Wer schräge Komödien liebt, der wird mit dem Namen Wes Anderson sicherlich etwas anfangen können. “Moonrise Kingdom” ist sein neuestes Werk, das mit alternder Starbesetzung aufwartet.

New Penzance Island – Irgendwo im Nirgendwo

1965 – New Penzance Island ist eine kleine Insel auf der sich der 12jährige Pfadfinder Sam Shakusky (Jared Gilman) befindet. Verliebt in die gleichaltrige Anwaltstochter Suzy Bishop (Kara Hayward), entsteht der Plan mit ihr zusammen reißaus zu nehmen und sich irgendwo auf der Insel zu verstecken. Suzys neurotische Familie versteht sie in keinster Weise und Sam wird von seinen Team abgrundtief gehasst. Dass Scout Master Ward (Edward Norton), seine Truppe,  Captain Sharp (Bruce Willis) und Suzy’s Vater (Bill Murray) nach den beiden suchen, haben sie mit eingeplant. Eine Suche, die alle an ihre Grenzen führt und die merkwürdigsten Verstrickungen aufdeckt.  So hat Sharp eine heiße Affäre mit Suzy’s Mom, Suzy und Sam heiraten, das Jugendamt will Sam in ein Asyl bringen und die Pfandfinder erkennen nach einigen brutalen Übergriffen, dass Teamgeist alles ist. All das spitzt sich während des stärksten Unwetters aller Zeiten im Herzen einer Kirche zusammen.

Sinn oder Unsinn

Damit ist die schräge Handlung des Film fast gänzlich erklärt und das größere Problem taucht auf, denn vergeblich versucht man die Intention oder Absicht des Films zu verstehen. Wer Wes Anderson kennt, der weiß, dass ihm Absurditäten wichtiger sind, als ein tiefgründiger Hintergedanke. Bei einer solchen Story wird dies jedoch immer wieder gesucht. So geht man anfangs von einer Anspielung auf den Vietnam-Krieg aus. Später kommt der Verdacht, dass die merkwürdige Moral der Amerikaner auf die Schippe genommen werden soll. Doch bald wird klar, dass nichts davon wirklich die Absicht war. Originelle Gags oder witzige Charaktere hätten den Weg in Richtung schräge Komödie verdeutlichen können. Da weder der Hintergrund noch die Komik oder Spannung wirklich hervosticht, bleibt eben nur die Frage: Was hat man sich hierbei gedacht? Ohne Sinn und Verstand würde doch kein Bruce Willis oder Edward Norton vor die Kamera treten? In diesem Fall wohl doch.

Weltstars vs. schwache Handlung

Die schwache Handlung, die bis auf ein paar witzige Situationen, Dialoge seitens Erzähler und interessanter Musik, nicht viel zu bieten hat, kann auch durch die Starbesetzung nicht gerettet werden. Trotz sichtlicher Bemühungen wirken die Weltstars eher wie Nebendarsteller. Sie sind blasse Figuren, die jedoch ihr Bestes versuchen, zumindest die wenigen vorhandenen komödialen Ansätze umzusetzen. Dies konnte jedoch nur in die Hose gehen, denn kaum ein Schauspieler kann aus einer langweiligen Handlung etwas herausholen. Interessant ist jedoch die Rollenverteilung, denn sowohl Bruce Willis als auch Edward Norton spielen einmal keine Action-Helden oder Bösewichte.

??? lösen nicht jeden Rätsel

Die gesamten 94 Minuten wartet man auf einen neuen Gag, eine Erklärung oder ähnliches. Und am Ende ist lediglich das große Fragezeichen im Gesicht. Es ist eine Möglichkeit den Zuschauern im Gedächtnis zu bleiben. Eigentlich sollte jedoch eine andere Art und Weise angestrebt werden.  Dabei bietet der Plot genügend Material, sowohl für eine brillante Komödie, als auch für ein tiefgründiges Drama. In Kombination mit der Besetzung hätte ein zeitloser Kult-Film daraus werden können. So kann man den Film in keine Schublade stecken und genauso wenig einstufen. Alles in allem ein interessanter Film, der uns jedoch nicht überzeugen konnte. Einziges Highlight ist die Auswahl der Musik, die wie bei “Peter und der Wolf” für eine interessante Untermalung sorgt.