In „The Ides of March – Tage des Verrats“ begibt sich Frauenschwarm George Clooney in seinem inzwischen vierten Film als Regisseur zurück ins anspruchsvolle Genre.

Im packenden 97 minütigen Drama begleitet der Zuschauer Stephen Meyers (Ryan Gosling) bei seiner Arbeit als Organisator für die Wahlkampagne des US-Präsidentschaftskandidaten Mike Morris (George Clooney). Stephen hat mit seinen rund 30 Jahren alles, was man in dieser Branche benötigt: Selbstbewusstsein, Leidenschaft, Ideale, Logik und viele gute Strategien im Hinterkopf. Zusammen mit seinem Vorgesetzten Paul (Philip Seymor Hoffman) setzt er alles daran, seinen Kandidaten ins Weiße Haus zu katapultieren. Mit Herzblut hängt sich Stephen, der an seinen Kandidaten glaubt, ins Zeug, bis das Kartenhaus nach und nach zu bröckeln anfängt. Alles beginnt mit der Praktikantin Molly, die ein kleines Geheimnis unter ihrem Herzen trägt und sich Stephen nur anvertraut, weil dieser sich sexuell zu ihr hingezogen fühlt. Zeitgleich wird er von der Konkurrenz umworben und begeht einen folgenschweren Fehler, der ihn seine Karriere und Molly kostet. Doch Stephen wäre nicht so weit gekommen, wenn er nicht wüsste worum es in diesem Geschäft geht. Er setzt alles daran seinem Ziel näher zu kommen, und merkt erst spät, dass er selbst so geworden ist, wie die Leute, die er verabscheut.

Politik in ihrer ehrlichsten Form

Mit dieser Geschichte rechnet Clooney auf seine Art und Weise mit den politischen Machenschaften seines Heimatlandes ab. Schon 2009 angedacht, wartete Clooney mit dem scharfzüngigen Polit-Film, bis die Euphorie der letzten Wahlen rund um Obama verebbt war. Eine kluge Entscheidung seitens des Regisseurs, denn hier wird kein gutes Haar an den Politikern und ihren Helfern gelassen. Auf anschauliche, ernste Manier wird hier gezeigt, mit welchen Mitteln, Lügen und Intrigen die Stellvertreter des Volkes tatsächlich an die Macht kommen. Ganz nach den Motto: Der Zweck heiligt die Mittel, wird gelogen, getrickst und gemogelt was das Zeug hält.

Die Umsetzung beinhaltet bei dieser Thematik zwar keinerlei Spannung, und trotzdem ist der Film an keiner Stelle langweilig. Wie bei einer Partie Schach, weiß man nie was der nächste Zug bringt.

Starbesetzung a lá Hollywood

Clooney und die andere Besetzung können rundum in ihren Rollen überzeugen. Man kauft ihnen sofort ab, was sie spielen. Besonders Gosling zeigt, dass er ein absolutes Naturtalent ist, und das Zeug zu einer neuen Hollywood-Größe hat. Dies ist jedoch nicht allein seiner eigenen schauspielerischen Leistung zu verdanken, sondern liegt auch an den wortgewandten Dialogen, die zwar am Anfang eher für einen zähflüssigen Einstieg sorgen, später aber den Nagel auf den Kopf treffen und einfach zu einem solchen Film gehören.

Kleinere Anspielungen an frühere Polit-Skandale, wie zum Beispiel M. Lewinsky dürfen bei der gelungenen Umsetzung nicht fehlen. Genauso wie Anspielungen auf leere politische Versprechen.

Die Wahl der authentischen Schauplätze verleiht den Film besonders bei der Blu-Ray noch mehr Glaubwürdigkeit und sorgt dafür, dass man den Ursprung, ein Theaterstück, nie vermuten würde. Weniger auffallen tut hingegen der Sound, dem hier nicht viel abverlangt wird. Er unterstreicht wichtige Szenen gekonnt, ist jedoch nicht aufdringlich.

Oscarreife Leistung

Alles in allen ist „The Ides of March“ ein komplexer, ehrlicher und fesselnder Polit-Film, der durch seine Umsetzung gänzlich überzeugen kann. Er kann mit politisch angehauchten Filmen, wie „Baader Meinhof Komplex“ oder ähnlichen mithalten.