sehr gelungenes Cast im Hintergrund der Serie, doch reicht das auch aus? Nein, das tut es nicht. Die Serie wird keineswegs der Tragödie gerecht, geizt an gewissen Stellen an Realismus, trotz dafür mit stellenweise starkem Klassenhass und Langatmigkeit wieder auf. Während die ursprüngliche Serie so konzipiert war, dass in Teil 1 nach einem müden Einstieg die erste Klasse bis zum Zeitpunkt des Untergangs beleuchtet wurde, wurden in Teil 2 der selbe Zeitraum aus Sicht der 2. und 3. Klasse interpretiert. In Teil 3 wurde die unermüdliche Sicht der Besatzung genauer gezeigt, in ihrem Kampf gegen das Sinken des Schiffes. Alle drei Teile laufen mit ihrem Cliffhanger Ende in Teil 4 zusammen, welches sozusagen den Abschluss für alle drei Teile bietet. Während man in Teil 1 bspw. den Weg von Hugh, dem Graf von Manton, miterlebt und sein Verhalten mit den Angestellten, sieht man die selbe Szene aus einem anderen Winkel, aus Sicht der Besatzung oder zweiten bzw. dritten Klasse in einem der nächsten beiden Teile noch einmal.

“Bitte nehmen sie am Scheitel noch etwas mehr ab”

Doch diese Aufteilung auf 4 Folgen hat das ZDF für den deutschen Markt nicht vorgenommen, sondern beschränkt sich auf die ersten beiden Teile der Serie. Jede ist mit ihren 90 Minuten Laufzeit als eigenständiger Spielfilm zu sehen, und müssen nicht in Reihenfolge geschaut werden um verstanden zu werden. Und doch findet keiner der beiden Teile einen wirklichen Abschluss, da – wie weiter oben beschrieben – das Ende aller Teile im rausgeschnittenen 4. Teil der Serie liegt. ZDF, habt ihr euch das wirklich gut überlegt? Ostern 2012 habt ihr in der langen Nacht der Titanic alle 4 Teile am Stück gezeigt, aber auf dem Release tauchen nur Teil 1 und 2 auf – Marketingtrick um Teil 3 und 4 separat zu verkaufen, oder schlichtweg Budget?

Doch wollen wir der Serie auch etwas Gutes abgewinnen. Das Budget, welches in die Ausstattung geflossen zu sein scheint, scheint hervorragend angelegt zu sein. Die Kostüme der Schauspieler, die Kulisse im und abseits des Schiffes sehen sehr gut aus und wirken, als habe die Kulissen- und Maskenbilder einen ausgereiften Job gemacht. Die Schauspieler sind durch die Bank gut ausgewählt, wobei einige von ihnen jedoch Schwierigkeiten zu haben scheinen, in ihre Rolle zu schlüpfen und diese wirklich glaubwürdig auszuspielen. Die Synchronsprecher hingegen sind sehr gut ausgewählt und machen ihren Job, abgesehen von einigen kleinen unsynchronen Lippenbewegungen, durchweg sehr gut.